Dieses Spiel ist für jeden Krimi-Fan  ein Muss

Martin Abgottspon

17.12.2018

Insgesamt muss man 60 ominösen Todesfällen auf die Schliche kommen.
Bild: 3909 LLC

Wer für die Weihnachtstage einen «Twin-Peaks»-Marathon oder Ähnliches geplant hat, sollte stattdessen einen Blick auf «Return of the Obra Dinn» werfen. Bei diesem Indie-Spiel geht jedem Hobby-Detektiv das Herz auf.

Im Jahr 1802 verschwindet ein Schiff der Ostindischen Handelskompanie spurlos. Erst fünf Jahre später taucht die Obra Dinn wieder auf. Doch die gesamte Besatzungscrew von 60 Seeleuten ist tot. Was war passiert? Das muss der Spieler bei «Return of the Obra Dinn» nun herausfinden.



Wer sich von der etwas gewöhnungsbedürftigen monochromen Grafik nicht gleich abschrecken lässt, hat rund acht bis zwölf Stunden besten Rätselspass vor sich. Doch alles der Reihe nach. 

Schon kurz nachdem man an Deck des Geisterschiffs kommt, trifft man auf die ersten Leichen. Mithilfe einer besonderen Taschenuhr sieht man kurz darauf die letzte Episode aus dem Leben einzelner Figuren. Nicht erschrecken: Hier können durchaus auch mal Pistolenschüsse aus nächster Nähe den Hals eines Matrosen zerfetzen.

Auch die Redaktion von «Gamestar» ist von «Return of the Obra Dinn» angetan.

Bild: Youtube

Der Griff zum analogen Notizbuch kann helfen

Wer hat wen und wie umgebracht? Diese Fragen gilt es für die gesamte 60-köpfige Besatzung zu klären. Ein digitales Notizbuch hilft einem dabei den detektivischen Fortschritt festzuhalten und zu überwachen. Geschicktes Kombinieren von Todesursachen, Mörder und Opfer sind gefragt. Setzt man die Puzzlestücke richtig zusammen, ändern sich die Einträge im Notizbuch von handschriftlichen Notizen zu Druckbuchstaben. 

Das Knobeln ähnelt oft einem verzwickten Sudoku, mit dem entscheidenden Unterschied, dass es wesentlich szenischer und spannender gestaltet ist. Selten hat sich Detektivarbeit in einem Videospiel so authentisch angefühlt. Wer sich mit Raten durchschlagen will, wird schnell feststellen, dass er damit nicht weit kommt. Stattdessen legt man sich besser noch einen analogen Notizblock und Stift bereit, die einem bei dem ganzen Wirrwarr an Bord der Obra Dinn unglaublich nützlich sein können.

Die Bilder und auch die Musik untermalen «Return of the Obra Dinn» perfekt.
Bild: 3909 LLC

Leider ohne Wiederspielwert

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass «Return of the Obra Dinn» durchaus den Titel «Indie-Spiel des Jahres» verdient gehabt hätte, sich in dieser Kategorie bei den Game Awards aber «Celeste» geschlagen geben musste. Immerhin bekam das einfühlsame Krimi-Abenteuer von Lucas Pope die Auszeichnung für die beste Art Direction.

Wer sich jetzt dazu entscheidet, sich in dieses Abenteuer zu stürzen, wird mit einer nicht-linearen Geschichte belohnt, die fantastisch, tragisch und ebenso spektakulär inszeniert wird. An den C64-Look hat man sich schnell gewöhnt und findet ihn im Rahmen der Erzählung im 19. Jahrhundert sogar irgendwie passend. Als grosser Wehrmutstropfen bleibt bloss die Tatsache, dass «Return of the Obra Dinn» ein einmaliger Spass ohne wirklichen Wiederspielwert bleibt.

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