Roger Taylor: "Ich denke jeden Tag an Freddie!"

Teleschau
16.05.2014 - 13:00
aktualisiert: 13:01

Es sind noch keine Bewertungen vorhanden.

Schriftgrösse

Roger Taylor über gute und schlechte Queen-Coverbands, das Erbe von Freddie Mercury, die angebliche Krebserkrankunng von Gitarrist Brian May und die Arbeit an einem neuen Queen-Album.

Queen haben sich selbst geklont: Unter Anleitung von Queen-Drummer Roger Taylor (63), aus dessen Feder Hits wie "Radio Gaga" und "Under Pressure" stammen, entstand die erste offizielle Tributeband der britischen Bombastrocker. Queen Extravaganza, so der Name dieser täuschend echt klingenden Kopie, gastieren nun in fünf deutschen Städten. Und, da ist sich Roger Taylor sicher: Wer zu Lebzeiten des 1991 verstorbenen Originalsängers Freddie Mercury nie die Chance hatte, ein Queen-Konzert zu besuchen, sollte die Show auf keinen Fall verpassen. Abgesehen davon haben er und Gitarrist Brian May immer noch viele Pläne mit ihrer Band, wie er im Interview erklärt.

teleschau: Mr. Taylor, wenn Sie Interviews im Namen einer Queen-Tribute-Band geben, muss sie Ihnen am Herzen liegen!

Roger Taylor: Absolut! Queen Extravaganza sind mein Baby! Ich lief schon an so vielen Plakaten von Queen-Coverbands vorbei, auf denen sich der Frontmann einen Schnurrbart angeklebt und eine gelbe Jacke übergezogen hatte. Ich konnte das nicht mehr mit ansehen! Manche sind ja ganz gut, aber viele eben auch nicht. Und irgendwann dachte ich mir: Wer könnte eine Band, die Queens Musik spielt, besser zusammenstellen als wir selbst? Also riefen wir offiziell dazu auf, sich über das Internet für einen Musiker-Job bei Queen Extravaganza zu bewerben.

teleschau: Wann entdeckten Sie den kanadischen Sänger Marc Martel?

Taylor: Das war ziemlich zu Anfang. Brian bekam eine E-Mail von Bryan Adams, der auch aus Kanada kommt und das Video von Marc entdeckt hatte. Als ich dann Marc in Toronto traf und ihn live singen hörte, schloss ich die Augen und bekam echt Gänsehaut: Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich schwören können, Freddie sei im Raum! Es lohnt sich aber auch, die Augen offen zu halten, denn die Show sieht gut aus, und Marc hat sogar Ähnlichkeit mit Freddie.

teleschau: Queen selbst touren diesen Sommer aber lieber mit Adam Lambert durch Amerika!

Taylor: Das kann man nicht miteinander vergleichen. Wenn Brian und ich Konzerte als Queen geben, wollen wir niemanden, der Freddie imitiert, denn keiner kann ihn für uns ersetzen. Das wäre also die falsche Botschaft. Adam Lambert ist ein eigenständiger Künstler. Er passt perfekt zu uns, weil er so theatralisch ist, eine echte Diva eben. Freddie würde ihn lieben! Aber wenn man die perfekte Illusion haben will, dann ist Queen Extravaganza der real Deal!

teleschau: Haben Sie viel Einfluss auf die Queen-Extravaganza Shows genommen?

Taylor: Brian und ich waren jeden Tag bei den Proben dabei, um mit dem musikalischen Director Brandon Ethridge die Arrangements zu schreiben und die Songauswahl zu besprechen. Die Versuchung war natürlich groß, Freddie zumindest visuell stark in die Shows einzubinden. Aber das haben wir auf ganz kurze Schnipsel reduziert. Wir haben der Show eine Struktur gegeben, aber mittlerweile tourt die Band ohne uns.

teleschau: Sind die Musiker trotzdem so was wie Angestellte der Firma, die sich Queen nennt?

Taylor: Als Angestellte würde ich sie nun wirklich nicht bezeichnen. Es ist schon ein eigenständiger Geschäftszweig. Und wir haben ihn auf den Weg gebracht.

teleschau: Es gibt Fans und Kritiker, die solchen Queen-Projekten trotzdem kritisch gegenüber stehen.

Taylor: Ach, wenn Queen jemals auf solche Stimmen gehört hätten, wären wir nirgendwo gelandet. Am Anfang unserer Karriere machte man es uns alles andere als leicht. Man muss immer dem eigenen Bauchgefühl folgen, um zu wissen, was richtig ist.

teleschau: Hätten Sie sich träumen lassen, als Freddie Mercury starb, dass Queen 23 Jahre später immer noch so relevant sein würden?

Taylor: Nein, ich hätte nichts drauf gegeben, denn es kommt ja immer neue Musik nach. Aber ein Vorteil war wohl, dass Queen nie wirklich in Mode waren. Wir machten einfach Musik, ohne uns von Trends beeindrucken zu lassen. Deshalb ist sie so zeitlos.

teleschau: Nach dem von Ihnen geschriebenen Song "Radio Gaga" hat sich Lady Gaga benannt. Macht Sie das stolz?

Taylor: Ha! Ich konnte es erst nicht glauben, aber es stimmt. Ich finde es großartig, dass der Song einen Einfluss hat auf die nachfolgende Musikergeneration. Und es schmeichelt mir ungemein. Eigentlich fußt der Songtitel auf einer Aussage meines damals noch kleinen Sohnes, als wir im Auto Radio hörten. Gaga klingt doch einfach richtig gut! Freddie liebte es immer, den Song zu singen!

teleschau: Denken Sie noch oft an Freddie?

Taylor: Jeden Tag mindestens ein Mal! Er ist für Brian und mich Teil unserer Leben und unserer Infrastruktur. Wir standen so viele Jahre so eng zusammen. Eigentlich ist Freddie immer noch bei uns.

teleschau: Haben Sie noch Kontakt zu Freddies Mutter, die heute 91 Jahre alt ist?

Taylor: Na, klar! Wir sehen sie zwei, drei Mal im Jahr. Sie kommt immer gern vorbei, wenn wir was für Aids-Wohltätigkeitsprojekte machen. Sie war auch im vergangenen Jahr bei den Queen-Liveshows in London vor Ort. Diese wundervolle, kleine Lady ist ein Teil von Queen.

teleschau: Man hört, es sei ein neues Queen-Album in der Mache. Was ist an den Gerüchten dran?

Taylor: Ja, es wird kommen! Es ist altes, fantastisches Material aus Freddies Zeiten, an dem Brian und ich gerade arbeiten. Wir geben alles dafür.

teleschau: Jüngst war zu lesen, dass Brian fürchtet, an Krebs erkrankt zu sein. Was ist da dran?

Taylor: Alles ist gut. Er war besorgt und hat sich lediglich einigen Tests unterzogen. Viel Lärm um nichts. Brian geht es prima.

teleschau: Sie haben beide Naturwissenschaften studiert. Wie muss man sich Gespräche zwischen Taylor und May vorstellen?

Taylor: Wir sind eifrige Diskutierer und stimmen nicht immer überein. Freddie war es, der mit seiner Art häufig für Frieden sorgte, wenn bei uns der Haussegen mal schief hing. Aber Brian und ich sprechen wirklich über alles Mögliche, nicht nur über Nerd-Kram. Letztendlich stehen wir zwei uns sehr nahe. Was gut ist, denn wir sind alles, was von Queen übrig ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir unsere Arbeitsbeziehung fortführen.

teleschau: Werden Queen auch bald mal wieder nach Deutschland kommen?

Taylor: Nun, wir haben Angebote. Aber noch ist da nichts entschieden. Wobei ich echt Bock hätte. Es dauerte eine Weile, die Deutschen zu überzeugen, doch ab dem Moment waren die deutschen Fans immer unglaublich loyal! Aber feiert doch erst mal mit Queen Extravaganza, dann sehen wir weiter.

Queen Extravaganza auf Deutschland-Tournee:

15.05., Köln, Live Music Hall

16.05., Hamburg, Gruenspan

18.05., München, Backstage Werk

19.05., Frankfurt, Batschkapp

20.05., Berlin, Postbahnhof

Weitere Artikel

Entertainment Clips

> Mehr Videos

Schlagzeilen