DE | FR | IT

Swisscom

  • City name
-

Ein Toyota zum Verlieben

Toyota baut endlich wieder einen richtigen Sportler.
Der GT 86 fasziniert durch seine Fahreigenschaften.
Toyota würzt den GT 86 mit der entsprechenden Optik.
Das Cockpit ist sportlich, aber nicht spartanisch.
Grosse Rundinstrumente informieren den GT-86-Fahrer.
Wer mag, kann eine gute Sechsgang-Automatik ordern.
Tasten für Traktionskontrolle und Stabilitätsprogramm.
Sportler brauchen natürlich eine Pedalerie aus Metall.
Hinten gibt es zwei sportlich-ausgeformte Sitzschalen.
Der Zweiliter-Boxer des Toyota GT 86 liefert 200 PS.
Bild: Werk (10)

Toyota GT 86 – Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade, doch die schönste ist die Kurve – das verdeutlicht kaum etwas besser als der neue GT 86.

Vor nunmehr bald 30 Jahren, genauer 1984, konnten wir auf dem berühmten Nürburgring erste Fahrversuche mit einem nagelneuen Toyota unternehmen. Dieser Corolla GT hatte einen hochdrehenden 1,6-Liter-Vierventilmotor mit 124 PS und – im Gegensatz zur damaligen Corolla-Limousine – noch einen klassischen Hinterradantrieb.

Der kleine und leichte Hecktriebler mit der internen Typenbezeichnung AE 86 sorgte seinerzeit auf der Nordschleife mit seinen possierlichen Heckschwüngen für reichlich Adrenalin-Emissionen. Und genau das liess den EA 86 unter den weltweiten Fans ebenso schnell Kult werden wie den seltenen GT 2000 oder die Celica – zumindest die bis 1985 gebauten Modelle mit Heckantrieb.

Seither überzeugt Toyota mit qualitativ hochwertigen, bequemen, sicheren und sparsamen Familienautos. Für grosse Gefühle, Liebe oder gar Leidenschaft blieb dabei allerdings wenig Raum.

Doch nun keimt Hoffnung, denn im Frühsommer rollt der neue Toyota GT 86 bei uns zum Händler. Und die Zahl in dessen Typenbezeichnung ist nicht zufällig gewählt, sondern eine Hommage an den 1984er-Corolla GT – den so genannten AE 86.

Joint Venture

Und die Konzeption GT 86 folgt dem Rezept des Altvorderen. Das Auto sollte kompakt, leicht und agil sein – und vor allem Hinterradantrieb haben. Herausgekommen ist dabei ein 4,24 m langer und nur 1,29 m hoher 2+2-Sitzer, der gerade mal 1180 kg wiegt. Bei der Entwicklung des kleinen Sportlers hat sich Toyota in einem Joint Venture mit Subaru zusammengetan, die ihr identisches Schwestermodell BRZ nennen. Subaru ist zwar eher als Allradspezialist bekannt, hat jedoch eine Motorenbauart im Programm, die Toyota für sein neues Sportcoupé besonders geeignet schien – den Boxermotor. Einer der Vorteile dieser Triebwerke mit einander gegenüberliegenden Zylindern – die es sonst nur noch bei Porsche gibt – ist ihre flache Bauweise.

Schwerpunkt

Wodurch sich beim GT 86 nicht nur eine niedrige Frontpartie, sondern auch ein besonders tief liegender Schwerpunkt von nur 46 cm ergab. Ein Wert, der nur noch von Supersportlern vom Schlage eines Ferrari 360 unterboten wird.

Der hinter der Vorderachse eingebaute 2-Liter-Boxermotor mit Vierventiltechnik und Benzindirekteinspritzung leistet 200 PS bei 7000/min und stemmt ein maximales Drehmoment von 205 Nm bei 6600/min auf die Kurbelwelle. Allein diese Daten verraten schon, dass Toyota zugunsten einer linear ansteigenden Leistung auf einen Turbolader verzichtet hat. Wahlweise ist der Motor mit einer 6-Gang-Handschaltung oder einer 6-Gang-Automatik verblockt.

Doch genug der Papierform – hält der Toyota GT 86 auch, was er verspricht? Eine erste Antwort auf diese Kernfrage liefert eine Probefahrt mit einem GT 86 auf der ehemaligen Formel-1-Rennstrecke von Jarama nahe Madrid.

Turbine

Schon beim Einsteigen erweckt das Auto Vertrauen. Durch den niedrigen Hüftpunkt sitzt man – Sportwagen-like – tief im Auto, findet schnell eine optimale Position in den guten Sportsitzen. Das schlichte Cockpit ruft zwar keine rechte Begeisterung hervor, doch alle Schalter und Hebel sind ergonomisch korrekt angeordnet, und der Blick auf den Drehzahlmesser – Rot ab knapp 7500/min – erfreut das Auge.

Auf Knopfdruck erwacht der Boxer zum Leben, der erste Gang rastet mit dem kurzen Schalthebel knackig ein, und der GT 86 fährt an. Wer mag, kann jetzt in einen hohen Gang schalten und bei gemässigtem Tempo durch die Lande rollen. Doch das ist keine artgerechte Haltung für den kleinen Toyota. Denn damit es vorangeht, will und mag er hohe Touren. Geradezu turbinenartig jubelt der Vierventiler hoch, die Gänge flutschen nur so durch die Schaltgassen – und die Kurve naht schnell. Ein kräftiger Tritt auf die gut dosierbare Bremse, der Einlenkpunkt kommt, und der GT 86 folgt präzise dem Lenkeinschlag. Untersteuern ist bei der Gewichtsverteilung von vorne/hinten 47/53 Prozent ein Fremdwort.

Am Scheitelpunkt gehts wieder aufs Gas und – dank Sperrdifferenzial – wird die Power sofort wieder schnörkellos in Vortrieb umgesetzt. So geht es Kurve um Kurve, Runde um Runde – akute Suchtgefahr. Und wer diese leichtsinnigerweise noch erhöhen will, kann das ESP stufenweise abschalten – dann sind, auf abgesperrter Strecke, die herrlichsten Drifts erlaubt.

Zu schnell kommt die karierte Zielflagge, Schluss für heute. Doch bis Frühsommer ist die Vorfreude auszuhalten – denn es gibt endlich wieder einen Toyota zum Verlieben.

(Gebhard Cramm)

Für «Automobil Revue»-Aboanfragen rufen Sie bitte 0844 844 551 an.

Diese Seite empfehlen

  •  Facebook
  •  Twitter
  • Google +1

Versenden

Empfänger
Absender
Kommentar