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60 Jahre Königin Elizabeth II.

Königin Elizabeth 1953, nach der Krönungszeremonie.
Bild: Dukas
1965 ist die königliche Familie komplett: Im Kinderwagen sitzt das Nesthäkchen Prinz Edward 1964), Prinzessin Anne (1951), Prinz Charles (1948) und in den roten, kurzen Hosen Prinz Andrew (1960).
Bild: Dukas
Die Queen 2012: Bereits seit 60 Jahren sitzt sie auf dem Thron.
Bild: Keystone

Sie ist gelernte Fahrzeugmechanikerin, Grossgrundbesitzerin, Oberhaupt von 16 Ländern und Erbin einer tausendjährigen Herrschertradition: Queen Elizabeth II. Sie feiert am 6. Februar das 60. Thronjubiläum als die mediale Persönlichkeit, die sie nie sein wollte.

Als eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Gegenwart wird über sie fast alles berichtet: Was sie trägt, was sie angeblich am liebsten isst und trinkt, dass sie Pferde und Rosen mag, dass sie sehr herrisch sein kann, aber die Grossen der Welt auch mit Charme und erstaunlicher Detailkenntnis von sich beeindrucken kann. Aber wie sie wirklich ist, wissen nur wenige.

Interviews zu geben sieht Queen Elizabeth - anders als die übrigen Monarchen Europas - als mit der Würde ihres Amtes nicht vereinbar. Deswegen hat sie nie die Fragen eines Journalisten öffentlich beantwortet. Mit der Folge aber auch, dass sie nie ernsthaft in eine politische Kontroverse verstrickt gewesen ist.

Sie wirkt bis zum heutigen Tag distanziert und formell, auch wenn das Hofprotokoll seit dem Unfalltod von Prinzessin Diana 1997 - der grössten Krise des britischen Königtums seit Jahrzehnten - vermehrt Bilder von der Queen herausgibt, auf denen sie herzlich lacht. Als "volksnah" würde man die Herrscherin aber sicher nicht bezeichnen.

Jahrzehnte des Pflichtbewusstseins

Dabei ist die einzige echte Ausbildung, welche Elizabeth genossen hat, sehr bodenständig: Im zweiten Weltkrieg lernte sie beim Militär, wie man Fahrzeuge repariert. Seit 60 Jahren, seitdem ihr Vater George VI. am 6. Februar 1952 starb, ist ihr Leben aber vor allem ein ununterbrochener Reigen zeremonieller Verpflichtungen.

Sie eröffnet das Parlament, Spitäler und Schulen, die traf die meisten bedeutenden Personen der Zeitgeschichte der letzten Jahrzehnte, und sie reist, begleitet von Ehemann Prinz Philip, unablässig um die Welt - von der sie immer noch einen gehörigen Teil "regiert", wenn auch ohne jegliche politische Macht.

Neben Grossbritannien anerkennen sie 15 Länder, frühere Kolonien des British Empire, als Staatsoberhaupt. Von der Südsee bis nach Kanada, von Australien bis in die Karibik findet man ihr Konterfrei auf Münzen und Briefmarken, ihre Krone auf Polizeiuniformen und überall dort sprechen Richter Urteile in ihrem Namen.

Welt der Veränderungen

Aber vieles ist in 60 Jahren anders geworden. Anders als in den steifen 50er Jahren verneigen sich viele nicht mehr automatisch vor ihr, auch nicht Premierministerin Julia Gillard von Australien, die deswegen im Oktober 2011 einige traditionalistische Kommentatoren in Aufruhr versetzte.

Vom Empire, das 1952 noch weitgehend bestand, ist nicht mehr viel übrig und das Commonwealth hat an Bedeutung verloren. In der Heimat der Queen wird gerade heftig um ein Unabhängigkeitsreferendum für Schottland debattiert und Rezession und Schuldenkrise überschatten den Alltag im einst mächtigsten Land der Erde.

Aber Queen Elizabeth ist immer noch das Zentrum einer Ordnung, die zumindest formell nach wie vor besteht, und das liegt auch an ihrer Persönlichkeit. Die dramatischen Veränderungen der Welt in den vergangenen 60 Jahren haben ihre Bedeutung und ihre Stellung zwar relativiert, aber nicht beiseite geschafft.

Letzte ihrer Art

Die Queen hat alles überlebt. Sie hat die Skandale und gescheiterten Ehen ihrer Kinder, die Kritik an den Symbolen, die bissige Berichterstattung der Massenmedien ohne das Gesicht zu verziehen erduldet. Elizabeth II. wird persönlich wird kaum angegriffen, anders als ihr eigenwilliger Sohn und Erbe, Prinz Charles.

All das macht Elizabeth II. zur letzten Vertreterin ihrer Art. Genau darin liegt ihre weltweite Popularität. Ihr Traditionsbewusstsein hat dazu geführt, dass sie sich nie mit einem eigenen Stil profilieren wollte, aber ihre langen Jahre auf dem Thron und ihre eiserne Disziplin haben sie zu einer medialen Persönlichkeit mit eigener Ausstrahlung gemacht.

Mediale Figur

Menschen jubeln der zierlichen Frau nicht mehr unbedingt zu, weil sie das verfassungsmässige Prinzip der Monarchie lieben. Elizabeth II. wird stattdessen längst zu einer Art globalen Grossmutterfigur stilisiert und was die Massen ebenfalls beeindruckt die immer noch bemerkenswerte Gesundheit der 85-Jährigen.

Ihr Besuch in Australien letztes Jahr wurde in Kommentaren als ihr letzter bezeichnet: Ihr Alter würde eine weitere Reise um die Welt verunmöglichen, sagten manche. Der Kommentar des Kommentators der BBC lautete: "Da sollte man sich nicht so sicher sein."

Fakten über die Queen

- Sie ist Staatsoberhaupt von 16 Staaten - von Kanada bis Tuvalu.

- Formal hat sie in Grossbritannien viele Befugnisse: Sie kann die Regierung absetzen, hat den Oberbefehl über die Streitkräfte und geniesst volles Konsultationsrecht. De facto sind ihre politischen Mitwirkungsrechte auf Repräsentationsaufgaben beschränkt.

- Zwölf Premierminister haben ihr gedient.

- Autofahren lernte sie 1945 beim Dienst in den Streitkräften.

- Ihre erste E-Mail verschickte die Queen 1976 von einem Militärstützpunkt.

- Sie hat vier Kinder und acht Enkelkinder.

- Sie mag Tiere, vor allem Pferde und Hunde.

- Ihre Grüsse an die Astronauten der Apollo-11-Mission wurden 1969 auf Mikrofilm gebannt und in einem Metall-Container auf dem Mond hinterlassen.

- Die Queen besitzt eine Goldene Schallplatte. Die CD "Party At The Palace" (2002) mit Lieblingsstücken der Königin verkaufte sich in der ersten Woche mehr als 100'000 Mal.

- Briefmarken, Banknoten und Münzen tragen ihr Konterfei. Treue- und Fahneneide sowie die Nationalhymne gelten ihr und nicht dem Staat.

- Die Queen feiert jährlich zwei Mal Geburtstag. Die erste Feier ist an ihrem tatsächlichen Geburtstag am 21. April, die zweite, offizielle Feier an einem Samstag im Juni - weil dann das Wetter schöner ist.

Royale Staatsoberhäupter mit den längsten Dienstzeiten

Der Dienstälteste unter den Monarchen der Welt ist König Bhumibol von Thailand. Dann folgt seine britische Kollegin ElizabethII. Eine Übersicht über die royalen Staatsoberhäupter mit den längsten Amtszeiten:

- Thailand - König Bhumibol Adulyadej - 65 Jahre im Amt: Der 84-Jährige wurde am 9. Juni 1946 zum König proklamiert und ist seit dem 5. Mai 1950 Staatsoberhaupt.

- Grossbritannien - Königin Elizabeth II. - 60 Jahre: Die 85-Jährige wurde nach dem Tod ihres Vaters am 6. Februar 1952 zur Königin ausgerufen. Ihre Krönung fand erst am 2. Juni 1953 statt. Die Monarchin ist das Oberhaupt von Grossbritannien und 15 Staaten des Commonwealth - von Kanada bis Tuvalu.

- Brunei - Sultan Hassanal Bolkiah - 44 Jahre: Der 65-Jährige bestieg am 5. Oktober 1967 den Thron, gekrönt wurde er im August 1968. Seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien im Januar 1984 ist er auch Staatsoberhaupt und seit dem 20. Oktober 1986 Vorsitzender des Ministerrats.

- Oman - Sultan Kabus - 41 Jahre: Der 71-Jährige steht dem Sultanat seit 23. Juli 1970 vor.

- Dänemark - Königin Margrethe II. - 40 Jahre: Die 71-Jährige wurde nach dem Tod ihre Vaters, König Friedrich IX., am 14. Januar 1972 zur Königin ausgerufen.

- Schweden - König Carl XVI. Gustaf - 38 Jahre: Der 65-Jährige wurde nach dem Tod seines Grossvaters, König Gustaf VI. Adolf, am 19. September 1973 Staatsoberhaupt der Schweden.

- Spanien - König Juan Carlos I. - 36 Jahre: Der 74-Jährige ist seit 22. November 1975 Staatsoberhaupt Spaniens. Er wurde zwei Tage nach dem Tod des Diktators Francisco Franco zum König gekrönt.

(sda/Marc Forster)

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