Tech-Exodus

Google bringt Mitarbeiter vor Putin in Sicherheit

Von Dirk Jacquemien

19.5.2022

Google nimmt in Russland Reissaus.
Google nimmt in Russland Reissaus.
Getty Images

Google hat fast alle seine russischen Mitarbeiter*innen ausser Landes gebracht, weil die Fortführung der Geschäfte in Russland nicht mehr möglich ist.

Von Dirk Jacquemien

19.5.2022

Hunderte russische Google-Mitarbeiter*innen haben wohl permanent das Land verlassen, nachdem dem Unternehmen die Fortführung der Geschäfte unmöglich gemacht wurde. Ein russisches Gericht hatte zuvor das Konto des Google-Tochterunternehmens in Russland eingefroren.

Damit ist es Google unmöglich, laufende Kosten wie die Löhne für die in Russland verbliebenen Mitarbeiter*innen zu decken, weswegen man für das Tochterunternehmen Konkurs anmelden werde, wie eine Google-Sprecherin zur «Washington Post» sagte.

Vor Kriegsbeginn hatte Google 244 Mitarbeiter*innen in Russland, fast ausschliesslich russische Staatsbürger*innen. Die Mehrheit davon habe inzwischen mit Unterstützung Googles das Land verlassen und arbeite an anderen Google-Standorten, vor allem in Dubai, weiter für das Unternehmen, wie das «Wall Street Journal» berichtet.

Russland traut sich nicht, Google zu sperren

Bereits im März hatte Google ankündigt, zahlungspflichtige Produkte wie Cloud-Dienste nicht mehr in Russland anzubieten. Auch der Verkauf von Werbeanzeigen wurde gestoppt. Seine kostenlosen Dienste wie die Suche, Gmail oder auch Youtube will Google aber weiterhin in Russland anbieten, weil Russ*innen so an «hochwertige Informationen» kommen könnten.

Die russischen Behörden drohen immer wieder mit der Sperrung von Google-Diensten, aber gerade Youtube ist in der Bevölkerung sehr beliebt, sodass vor diesem Schritt anders als bei Twitter oder Instagram bisher zurückgeschreckt wurde. Vor dem Krieg versuchte Russland stattdessen, Google mit Einschüchterungstaktiken auf Linie zu bringen.

Google-Chefin von Geheimdienst besucht

Im vergangenen September, unmittelbar vor den Parlamentswahlen, hatten Mitarbeiter*innen des Inlandsgeheimdienstes FSB die russische Google-Chefin zunächst in ihrer Privatwohnung und dann in dem Hotel, in das sie geflüchtet war, aufgesucht.

Dabei soll ihr mit einer Anklage wegen Hochverrats gedroht worden sei, falls sie eine von der Organisation von Oppositionsführer Alexei Nawalny entwickelte App nicht aus dem Play Store entfernen lasse. Aus Sorge um das Wohl seiner Mitarbeiter*innen löschte Google die App.

Russische Tech-Industrie fällt auseinander

Die russischen Google-Mitarbeiter*innen sind Teil eines wahren Exodus an hochqualifizierten Tech-Expert*innen geworden, die das Land seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine verlassen haben. Laut der Organisation «Ok Russians», die russischen Emigrant*innen helfen will, haben in den vergangenen Monaten rund 300'000 Menschen Russland den Rücken gekehrt.

Knapp die Hälfte davon soll in der Tech-Branche arbeiten. Der russischen Staatsführung ist bewusst, dass der heimischen Tech-Industrie der völlige Kollaps droht. Ende März unterschrieb Präsident Putin ein Dekret, das es IT-Spezialisten erlaubt, ihren Militärdienst zu verschieben.