Gestrecktes Gefühl
Als "Bergdoktor" verscheucht Hans Sigl einmal mehr die dunklen Wolken aus dem Alpenparadies.
Was für ein Start: "Eiszeit" titelte die Pilotfolge der fünften Staffel des "Bergdoktors" Anfang Januar, die Fernsehgeräte liefen indes trotzdem heiss. Insgesamt 5,72 Millionen Zuschauer fieberten im ZDF mit den Gruber-Brüdern mit, die zur Lebensrettung die verschneiten Gipfel Tirols herausforderten. Nicht minder spektakulär geht es nun weiter. Sechs neue Folgen der malerischen Actionreihe nimmt das ZDF nun immer donnerstags à 90 Minuten ins Programm. Schon der Auftakt dürfte richtungsweisend sein: Eine Folge vollgepumpt mit Gefühl. Es geht um Liebe und Schmerz, um alles und nichts, kurz: "Um Leben und Tod".
Aus Funsport wird schnell Ernst. Eben noch rannte die hübsche Lisa Kleinert (Janina Flieger) eine Felswand hinunter, schon hängt sie bewusstlos in den Seilen. Dr. Martin Gruber (Hans Sigl) ist selbstredend schnell zur Stelle. Ein Bluttest gibt Gewissheit: Lisa hat sich einen ominösen und lebensgefährlichen Virus eingefangen, der nur über Geschlechtsverkehr übertragen wird. Was ihr perfekter Verlobter (Bernhard Piesk) allerdings nicht weiss: Seine Angebetete hatte eine Affäre und will partout nicht verraten, wer sie angesteckt haben könnte.
Den Superdoc indes plagen wieder zahlreiche eigene Probleme. Nicht nur, dass ihm das pubertierende Töchterlein (Ronja Forcher) auf der Nase herumtanzt und ihre schulischen Pflichten vernachlässigt. Wegen einer weitreichenden Fehldiagnose beginnt Martin ausserdem, seine Qualitäten als Arzt in Frage zu stellen und setzt seine aufflackernde Beziehung zu Lena (Pia Baresch) aufs Spiel. Hans (Heiko Ruprecht) versucht indes mit Susanne (Natalie O'Hara) anzubandeln, muss sich aber erst noch seiner Vergangenheit stellen.
Die Klischee-Konflikte wuchern wieder in der pittoresken Bergwelt. Einmal mehr mäandert der unangepasste Mediziner zwischen Stoffwechseltoxikose und Gefühlsfluktuation, zwischen bemühtem Weisskittel-Fachgeplänkel und purer Süssholzraspelei. Gefallen dürfte das dennoch wieder. Nicht zuletzt dank des charismatischen Hauptdarsteller-Gespanns Sigl und Ruprecht. Und doch berühren die ausufernden Wärmegewitter wenig. Bei plötzlich doppelter Sendezeit wird eben vieles verdünnt und gestreckt - auch das Gefühl.