Eine nicht ganz gewöhnliche Familie
Dabei hat Bertrand Piccard der Abenteurer- und Forschertradition seiner Ahnen bereits alle Ehre gemacht: Gemeinsam mit Co-Pilot Brian Jones gelang ihm 1999 in der Breitling Orbiter 3 die erste Nonstop-Umrundung der Erde mit einem Heissluftballon. Gestartet waren der Schweizer und der Engländer am 1. März in Château-d'Oex VD, knapp 20 Tage und 45'755 Kilometer später endete ihre spektakuläre Reise in der Wüste Ägyptens. "Es war ein unglaublich erhebendes Gefühl, lautlos und nur vom Wind getrieben über die Kontinente zu schweben", sagte Piccard nach der Fahrt. Doch die Erdumrundung habe in ihm auch die Idee reifen lassen, nächstes Mal in einem Fluggerät zu starten, das nur mit Sonnenenergie angetrieben wird. "Als wir aus der Ballonkapsel stiegen sahen wir, dass die Tanks nur noch wenige Liter Brennstoff enthielten", so Piccard. "Hätte das Wetter unsere Fahrt also nur um wenige Stunden verlängert, wären wir statt in Ägypten im Atlantik gelandet. Einer solchen Abhängigkeit von Treibstoff wollte ich mich nie wieder aussetzen."
Am höchsten und am tiefsten
Die Lust, die Grenzen des Menschenmöglichen zu erweitern, trieb schon Bertrands Grossvater Auguste Piccard an. Der 1884 in Basel geborene Physiker stieg 1932 zusammen mit seinem belgischen Kollegen Max Cosyns von Dübendorf aus in einem Gasballon bis auf 16'940 Meter und stellte damit einen Weltrekord auf.
Die mit dem Bau der Druckkapsel gewonnenen Erfahrungen liess Auguste nach dem Zweiten Weltkrieg dann in die Konstruktion des Tauchboots "Trieste" einfliessen. Mit dem Bathyskaph genannten U-Boot tauchte er 1953 im Tyrrhenischen Meer auf die damalige Rekordtiefe von 3150 Meter, um das Leben in der Tiefsee zu erforschen.
Den Drang nach oben teilte Auguste übrigens mit seinem Zwillingsbruder Jean-Felix. Der Chemiker baute die ersten Kunststoffballone und brach 1934 den Höhenrekord seines Bruders. Gemeinsam mit Gattin Jeannette, der ersten Ballonpilotin der Welt, stieg er bis auf 17'700 Meter auf. Jeannette war damit die erste Frau, die an der Grenze zum Weltraum gekratzt hat.
Die Forscherzwillinge verbindet aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Beide dienten als Inspiration für bekannte fiktive Charaktere. Während Auguste den belgischen Schöpfer von "Tim und Struppi", Hergé, zur Schöpfung des Professors Bienlein anregte, wurde Jean-Felix von Gene Roddenberry in der Science-Fiction-Serie "Star Trek - The Next Generation" mit der Figur des Captains Jean-Luc Picard geehrt.
Noch tiefer und in den Golfstrom
Noch populärer als August dürfte jedoch Bertrands Vater Jacques gewesen sein. Er war schon an der Konstruktion der "Trieste" beteiligt und tauchte schliesslich 1960 zusammen mit dem US-Marineoffizier Don Walsh zum tiefsten Punkt der Welt ab, dem Grund des Marianengraben auf 10'916 Meter. Später baute Jacques das Mesoskaph "Auguste Piccard", eine der Hauptattraktionen der Landesausstellung 1964 in Lausanne. Das U-Boot brachte rund 33'000 Passagiere zum Grund des Genfersees und ist nach wie vor das grösste nicht-militärische Unterwasserfahrzeug aller Zeiten. Es gehört heute dem Verkehrshaus Luzern und wartet auf seine Restauration.
1969 startete Jacques Piccard schliesslich mit der eigens entwickelten "Ben Franklin" zur Erforschung des Golfstroms. Sechs Wissenschafter liessen sich vier Wochen lang 300 Meter unter der Wasseroberfläche im Golfstrom treiben. Die Expedition diente nicht nur den Ozeanologen: Die dabei gewonnen Erkenntnisse über die psychischen Auswirkungen einer so langen Reise dienten der Nasa bei der Planung ihrer Raumfahrtmissionen.
Die Faszination der Tiefsee liess Jacques Piccard nie mehr los. Er gründete eine Stiftung, mit dem Zweck, Erforschung und Schutz der Meere zu fördern und nahm noch mit 82 an Unterwasserexpeditionen teil. Am 1. November 2008 verstarb Jacques im Alter von 86 Jahren.
Sanft und leise
Und nun also Bertrand Piccard. Schon früh war er von der Fliegerei fasziniert und verschrieb sich zunächst ganz den Hängegleitern und Ultraleichtflugzeugen. Er wurde zu einem Pionier dieses Sports und überquerte 1983 als erster die Alpen mit einem der fragilen Fluggeräte. Und nachdem ihn seine Hingabe an die sanfte, leise Aviatik schon mit dem Ballon um die Welt fahren lies, findet sie nun ihren Fortsetzung im Bau der Solar Impulse.
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