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Schweizer Qualität – made in Südosteuropa

Zwei Frauen, zwei Autos, zwei Ansichten: Vesna Stimac (vorne) und Nina Vetterli-Treml.
Bild: Stefan Jermann

Die Kolumnistinnen Nina Vetterli-Treml und Vesna Stimac geben Gas. In «Black & Blonde» erzählen die beiden Damen aus ihrem Leben als Frauen im Verkehr. Was sie freut, was sie nervt, was sie erleben. Dass die Motoren dabei auch mal im roten Bereich drehen dürfen, versteht sich von selbst. Heute ist Black am Steuer: Vesna Stimac.

Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden, erfreuen sich bekanntermassen eines sehr guten Rufes. Schweizer Qualitätsprodukt – das bedeutet meist ein tadelloses Produkt, welches die Besitzerin und den Besitzer jahrelang begleiten wird und auch bedienungsfreundlich ist. Sollte man meinen.

Doch irgendwie klaffen Theorie und Praxis bei gewissen Produkten weit auseinander. Bei Autokindersitzen zum Beispiel. Ich kenne wirklich niemanden, der nicht regelmässig über den Autokindersitz flucht. Über Autokindersitze, die in der Schweiz oder Deutschland hergestellt wurden notabene.  Allesamt relativ teuer und in diversesten Tests von TCS und KTIPP sehr gut taxiert.

Also werden sie auch fleissig gekauft – beim Kind sparen gehört sich schliesslich nicht. Man könnte ja noch als Rabeneltern abgestempelt werden.

Wo also liegen die Schwierigkeiten beidiesen Kindersitzen? Eltern wissen, wovon ich spreche: Probleme beim Kindhineinheben und beim Angurten. Die Gurte müssen zuerst aneinander gehalten werden und dann  in dieser Position in die Schnalle gesteckt werden. Klingt simpel. Aber wehe, man verrutscht ein bisschen. Dann kann man wieder von vorne anfangen.

Umso erstaunter war ich, als ich in einem südosteuropäischen Land, das noch nicht der EU beigetreten ist und jahrzehntelang von einem diktatorischen Regime regiert wurde, den perfekten Autokindersitz einer unbekannten Marke entdeckt habe. Eine hochschwangere Frau hat mühelos und innerhalb kürzester Zeit ihren zweijährigen Sohn in einen kleinen Ford Fiesta verfrachtet.

Es war Magie: Bevor sie das Kind hineinhob, zog sie an einem Hebel und – SIMSALABIM – drehte sich der Kindersitz um 90 Grad und schaute Richtung Seitentüre. Die Mutter konnte so ihren Sohn ohne Kopfanschlagen und Murksen in den Sitz tun. Nochmalige Hebelbetätigung bewegte den Sitz wieder in seine angestammte Position zurück. Dann nahm sie jeden Gurt separat und steckte ihn EINZELN in die Schnalle. Einfach so. Ohne Anwendung von Kraftausdrücken, die man dem Kind dann wieder austreiben muss.

Erstaunlich – in einem im Vergleich mit der Schweiz an Reichtum und Entwicklungvermeintlich  weit hinterher hinkenden Land ist das mit dem Kindersitz so, wie es sein sollte: ein Kinderspiel.

(Vesna Stimac)

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