Sind Apps das Ende des Internets?
Nichts symbolisiert den Erfolg des mobilen Internets besser als Apps. Aber könnten sie auch zugleich das Ende des World Wide Web bedeuten, wie wir es bisher kannten?
Die kleinen Programme gibt es mittlerweile für alle Lebenslagen, sie haben wesentlichen Anteil am Siegeszug der Smartphones in den letzten Jahren. Grund genug für das amerikanische Online-Magazin «Wired» eine steile These aufzustellen: Das Internet in seiner ursprünglichen Form sei tot, in Zukunft wird ein Großteil der Zugriffe über spezielle Apps erfolgen, die langfristig den Browser ersetzen.
«Wired» hat mit seinen provokanten Prognosen schon häufiger daneben gelegen, und so regt sich auch diesmal Widerstand gegen die Behauptung, das Netz wandle sich zur App-Ökonomie. Apps seien zwar kurzfristig erfolgreich, «haben aber auf lange Sicht keine Chance,» glaubt beispielsweise Joachim Graf. In einem Interview mit dem «Tagesanzeiger» benennt er die Nachteile der Apps: Sie existieren nur in einem geschlossenen Ökosystem, ihrem jeweiligen Betriebssystem. Apples iPhone beispielsweise ist beliebt, wird aber nur von einem Bruchteil der Handynutzer verwendet.
Grafs Schlussfolgerung: «Die Zukunft gehört offenen und browserbasierten Lösungen.» Sobald diese Dienste die Eleganz der Apps bieten, könnte sich das Bild wandeln. Dann gibt es kaum noch Gründe, sich ein Programm runterladen zu müssen, um einen Dienst im Netz nutzen zu können. Dieser Trend gehe einher mit dem generellen Bedeutungsverlust der Betriebssysteme. Diese Entwicklung betrifft vor allem Microsoft, das mit seinen Office-Anwendungen schon heute Konkurrenz von Open-Source-Programmen (OpenOffice) und Online-Lösungen (Google Docs) erfährt.
Doch ganz kann die App-Ökonomie noch nicht abgeschrieben werden. Zumindest ein anderer Mitspieler hat starkes Interesse an ihrer Beibehaltung: Apple. Der neugekrönte Champion der Technologie-Konzerne verdient gut an den Geschäften in seinem App-Store. Für die nähere Zukunft dürften die kleinen Helfer also ein stetiger Begleiter bleiben. Aber ob sie eines Tages ganz das Netz übernehmen? Bis dahin hat «Wired» bestimmt schon wieder eine neue These, die die Netzwelt erregt.
(kl)