Wie man sich auf mehrtägige Cockpit-Schichten vorbereitet
Bertrand Piccard und André Borschberg werden nicht im herkömmlichen Sinn physisch gefordert sein, wenn sie die bis zu 4-5-tägigen Etappen in der HB-SIA absolvieren werden. Sie müssen dabei keine Höchstleistungen erbringen, wie sie einem Ausdauersportler abverlangt werden. Sie werden sitzen, Stunde um Stunde, vom Start bis zur Landung. Doch auch für diese Ausdauerleistung ist körperliche Fitness unbabdingbar. Denn die Piloten müssen immer konzentriert und aufmerksam sein, sie dürfen sich nie von der Müdigkeit übermannen lassen.
Fitnesstraining nach Spezialplan
Um diese spezielle Aufgabe bewältigen zu können, trainieren sie regelmässig nach einem Plan, der von Jean-Pierre Boss, Spezialist für Innere Medizin an der Hirslanden Klinik in Lausanne, individuell für die beiden aufgestellt wurde. Dazu gehören Stretchingübungen ebenso wie Ausdauertraining. Beide, André Borschberg und Bertrand Piccard, sind regelmässig körperlich aktiv, um sich für die geplante Weltumrundung 2013 in Form zu halten.
Piccard bekundet dabei auch sehr menschliche Motivationsschwierigkeiten: «Ich liebe vor allem eher technische Sportarten wie Skifahren, Tauchen oder das Ballonfahren. Ich gebe mir jedoch Mühe, auch physischere Sportarten auszuüben.» Erst kürzlich habe er sich einen Hometrainer für zu Hause gekauft - «aber das ist definitiv nicht das, was mir am meisten Spass macht», fügt er verschmitzt an.
André Borschberg betreibt täglich Gymnastik und Yoga - er begrüsst die Morgensonne auch gerne mal in der Position «der Krieger». Im Sommer ist Borschberg zudem gerne mit dem Velo unterwegs, im Winter unternimmt er Skitouren.
Ernährung und Entsorgung
Beide Piloten versuchen, auf ihren Speiseplan zu achten, ohne sich aber allzu rigiden Zwängen zu unterwerfen. André Borschberg ernährt sich vegetarisch, und Piccard meint: «Ich versuche, nicht zu oft über die Stränge zu schlagen.»
Die Entsorgungsproblem an Bord wird vergleichsweise pragmatisch gelöst. Um sich auf über 24 Stunden lange Flüge vorzubereiten, nehmen die beiden 3 Tage vor dem Start möglichst keine Ballaststoffe mehr zu sich. Das hilft, die Verdauung so zu «verlangsamen», dass der Flug ohne Problem absolviert werden kann. Und was das Wasserlassen angeht, weiss man sich als Segelflieger auch zu helfen: «Da nehmen wir einfach Plastikbeutel zu Hilfe», erklärt Piccard.
Flugtraining
Piccard muss aber nicht nur physisch trainieren: «Nach 7 Jahren Vorbereitung, in denen ich viel gereist bin, Partner und Sponsoren getroffen und unser Projekt vorgestellt habe, hatte ich beinahe vergessen wie es ist, ein Pilot zu sein.» Derzeit absolviert er deshalb eine intensive Schulung auf Segelflugzeugen mit grosser Spannweite, um sich so auf seinen Einsatz in der Solar Impulse vorzubereiten. Er hat in den letzten Wochen mehr als 70 Stunden am Steuer von Segelflugzeugen verbracht, ist aber auch Motorflugzeuge und Helikopter geflogen. Daneben verbrachte Piccard rund 100 Stunden im eigens für Solar Impulse gebauten Flugsimulator und ist in einer Dekompressionskammer schon auf 10 000 Meter über Meer «gestiegen». «Ich überlege mir sogar, ob ich nicht weiterhin, zum Spass segelfliegen soll», so der ehemalige Deltasegler-Akrobatikpilot. Und fügt grinsend an: «Wenn ich jemals in meinem Leben wieder eine freie Minute haben sollte.»
André Borschberg hat in Sachen Flugtraining keine ähnlichen Sorgen. Als ehemaliger Pilot von Jagdflugzeugen und erfahrener Steuermann von mehr oder weniger allem, was Flügel hat, hat er in 20 Jahren schon über 4000 Flugstunden absolviert - für ihn war es dementsprechend ein leichtes, sich auf den Flug mit der HB-SIA vorzubereiten.
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