Klein – aber vielfältig
So richtig angekommen ist der VW Up in den Verkaufsräumen noch nicht. Doch bereits legt Volkswagen bei seinem Kleinwagen, für den die Wolfsburger grosse Erwartungen haben (dürfen), der fast so ein bisschen zentral sein wird für ihren Plan, bis 2018 die Weltführerschaft in der Automobilindustrie zu übernehmen, mehr als nur ein Brikett nach. Wir durften in Wolfsburg eine ganze Fülle von Neuheiten bewegen, darunter den Fünftürer und die bereits angekündigte Eco-Version mit Erdgasantrieb, dazu aber auch noch den GT, den Cross sowie, mit Abstand am Spannendsten, die elektrische Version.
Leichtigkeit
Rein elektrisch gefahren wird im Up ab Mitte 2013. Das ist sicher, daran gibt es nichts mehr zu rütteln. Auch die technischen Pfeiler sind eingeschlagen: 60 kW wird der Elektromotor leisten, die Reichweite wird, bei optimalen Bedingungen, 150 km betragen. Damit versucht VW, wie üblich, nicht die grosse Revolution, sondern bleibt, ebenfalls wie üblich, auf der sicheren Seite. Im Fahrbetrieb macht der elektrische Up aber richtig Freude, denn er hat mächtig Dampf in allen Fahrsituationen (210 Nm ab Drehzahl null); da ist sicher mehr Fahrspass als in einigen anderen E-Autos serienmässig. Was daran liegt, dass der Up eine der wichtigsten Voraussetzungen für das sinnvolle Fahren mit Strom erfüllt: Er ist leicht. VW will das Gewicht noch nicht verraten, aber man darf davon ausgehen, dass es nicht mehr als 1200 kg sein dürften. Die Lithium-Ionen-Batterie verfügt über einen Energiegehalt von 18,7 kWh, der Ladevorgang soll etwa 5,5 Stunden dauern; es gibt aber auch die Möglichkeit zur Schnellladung, und die soll in nur 30 Minuten erfolgen.
Auch noch nichts vermelden will Volkswagen zur Preisgestaltung, und das könnte tatsächlich daran liegen, dass man es selber noch nicht weiss. Den «echten» Preis wird Volkswagen ohnehin kaum verlangen können, dann würde so ein elektrischer Up viel zu teuer. Doch mit allzu grossen Subventionen will das Werk natürlich auch nicht agieren. Deshalb wird derzeit intensiv über Leasing- und Carsharing-Modelle nachgedacht. Die machen das Fahrzeug zwar auch nicht günstiger, können dem Kunden aber einen interessanten Mehrwert bieten.
Auch mit Automatik
Den elektrischen Up wird es sowohl als Drei- wie auch als Fünftürer geben. Dieser Fünftürer ist das erste Modell der Up-Familie, das dem schon verfügbaren Dreitürer – von dem in Deutschland bereits 20'000 Exemplare verkauft wurden – nachgereicht wird. Lieferbar ist das optisch harmonischer aussehende Volumenmodell ab Mai. Die dreitürige Variante kostet in der Schweiz ab 15'750 Fr., der Fünftürer ist 660 Fr. teurer.
Eine Sitzprobe ergab, dass auch VW den Kleinwagen nicht neu erfunden hat, doch Platzangst müssen die hinteren Passagiere auch nicht haben; weil die Fensterlinie etwas tiefer heruntergezogen wurde, fühlt man sich nicht so eingesperrt wie im Dreitürer. Dessen hintere Fenster lassen sich ja gar nicht öffnen, beim Fünftürer gibt es jetzt immerhin Ausstellfenster. Das Kofferraumvolumen bleibt bei 251 L. Und zusammen mit dem Fünftürer wird auch eine Automatikversion eingeführt, die bei einem Stadtauto, wie es der kleinste VW in erster Linie sein will, auf jeden Fall Sinn ergibt.
Ebenfalls noch in diesem Jahr kommt auch der Eco Up mit Erdgasantrieb. Der Dreizylindermotor schafft dann 68 PS – und soll nur 2,9 kg Gas (CNG) auf 100 km verbrauchen, was einem CO2-Ausstoss von 79 g/km entspricht. Damit dürfte der Up zum emissionsärmsten Kleinwagen mit Verbrennungsmotor werden. Eine kurze Ausfahrt ergab aber, dass der Zwerg ein ziemlich kraftloser ist, über 100 km/h kommt die Tachonadel dann kaum mehr vorwärts. Dafür gibt es serienmässig eine Stopp-Start-Automatik. Bei dieser Variante ist der Preis für die Schweiz noch nicht bekannt.
Giftzwerg
Bedeutend mehr Spass macht der Up in der GT-Version, die zwar noch nicht offiziell bestätigt wurde, doch als sicher gelten darf. Der Dreizylinder mit 999 cm3 Hubraum, der in den gewöhnlichen Up entweder 60 oder dann 75 PS leistet, wird mithilfe eines Turboladers auf stolze 110 PS gebracht – das ist genauso viel wie bei der ersten Generation des Golf GTI. Allerdings ist er mit einem Leergewicht von 960 kg etwas schwerer als das Kultauto von einst. Trotzdem, der Giftzwerg macht richtig Spass. Mit einem maximalen Drehmoment von 175 Nm hat er einen guten Durchzug – gemäss Angaben von Volkswagen soll er 195 km/h schnell rennen und den Standardsprint von 0 auf 100 km/h in 8,5 s schaffen; da hätte der Ur-GTI das Nachsehen gehabt. Das Chassis wird für den GT etwas tiefer gelegt, hinten gibt es einen frechen Dachspoiler, vorne eine bulligere Nase.
Fast noch gefälliger als der GT sieht aber der Up Cross aus. Nur als Fünftürer lieferbar, ist das natürlich kein echtes SUV, Allrad wird der Cross nicht kriegen.
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