Metaverse

Ist «Fortnite» der Beginn vom neuen Internet?

Von Pascal Wengi

24.4.2020

Exklusive Konzerte, die es nur im Spiel gibt: «Fortnite» ersetzt die reale Welt. 
Bild: Epic Games

Technologie-Experten sind überzeugt, dass sich das Internet weiterentwickeln wird. Ein interessantes Modell stellt dabei die Idee eines Metaverse dar. Doch was ist ein Metaverse und welche Rolle spielt «Fortnite» bei dieser Evolution?

Für die nächste Stufe der Internet-Evolution stellen sich die klugen Köpfe des Silicon Valley eine virtuelle Welt vor. Ein digitaler Raum als Summe aller virtuellen Welten des Internets. Man kann sich das Metaverse wie ein riesiges, virtuelles Einkaufszentrum vorstellen. Jeder Nutzer würde nicht mehr bloss einzelne Seiten im Internet ansteuern oder Programme verwenden, sondern sich virtuell in dieses Einkaufszentrum begeben. Wer beispielsweise neue Kleidung kaufen möchte, ruft nicht bloss eine Adresse im Internetbrowser auf, sondern steuert seinen Avatar virtuell in den Kleiderladen.



Alternativ wäre natürlich auch ein Besuch im Museum möglich, bei welchem man digital mit dem Tyrannosaurus Rex einen Spaziergang durch die Kreidezeit unternimmt, während ein virtueller Erzähler Informationen zu den Dinosauriern zum Besten gibt. Im Metaverse fühlt sich jeder Ausflug ins Internet wie das Spielen eines Computerspiels an. Am ehesten kennt man das Metaverse schon heute aus Online-Rollenspielen wie «World of Warcraft», «Second Life» oder «Runescape». Im virtuellen Raum treffen sich hunderte Spieler in der selben Welt, um gemeinsam zu spielen oder einfach abzuhängen. Hierbei steht der soziale Aspekt und die Interaktion mit anderen Nutzern oft im Vordergrund.

Wer dabei sein will, muss online sein

Natürlich wäre so ein Metaverse aus diversen Überlegungen wirtschaftlich durchaus interessant. Erst muss es aber beim Nutzer akzeptiert sein. Daran arbeitet man aktuell mit Hochdruck, indem man die digitale Welt exklusiv macht und den Leuten zeitglich ein Gemeinschaftsgefühl ermöglicht. Statt wie bisher grössere Ereignisse isoliert am Bildschirm zu verfolgen, begibt man sich in eine virtuelle Menge und verfolgt das Ereignis gemeinsam.

Solche Events finden zum Beispiel in «World of Warcraft» schon länger statt. Tausende von Spielern treffen sich dort jedes Jahr an Silvester, um den Neujahrsbeginn zu feiern. Gerade aktuell sorgt aber vor allem «Fortnite» für Schlagzeilen, weil Rapper Travis Scott ein exklusives Konzert im Spiel gibt. Genauer gesagt ist es eher eine virtuelle Tournee, denn der US-Rapper gibt fünf Konzerte zu verschiedenen Zeiten, damit Fans in jeder Zeitzone die Chance haben, am Event teilzunehmen.

Es ist nicht das erste Konzert im «Fortnite»-Universum. Schon letztes Jahr hatte etwa der Star-DJ Marshmello seinen Auftritt vor etwas mehr als elf Millionen Zuschauern in der virtuellen Welt von «Fortnite». Solche Events bescheren dem Entwickler Epic Million-Einnahmen durch sogenannte V-Bucks, der spielinternen Währung, mit welcher sich Spieler Skins und Emotes zum Event kaufen können. Ähnlich wie man das sonst vom Merchandise-Stand an realen Konzerten oder Open Airs kennt.

«Fortnite» hat die Nase vorn

«Fortnite» ist unlängst zum kulturellen Phänomen geworden und wer 2020 immer noch nicht weiss, was «Fortnite» ist, der lebt entweder hinter dem Mond oder lügt. Das Game von Epic wurde zu mehr als nur einem Computerspiel und ist für viele jüngere Menschen mittlerweile ein fixer Treffpunkt, um mit Freunden abzuhängen.

Viele Experten sehen deshalb in «Fortnite» den aktuellen Spitzenreiter im Rennen zum Metaverse. Dies noch vor Facebooks «Horizon», welches der Internetgigant eigens entwickelt, um eben ein solches Metaverse zu schaffen. Denn eines hat «Fortnite» allen anderen voraus: seine unglaubliche Beliebtheit und Reichweite. Firmen und Prominente reissen sich förmlich darum im Spiel vertreten sein zu dürfen.

So verfügt das Battle-Royale-Spiel schon jetzt über ein enormes Portfolio an Lizenzen aus Film, Musik, Sport etc. «Fortnite» ist aktuell der einzige Ort im Internet, in dem Marvels Deadpool vor DCs Batman twerkt, während John Wick und ein Football-Star der San Francisco 49ers zusehen. Und dies ohne dass ein einziges Copyright verletzt wird. Wer sich jetzt an den Film «Ready Player One» erinnert fühlt, der ist nicht auf dem Holzweg.

Steven Spielbergs Hollywoodstreifen zeigt mit seinem fiktiven «Oasis» bestens auf, wie so ein Metaverse aussehen könnte. In Sachen Beliebtheit, Fülle an Lizenzen und Angebot an Events ist «Fortnite» auf dem besten Weg dazu, das reale Pendent zur filmischen «Oasis» zu werden. In Zukunft werden wohl noch viele Events aus dem echten Leben in «Fortnite» stattfinden. Solange das Geld ordentlich fliesst, spricht schliesslich auch nichts dagegen. Und gerade in solchen Zeiten wie jetzt ist das Bedürfnis an virtuellen Welten absolut vorhanden.

Rechenkapazitäten sind gefragt

Im Moment beschränkt sich das Metaverse vielleicht noch auf Heldeneinsätze im Batmobil vor einer von Godzilla attackierten Starbucks-Filiale. Bis wir dann auch virtuell bei Ikea einen neuen Schreibtisch fürs echte Leben kaufen, dauert es wohl noch etwas.

Aktuell tummeln sich bis zu maximal 100 Spieler auf einem «Fortnite»- Server, was für ein Metaverse viel zu wenig wäre. Ausserdem müsste der grosse Hauptserver 24h am Tag, sieben Tage die Woche reibungslos laufen und das ist etwas, was die «Fortnite»-Macher in den Augen der Spieler gerade absolut nicht im Griff haben.

Und auch die Frage der Rechenleistung ist längst noch nicht geklärt. Was wäre beispielsweise, wenn tatsächlich plötzlich hunderttausende Spieler auf dem Bildschirm zu sehen sind? Hier könnte sicher Cloud-Computing seinen Beitrag leisten. Welche Antworten man dann noch auf die moralischen und ethischen Fragen findet, das steht noch in den Sternen. In den realen Sternen.

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