DE | FR | IT

Swisscom

  • City name
-

Ist Braun beautiful?

Blonde-Kolumnistin: Nina Vetterli-Treml
Bild: Stefan Jermann
Zwei Frauen, zwei Autos, zwei Ansichten: Nina Vetterli-Treml (r.) und Vesna Stimac.
Bild: Stefan Jermann

Die Kolumnistinnen Nina Vetterli-Treml und Vesna Stimac geben Gas. In «Black & Blonde» erzählen die beiden Damen aus ihrem Leben als Frauen im Verkehr. Was sie freut, was sie nervt, was sie erleben. Dass die Motoren dabei auch mal im roten Bereich drehen dürfen, versteht sich von selbst. Heute ist Blonde am Steuer: Nina Vetterli-Treml.

Braun ist total angesagt. Nein, zum Glück nicht in der Politik, dafür aber bei den Fahrzeuglackierungen. Das sieht man in der Autowerbung, und neuerdings auch in der Zulassungsstatistik: In Deutschland ist laut «automotor und sport» schon fast jeder zehnte Wagen braun; in der Schweiz dürfen es ebenfalls schon einige sein. Hä? Haben die Leute eine Geschmacksverstauchung? Schon vergessen, wie muffig das Siebzigerjahre-Wohnzimmer unserer Grosseltern ausschaute? Wie uncool die Rössli-Stumpen rauchenden Männer mit braunem Passat waren, die damals im Quartier über spielende Kinder gewettert haben? Pardon, mit dem Braun damaliger Zeiten wollen die Autohersteller ja ohnehin nichts mehr zu tun haben. Deshalbheissen die neuen Lackierungen nun auch«Hot Chocolate», «Twilight Bronze» oder «Dolomitbraun», wenn sie einen Mini Clubman, Volvo XC70 oder die Mercedes S-Klasse bräunen. Warme Erdtöne bei Fahrzeugen – darüber wissen die GQ lesenden Hipster schon längstens Bescheid – ist das neue Schwarz, Silber und Weiss.

Die Erklärung dahinter? Richtig banal. Braun steht für Bodenständigkeit, Geborgenheit, Tradition und Gemütlichkeit. Und davon kann man– jetzt, da die Welt kalt, grau, hässlich und sehr sehr böse geworden ist – gar nicht genug kriegen. Am liebsten richtet man sich daheim ein gemütliches Nest ein. Mit Pfister in der Stube, Globus Delikatessa im Kühlschrank und schönen Naturfilmen auf dem B&O. Und da man ab und zu noch etwas Geld verdienen muss (Pfister, Globus und B&O wollen schliesslich bezahlt sein), tut man sich für den Weg zur Arbeit noch ein Nest auf Rädern zu. Vorbei die Zeiten also, in denen man mit einer schwarzen Limousine selbstbewusste Arroganz ausdrückte. Mit einem roten Sportwagen implizite Drohungen ausstiess. Oder in einem hellblauen Kleinwagen naiver Lebensfreude Ausdruck verlieh. Braun wärmt Herzen. Wir sind ja so gemütlich, bodenständig, umarmen gerne Bäume und haben uns alle ganz festlieb. Auch beim Drängeln auf der Autobahn, beim Hupen im Stau und Kämpfen um eine Parklücke.

Ich weiss nicht. An dieser neuen Trendfarbe ist was faul. Mit Braun lässt sich nun mal auch Vermodertes und Dreck assoziieren. Vor allem aber frage ich mich, was passiert, wenn in paar Jahren die Mokka-Töne zum kalten Kaffee werden, um von einer neuen Trendfarbe wie «Pink Grapefruit» oder irgend so einem Blödsinn abgelöst zu werden. Können Autofahrer ihr «Hot Chocolate» dann noch loswerden? Dass der Wiederverkaufswert dieser geschmäcklerischen Wagen besonders hoch sein wird – dafür sehe ich doch eher Schwarz.

(Nina Vetterli-Treml )

Diese Seite empfehlen

  •  Facebook
  •  Twitter
  • Google +1

Versenden

Empfänger
Absender
Kommentar