R, König der Leons
Ohne dass es von aussen auf Anhieb erkennbar wäre, handelt es sich beim Cupra R um den stärksten je gebauten Serien-Seat. Die grossen Lufteinlässe im unteren Teil der Fahrzeugfront, die exklusiven fünfspeichigen 19-Zoll-Leichtmetallräder und auch die knallrot hervorblitzenden Bremssättel lassen aber vermuten, dass er in Bezug auf Fahrdynamik Herausragendes zu bieten hat. Trotzdem kann er offensichtlich auf billige «Kriegsbemalung » verzichten. Im vergangenen Herbst feierte der Leon Cupra R auf der IAA in Frankfurt Weltpremiere; schon wenig später kam er auf die Strasse und erfreut sich seither unter Sportfreunden grosser Beliebtheit.
Sportatmosphäre
Im Interieur des Cupra R, wo grundsätzlich dunkle Farben beherrschend sind, ist gut sitzen: Die Schalensitze mit den grauen Alcantara-Bezügen vermitteln einwandfreien Seitenhalt und bieten guten Komfort. Das lederbezogene Lenkrad lässt sich – für ein Fahrzeug sportlichen Zuschnitts ein Muss – genau passend justieren. Sportlich wirken auch die Pedale aus Aluminium. Praktisch ist die massgeschneiderte Staugelegenheit für CDs in der Mittelkonsole.
Gegenüber den Vorgängerversionen früherer Jahre, die mit dem aufgeladenen 1,8-L-20V-Vierzylinder Leistungen von 154 kW (210 PS) und 165 kW (225 PS) offerierten, hebt sich der aktuelle Cupra R durch den Maximalwert von 195 kW (265 PS) hervor. Den Cupra-Schriftzug findet man an diversen Stellen am Fahrzeug, den zusätzlichen Buchstaben R auf dem Mittelgrill, auf der Heckklappe und im Armaturenbrett.
Das Cupra-R-Herz, der direkt einspritzende 2-L-Turbobenziner, stellt die bislang weitest ausgereizte Leistungsstufe dieses VW-Triebwerks dar. Mit der beachtlichen Leistungsspitze befindet er sich nun fast auf Augenhöhe mit den Triebwerken der spanischen WTCC-Boliden. Jene werden allerdings von Dieseln angetrieben. Den Sprung von den 177 kW (240 PS) des Cupra schaffte der Cupra R durch die Erhöhung des maximalen Ladedrucks von 0,8 auf 0,9 bis 1,2 bar sowie ein modifiziertes Steuergerät.
Temperament
Nach Werksangaben lässt sich der «Über-Cupra» in 6,2 s aus dem Stand auf Tempo 100 km/h beschleunigen, und bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Unser Testwagen benötigte etwas mehr Zeit, wohl als Folge der Gripsituation auf der Messstrecke. An mangelnder Motorleistung zumindest dürfte es nicht gelegen haben, denn diese ist in jeder Fahrsituation im Überfluss verfügbar. Genau dieses überschäumende Temperament ist es auch, das den Top-Leon auf der Strasse so attraktiv macht. Da nimmt man wohl auch den nicht gerade zurückhaltenden Verbrauch von 9,7 L/100 km in Kauf.
Der Turbomotor braucht zwar schon ein gewisses Drehzahlniveau, bevor er ernsthaft ans Werk geht. Doch überbrückt er den Zwischenbereich zügig, sodass sich kein wirklich störendes Turboloch auftut. Einmal im Schuss, ist die Maschine dann kaum mehr zu beruhigen. Der Fahrer zieht die Fuhre manuell durch die sechs fein abgestuften Gänge. Das geht präzise und schnell vonstatten, bereitet also auch entsprechend viel Freude. Selbstverständlich ist dies Geschmackssache, aber eine Doppelkupplungsautomatik wünscht man sich im Cupra R in keinem Moment. Etwas befremdend aber wirkt die Schaltempfehlung. In einem Auto dieses Konzepts dürfte sich der Fahrer wohl den Entscheid der Gangwahl nicht nehmen lassen wollen.
Nun bewegt man sich ja mit dieser Motorleistung auf einem Niveau, wo das Frontantriebskonzept bezüglich Traktion und Handling grundsätzlich an Grenzen stösst. Mit Hilfe des XDS, eines elektronischen Differenzials, bringt der Seat die Leistung jedoch erstaunlich gut auf den Boden – sogar bei nicht optimalen Gripverhältnissen. Der Antriebseinfluss am Lenkrad hält sich in erträglichen Grenzen. Fahrwerksseitig bereitet der König der Leons ebenfalls Freude. Er ist zwar sehr straff gefedert – für einige Fahrer etwas zu straff –, doch ist dies natürlich beim Handling sehr willkommen.
Cruiser
Doch auch die gemächlichere Gangart auf den streng überwachten Schweizer Strassen bereitet dem Leon keine Mühe. Er läuft auch auf niedrigem Last- und Drehzahlniveau einwandfrei. Vorsicht ist jedoch beim Manövrieren auf engem Raum, beispielsweise auch im Parkhaus, geboten: Die grossen Leichtmetallräder sehen zwar schick aus, sind jedoch sehr exponiert, sodass Kollisionen mit Strassenbegrenzungen unbedingt zu vermeiden sind. Ob der Cupra R den Mehrpreis von Fr. 2800.- gegenüber dem Cupra wert ist, bleibt der Einschätzung des Sportfreundes überlassen.
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