Lieber bequem als sicher?
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Liebe Leser,
stellen Sie sich für diese Kolumne bitte vor, wir sässen in einer kleinen Runde, auf unbequemen Holzstühlen, in der Ecke der Tisch mit einer Kanne grausig schmeckendem Kaffee. (So spielt sich diese Szene jedenfalls gerade in meinem Kopf ab - ich schaue zu viele Filme, ich weiss.) Ich stehe auf und sage: «Hallo, mein Name ist Carolin, und ich bin zu bequem.»
Warum? Darum: Internet Explorer, Whatsapp, Java, Android, Flash, SSL - um nur die prominentesten von Sicherheitsproblemen geplagten Dienste und Technologien der letzten Wochen zu nennen. Wir nutzen sie (zum Teil), lesen (zum Teil), dass da irgendwas im Argen liegt. Dann schimpfen wir, verbreiten die Nachricht, denken laut über Alternativen nach. Doch in den seltensten Fällen - behaupte ich - ändern wir deswegen unser Verhalten.
Wer jetzt «Doch!» ruft, dem sage ich: Bravo! Sie machen sich überdurchschnittlich viele Gedanken um die Sicherheit Ihrer Daten, und das finde ich sehr gut.
Die Cloud nicht nutzen, ist keine Option mehr
Für mich und die anderen, die mit mir in der Holzstuhl-Runde sitzen, wird es Zeit, einzugestehen: Wir wählen Bequemlichkeit über Sicherheit. Es ist ja nicht so, dass wir uns der Risiken von zu viel Offenheit und Sorglosigkeit nicht bewusst wären, aber...
Den Browser wechseln, wenn eine Sicherheitslücke nicht schnell genug gestopft wird? Angesichts aktueller Probleme Whatsapp löschen, weil mich wichtige Nachrichten schon irgendwie erreichen? Apps wie diese haben mein Kommunikationsverhalten nachhaltig verändert, so einfach ist das nicht möglich ohne Verluste. Den Google-Kalender nicht nutzen, wenn er mich doch beruflich wie persönlich so wunderbar organisiert? Meine Daten nicht Dropbox anvertrauen, einem US-Unternehmen mit unzulänglicher Verschlüsselung? Die Cloud grundsätzlich nicht nutzen, ist für mich keine Option mehr, und damit bin ich nicht alleine.
Nein.
Ein Tipp: Dropbox verschlüsseln
Ich entwickle stattdessen Strategien. Streue meine Daten über mehrere Dienste, wie ich mein Geld in verschiedene Aktien investieren würde anstatt nur auf ein Pferd zu setzen. Auch wenn das Pferd, nennen wir es Google, so verdammt bequem ist. Nun sitze ich auf diesem imaginären Stuhl in Ihrer Runde. Und gestehe: Es braucht erst eine bequeme und sichere Lösung, um mich von der bequemen, aber nicht so sicheren wegzulocken.
Für den Rest der Woche deshalb drei schnell umzusetzende Tipps für mehr Datensicherheit:
- Denken Sie sich ein Fantasiewort aus, stellen Sie sicher, dass es dazu keine Google-Treffer gibt, packen Sie eine Zahl und/oder ein Sonderzeichen an eine Stelle in diesem Wort, die Sie sich merken können - voilà, Ihr neues Passwort.
- Verschlüsseln Sie Ihre Dropbox mit dem preisgekrönten BoxCryptor oder wechseln Sie zu einem Dienst wie Wuala.
- Wenn Sie Firefox oder Chrome nutzen, laden Sie sich die Erweiterung HTTPS Everywhere herunter, um eine sichere Verbindung zu grossen Websites wie Facebook zu erzwingen. Dieser Tipp funktioniert bislang nur für die Desktop-Versionen der Browser, aber nicht für mobile Betriebssysteme (Mit Dank an Peter S. für den Hinweis).
Ein sicheres letztes September-Wochenende wünsche ich Ihnen!
Über diesen Text
Carolin Neumann, freie Journalistin und Redaktionsleiterin des gemeinnützigen Medienportals VOCER, schreibt exklusiv für Bluewin.ch jede Woche über das Wie und Warum bzw. das Warum nicht des digitalen Lebens. Alle ihre Kolumnen finden Sie hier.
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