A-Klasse elegant verpackt
So revolutionär die Mercedes A-Klasse vor knapp 15 Jahren daherkam, entpuppte sie sich im Endeffekt doch als Sackgasse für Daimler. Denn einerseits erforderte die spezielle Bauart von A- und B-Klasse – doppelter Boden – die Konstruktion besonderer Motoren, die nur hier verwendet werden konnten. Und das trieb die Kosten in die Höhe. Andererseits mochte sich eine jung-dynamische Käuferschicht mit den hoch bauenden Mobilen nicht identifizieren, griff lieber zu den sportlicheren Audi A3 oder BMW 1er.
Bei der Konstruktion der dritten Generation von A- und B-Klasse hat Daimler folgerichtig Konsequenzen gezogen und ein konventionelles Karosserie-Layout gewählt. Doch darüber hinaus haben die Stuttgarter sich entschieden, die Modellfamilie deutlich zu vergrössern.
Viertüriges Coupé
Zusätzlich zur bereits im vergangenen Jahr lancierten B-Klasse und der Anfang März am Genfer Salon präsentierten A-Klasse hat Daimler noch weitere Modelle in der Pipeline. So sollen ein viertüriges Stufenheckmodell und ein Kombi die Palette komplettieren. Wobei insbesondere der Viertürer für Furore sorgen dürfte. Denn mit diesem Auto wollen die Schwaben eine eigene Erfolgsgeschichte fortschreiben.
Bereits 2004 besetzten sie eine Nische, von der bis dato niemand wusste, dass sie überhaupt existiert. Der elegante CLS, ein Derivat der E-Klasse, begründete das Segment der viertürigen Coupés. Und der CLS geriet so überzeugend, dass sich die deutsche Premium-Konkurrenz genötigt sah, ihrerseits entsprechende Modelle anzubieten. So brachte Audi 2010 den A7, und BMW folgt jetzt mit dem 6er Gran Coupé, das im Frühjahr auf den Markt kommt.
Den Erfolg des CLS soll nun der CLC in der Kompaktklasse wiederholen – und möglichst erneut die Konkurrenten, den kommenden Audi A3 Stufenheck und das galante, viertürige BMW-4er-Coupé, vor sich hertreiben. Kompakt ist in diesem Falle allerdings relativ. Mit einer Länge von knapp 4,60 m bewegt sich der CLC in der gleichen Grössenordnung wie die C-Klasse (4,59 m).
Kannibalisierungseffekte dürften gleichwohl nicht auftreten. Denn mit seiner skulptural ausgeformten, coupéhaften Karosserielinie spricht der CLC zum einen Kunden an, denen eine C-Klasse einfach zu vernunftbetont erscheint, und bietet auf der anderen Seite A-Klasse-Eignern eine elegante und dennoch vertraute Aufstiegsmöglichkeit. Denn A- oder B-Klasse-Aufsteiger müssen sich nicht gross umstellen, bietet der CLC auf der Frontantriebsplattform doch bekannte Fahreigenschaften und hat darüber hinaus ein ähnliches Cockpit.
Individualisierung
Und auch in Sachen Materialwahl, Oberflächen und Verarbeitung zeigt sich der kommende CLC natürlich auf dem hohen Level der aktuellen B-Klasse, setzt in diesem Segment neue Massstäbe in Anmutung und Wertigkeit.
So wird es beispielsweise auf Wunsch ein mit Leder bezogenes Armaturenbrett geben und unterschiedliche Ausstattungspakete, die eine persönliche Individualisierung erlauben. Ein besonderes Highlight ist das quasi über der Instrumententafel schwebende Display (5,8- oder 7-Zoll-Diagonale) des Comand-Bediensystems. Letzteres wird wie gewohnt über einen Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole bedient.
Unterm Blech findet sich das bereits bekannte Fahrwerks-Layout. Das heisst, McPherson-Federbein-Vorderachse und neu entwickelte Vierlenkerhinterachse. Dazu kommt die neue elektromechanische Lenkung, bei der der Elektromotor der Servounterstützung direkt am Lenkgetriebe sitzt und die nur dann Energie benötigt, wenn tatsächlich gelenkt wird.
Sportpaket
Wer eine stärker motorisierte Version wählt oder sich für das Sportpaket entscheidet, erhält ein um 20 mm tiefer gelegtes Sportfahrwerk. Dazu gibt es Sportdämpfer mit einer amplitudenselektiven Dämpfung und eine Direktlenkung. Bei Letzterer wird mit zunehmendem Lenkeinschlag die Lenkübersetzung spürbar direkter, was das Einlenken noch zackiger macht und die Agilität des Autos weiter verbessert.
Und Agilität steht weit oben im Pflichtenheft des CLC, weshalb auch die Basismotorisierungen von A- und B-Klasse hier nicht angeboten werden. So dürfte als Einstiegsbenziner der 156 PS starke 1,6-L-Vierzylinder aus der komplett neu entwickelten M270-Motoren-Baureihe zur Verfügung stehen. Diese Aluminiumtriebwerke – die für Längs- und Quereinbau geeignet sind – haben einen Abgasturbolader und eine Benzindirekteinspritzung der dritten Generation. Stärkere Varianten dieses Aggregats mit 1,6- und 2,0-L-Hubraum sind in Planung, bis hin zum 340-PS-2-L-Biturbo der AMG-Version. Diese darf dann allerdings ihre Leistung via Allradantrieb auf die Strasse bringen.
Stopp-Start
Dieselseitig kommt eine Weiterentwicklung des bekannten OM-651-Aggregats zum Einsatz, das erstmals in der aktuellen B-Klasse quer eingebaut wird. In seiner 1,8-L-Version leistet der Common-Rail-Direkteinspritzer-Vierzylinder im CLC mindestens 136 PS. Darüber werden weitere Varianten folgen, die aus 2,2 L Hubraum bis zu 204 PS leisten.
Alle Motoren haben serienmässig Stopp-Start und werden entweder mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe oder einer 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik verbaut. Umfangreiche Assistenzsysteme – wie etwa der Kollisionsverhütungsassistent – machen den Umgang mit dem Mercedes CLC noch komfortabler und vor allem sicherer. Und davon profitiert auch die zweite Karosserievariante des CLC – der Shooting Brake. Der dynamische Sportkombi soll ebenso wie der CLC-Viertürer im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Wobei Letzterer womöglich – nach unbestätigten Gerüchten – als Concept Car bereits im April in New York oder Peking debütieren könnte.
Für «Automobil Revue»-Aboanfragen rufen Sie bitte 0844 844 551 an.
Link auf diese Seite
Um von Ihrer Webseite oder aus Ihrem Blog zu dieser Seite zu verlinken, kopieren Sie bitte den Link in der Box und fügen Sie diesen in Ihren HTML-Text ein. Dazu einfach in die Box klicken, rechte Maustaste betätigen und «kopieren» auswählen.