Verbeugt euch! Die Königin der Verwandlung wird 60

Fabian Tschamper

5.11.2020 - 12:02

Tilda Swinton überzeugt in den absurdesten Rollen Hollywoods. Heute wird die schottische Schauspielerin 60 Jahre alt. Happy birthday, Tilda! 

Was unterscheidet Leonardo DiCaprio von Tilda Swinton? Den einen kennen wir als herausragenden Schauspieler – möglicherweise auch Frauenhelden –, der für jede Rolle sein eigenes Gesicht trägt. Swinton hingegen ist ein Chamäleon. Ihre Castings dürften fantastisch sein, so stellen wir uns das in etwa vor:

«Frau Swinton, wir hätten gerne, dass Sie in unserem Film einen 82-jährigen Mann spielen ...»

«Also, ich will Ihnen als Produzenten ja nicht zu nahe treten, aber Ihnen ist schon klar, dass ich erstens eine Frau und zweitens 60 Jahre alt bin, oder? Alleine der Aufwand, das ganze Make-up, wäre es da nicht einfacher – oh, ich weiss nicht – einen 82-jährigen Mann zu casten?»

«Nö.»

«Okay, das kostet aber extra.»

Und so kam es, dass die «transformative Tilda» – wie ich sie gerne nenne – im Film «Suspiria» (2018) die Rolle des Josef Klemperer angenommen hat. Und sie sah darin so männlich aus, dass sie sich sogar ein Pseudonym für den Schauspieler hinter Josef überlegt hatte: Lutz Ebersdorf.

Ja, das ist Tilda Swinton aka Lutz Ebersdorf aka Josef Klemperer.
Amazon Studios

Irgendwann hat es Swinton zugegeben, unter dem ganzen Make-up und den Prothesen einen Mann gemimt zu haben. Wäre ich sie gewesen, hätte ich es wohl mit den Worten «Ja, mein Schauspiel ist wirklich so gut. Das ist gar nicht Lutz, das bin ich. Wo geht's zu den Oscars?» verkündet.

Man weiss nie, was man kriegt

So einen hat sie im Übrigen schon. 2008 erhielt sie die Auszeichnung für die «Beste Nebendarstellerin» im Film «Michael Clayton». Star des Films war George Clooney und Tilda war für einmal nicht so transformativ, aber nichtsdestotrotz himmlisch gut.

Tilda Swinton ist wie die sprichwörtliche Schachtel Pralinen aus «Forrest Gump». Man weiss nie, was man kriegt.

Egal ob alt oder jung, vernünftig oder absurd, Tilda lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Es macht sie zum Ass im Ärmel. Ein Ass, das leider viel zu wenige Hauptrollen gekriegt hat.

Bow to the queen! Swinton am Venedig Film Festival 2020.
Getty

Die anpassungsfähigsten Schauspielerinnen und Schauspieler kommen eben immer noch aus dem klassischen Theater-Training. Spontan kommt mir da noch Adam Driver in den Sinn – dieser Hüne ist aber Thema für einen anderen Tag. Swinton selbst war Mitglied der britischen «Royal Shakespeare Company» und stach schon damals als Chamäleon heraus.

«Es ist für mich eine Komfortzone, mich fremd zu fühlen», sagte sie einst über ihre unzähligen diversen Rollen.

Funfact zum Schluss: Tilda Swinton hat dieselbe Grundschule besucht wie Diana Spencer, die spätere Prinzessin von Wales. Die Schachtel Pralinen halt.

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