Horror beim Chatroulette
Die besten Ideen sind doch immer die simpelsten: man nehme einen Computer mit Webcam und Internetanschluss und lasse sich mit einem zufälligen Gegenüber verbinden. Gefällt nicht was man sieht, so klickt man auf «NEXT» und das Treffen ist prompt wieder beendet. Das ist in Kürze erklärt die Grundidee von Chatroulette, eines von einem 17jährigen Moskauer Studenten initiierten Webprojekts, das rasch zur vielleicht größten Websensation des Jahres wurde.
Dabei schafft es Chatroulette die aufregenden Begegnungen in den Chatrooms der 90er Jahre wieder zum Leben zu erwecken. Man fragt sich: Was passiert als nächstes? Wer sind die Menschen mit denen ich spreche und wo leben sie? Künstler und Kreative liessen sich bislang ebenso zu witzigen und interessanten Aktionen inspirieren, wie ganz normale Besucher der Seite. Und manchmal entwickelt sich auch einfach nur eine ganz normale Unterhaltung.
Die dunkle Seite: natürlich nutzen einige Besucher Chatroulette um sich ihrer Kleidung (und Würde) zu entledigen. Doch wozu gibt es schließlich den «Next»-Button? Daneben wurde frühzeitig auch noch der «Offensive»–Button eingeführt, mit dem zuvor genannte Personen der Seite verwiesen werden können.
Nun besteht ja die Faszination an Chatroulette nicht zuletzt in der Tatsache, dass sich hier ein direkter Draht zum Wohnzimmer eines anderen Menschen herstellen lässt. Das Netz wird so ganz persönlich und Real – öffnet uns ein Fenster zur Realität der vielen anderen Menschen, die gerade das gleiche tun wie wir. Was aber, wenn sich windige Werbeleute das Prinzip des Micro-Reality-TV zunutze machen? Dann wird es spannend. Denn interessanterweise erwarten wir hier (wenn auch sonst nirgends) reale Geschehnisse zu sehen.
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