Das passt deutlich besser
Vorschusslorbeeren gabs vor zwei Jahren für die Hybridfahrzeuge von BMW viele. Doch Tests sind gnadenlos, der ActiveHybrid 7 entpuppte sich mit seiner schwachen E-Unterstützung des grossvolumigen V8 bei einem Testverbrauch von 11,6 L/100 km als wenig genügsam. Genauso wie auch der mit 2,6 t viel zu schwere X6 mit dem Vollhybrid und 12,8 L/100 km Durchschnittsverbrauch.
Wie es besser geht, zeigte letztes Jahr der Infiniti M35h als Vollhybrid mit V6-Benziner und starker E-Maschine. Trotz eindrücklicher Fahrleistungen konsumierte die Luxuslimousine im Test nur 7,9 L/100 km.
Viel gelernt
Mit einem ganz ähnlichen Konzept und dem Vorsatz, dass «die dynamische Art, Hybrid zu fahren, ActiveHybrid heisst», schickt nun BMW den 5er ins Rennen. Den bekannten Reihensechszylinder-Benziner mit Twin-Scroll-Turbolader, Direkteinspritzung und Valvetronic kombinieren die Münchner Ingenieure mit einer hohen elektrischen Unterstützung. In Zahlen sind dies 225 kW (306 PS) Höchstleistung und 400 Nm maximales Drehmoment, kombiniert mit 40 kW bzw. 210 Nm des anstelle des Wandlers zwischen Verbrennungsmotor und 8-Gang-Getriebeautomatik platzierten Elektro-Synchronmotors. Systemleistung- und Drehmoment gibt BMW mit eindrücklichen 250 kW (340 PS) bzw. 450 Nm an. Damit soll der 5er bei Bedarf in 5,9 s von 0 auf Tempo 100 km/h beschleunigen und seine Endgeschwindigkeit bei abgeregelten 250 km/h erreichen. Klar, dass bei solchen Beschleunigungsorgien der anvisierte EU-Werksverbrauch von – je nach Bereifung – zwischen 6,4 und 7,0 L/100 km in weiter Ferne liegt. Doch wer trotzdem vor allem knausern will: Die Spartechnik ist jedenfalls mit dabei.
Das perfekt abgestimmte Hybridpaket mit einer 1,3-kWh-Lithium-Ionen-Batterie im vorderen Teil des Kofferraums ermöglicht rein elektrisches Fahren mit maximal 60 km/h von bis zu 4 km. Viel wichtiger ist aber, das der E-Motor den Verbrenner im verbrauchsineffizienten Teillastbereich entlastet, mittels Boosten jede Beschleunigungsphase unterstützt und so den Verbrauch reduziert. Bei der serienmässigen Fahrmoduswahl kann nun neben «Comfort», «Sport» und «Sport+» zusätzlich die Funktion «Eco Pro» aufgerufen werden. In dieser Stellung werden der Hybridantrieb, aber auch die Komfortfunktionen wie beispielsweise die Klimatisierung auf maximale Wirtschaftlichkeit getrimmt und der elektrische Betrieb bevorzugt. Das sogenannte Segeln (Ausrollen bei abgeschaltetem Verbrennungsmotor) beim Gaswegnehmen wird bis zu 160 km/h anstelle 80 km/h in den anderen Fahrmodi möglich. Die Daten des serienmässigen Navigationssystems dienen auch zur automatischen Optimierung des Hybridsystems im Hinblick auf die Geländestruktur. Und klar, der 5er ActiveHybrid hat natürlich ein sehr gut funktionierendes Stopp-Start-System.
Fahraktiv
Eines ist nach den ersten Fahrten klar: Der 5er ActiveHybrid ist alles andere als ein lahmes Alternativfahrzeug. Bereits ab Start schiebt die Kombination aus E-Motor und Turbobenziner die Limousine vehement voran. Da gibts kein Zögern und Halten, jede Gaspedalbewegung wird – je nach Fahrmoduswahl mehr oder weniger vehement – in Vortrieb umgesetzt. Mit der optionalen dynamischen Dämpferkontrolle (DSC) wird bei der Fahrmoduswahl auch die Dämpferkennlinie beeinflusst. So kann das Fahrwerk von komfortabel weich bis zu sportlich hart verändert werden. Gerade in kurvigem Gebiet oder bei Passfahrten lässt der Sportmodus das mit 1850 kg recht hohe Gewicht vergessen. Zielgenau, mit wenig Seitenneigung und überraschend agil zieht der Fünfer seine Bahnen. Auf der Autobahn wiederum freut man sich über den Komfort und die Ruhe in der grossen Reiselimousine. Einzig der wegen des Einbaus der Li-Ionen-Batterie um 145 auf 375 dm3 geschrumpfte Kofferraum ist auf langen Fahrten ein Nachteil.
87'200 Franken soll der heckgetriebene 5er ActiveHybrid kosten. Damit ist er ausstattungsbereinigt fast gleich teuer wie der Allrad-5er 535i xDrive mit dem 306 PS starken Reihensechser. Die Lancierung ist für den 25. Februar geplant. Ob es aber den 5er-Hybrid demnächst auch im Kombi und im GT gibt, darüber schweigt sich BMW noch aus. Klar ist, dass der 3er noch in diesem Jahr als Hybridversion folgen wird. Man darf gespannt sein.
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