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Zwei ungleiche Brüder

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PS-Starker Grobian: Der Nissan Juke-R
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Elegante Elektro-Flunder: Der Nissan Leaf RC
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Der Juke-R und der Leaf RC könnten unterschiedlicher kaum sein. Dennoch stammen beide aus der Nissan-Familie.

Aggressiv sind beide, und beide stammen aus Kleinserien, die nie in Kundenhand gelangen werden. Doch wo der Juke den groben Rennwagen gibt, weist der Leaf als erster Batterie-Bolide für die Rennstrecke ein Stück in die Zukunft des Motorsports. Hier der brüllend laute Bösewicht mit dem 485 PS starken V6-Motor aus dem GT-R –  da der flüsterleise Fiesling mit dem Antrieb des ersten familientauglichen Elektromobils aus der Grossserie.

Selbst die Entstehungsgeschichte könnte unterschiedlicher kaum sein. Während der Leaf RC strategische Absichten hat, Skeptiker vom Spass am Steuer eines Elektroautos zu überzeugen, ist der Juke aus einer Bierlaune heraus entstanden. Und wo in der Serie mit 190 PS Schluss ist, warten nun 485 PS darauf, dass jemand den Startknopf drückt. Das Brüllen des 3,8-Liters lässt die Boxengasse erzittern. Fenster fliegt die Welt vorbei und der Juke rennt auf der Geraden davon. «588 statt 240 Nm», schreit der Begleiter in den Lärm des 6-Zylinders und erklärt so, weshalb nun 3,7 Sekunden für Tempo 100 reichen. Vor der ersten Kehre zeigt der Tacho schon 180 Sachen und es ist gut zu wissen, dass auch die Bremsen aus dem GT-R stammen. Natürlich ist das Auto meilenweit von der Serienreife entfernt. Aber der Wagen wirkt dennoch harmonisch und solide.

Wechselt man danach in den Leaf, fühlt sich das an, als werde man mit der Zeitmaschine durch die Jahrzehnte katapultiert. Denn obwohl das Auto warmgefahren wurde, ist es wunderbar kalt an Bord. Auch ohne das Stampfen der Zylinder wirkt die Raserei hier ganz anders. Dazu passt das Fahrgefühl im Batterie-Boliden: Weil die Japaner beweisen wollten, wie viel Spass ein Elektroauto machen kann, haben sie zwar den 109-PS-Motor und die 24 kWh grossen Akkus unverändert übernommen. Aber mit der flach gedrückten Karbonkarosse haben sie das Gewicht von 1,5 auf 0,9 Tonnen gesenkt. Dazu sitzt der Motor zusammen mit der Batterie jetzt im Heck. Das macht den Leaf RC zum Kurvenkünstler, den man mit dem Gasfuss auf Kurs halten kann. Auf einer langen Start-Ziel-Gerade sieht man mit maximal 150 km/h dagegen alt aus. Und auch beim Sprint von 0 auf 100 in 6,5 Sekunden macht man keine so gute Figur. Doch bei Vollgasintermezzos zwischen zwei schnellen Kurven kann der Leaf voll punkten.

Nissan-Manager Francois Crisias weiss um die Gratwanderung, auf die sich die Japaner mit dem Leaf RC begeben. Natürlich ist der Flachmann eine verlockende Perspektive für die PS-Fraktion. Doch soll er nicht zum Aus für Extravaganzen wie dem Juke-R führen. «Elektrische Autorennen können Spass machen», so Crisias. «Aber wir müssen das eine tun, ohne das andere zu lassen.»  

(Textlab)

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