Düstere Zeiten für Raucher
In Bern, Wallis und Freiburg ist ab 1. Juli ausgepafft. Damit gilt schon in sechs Kantonen Rauchverbot in Gaststätten – überall allerdings mit kleinen Unterschieden, die zeigen, wie unübersichtlich die gesamtschweizerische Lage ist.
Die Walliser und Berner dürfen ab 1. Juli in allen öffentlichen Gebäuden, sowie auch in Restaurants und Clubs nicht mehr rauchen. Im Kanton Freiburg hingegen erhalten die Gaststätten noch eine Galgenfrist: Sie müssen das Rauchverbot erst auf den 1. Januar 2010 umsetzen.
In allen drei Kantonen darf in Fumoirs weitergeraucht werden. In Bern darf in den Raucherseparées auch bedient werden, im Wallis und Freiburg müssen sie unbedient sein.
Inklusive Wallis und Bern haben somit sechs Kantone Rauchverbote eingeführt, die auch Gaststätten umfassen. Der erste war der Kanton Tessin im April 2007. Es folgten Graubünden, Solothurn und Neuenburg. Der Kanton St. Gallen habe zwar ebenfalls ein Rauchverbot in Kraft gesetzt, dieses sei jedoch löchrig, so die Lungenliga Schweiz.
Jeder Kanton will das Rauchverbot etwas anders ausgestalten. Entsprechend gleicht die Schweiz in Sachen Rauchen einem bunten Flickenteppich. Eine einheitliche Lösung ist nicht vor 2011 in Sicht. Wer bis dahin in der Schweiz als Raucher unterwegs ist, bräuchte schon fast einen Führer durch die kantonalen Gesetzgebungen.
Verbots-Wirrwarr in der Schweiz
Im Minikanton Appenzell Innerrhoden wird in den Beizen zum Beispiel fröhlich gepafft, im anderen Appenzell aber ist dies strikt verboten. Unterwegs im Nachbarkanton St. Gallen wittert der Raucher Morgenluft: In kleinen Beizen bis maximal 80 Quadratmeter darf er seinem Laster frönen. Dies ebenso im nahen Thurgau.
Im Kanton Zürich sollte ab dem 1. Oktober Schluss sein mit Rauchen in Wirtschaften, nun dauert es aber mindestens noch bis zum 1. Januar 2010, weil der Kanton sich bei der Umsetzung des Verbots nach dem Bund richten will.
Im Kanton Glarus darf zurzeit noch rauchen, wer will; ein Volksbegehren ist aber hängig. Definitiv «Kippe aus» heisst es dann aber weiter östlich im Kanton Graubünden.
Unterwegs in der Westschweiz, darf der Raucher in der Waadt noch bis Ende August an der Zigarette ziehen. Danach tritt auch dort das Rauchverbot in Kraft. Etwas nördlich, im Kanton Neuenburg, muss er seine Kippe dem Aschenbecher überlassen; da gilt das Rauchverbot seit April. Im Kanton Jura hingegen diskutiert derzeit das Parlament eine entsprechende Motion.
Der geneigte Raucher wird Genfer Wirtschaften noch geniessen - jedoch nicht mehr allzu lange. Dann werden Fumoirs ohne Bedienung eingeführt. An der Rhone befinden die Stimmbürgerinen und Stimmbürger am 27. September darüber, und zwar bereits zum zweiten Mal.
In der Romandie geht der Trend eher in Richtung unbediente Fumoirs. In der deutschen Schweiz ist es leichter, bediente Fumoirs zu finden, unter der Bedingung, dass das Personal sich ausdrücklich bereit erklärt, in solchen zu arbeiten.
Letztere Lösung ist näher beim Bundesgesetz, das die eidgenössischen Räte letztes Jahr verabschiedet haben. Dieses erlaubt nicht nur Fumoirs mit Service bei Zustimmung des Personals, sondern auch kleine Raucherbeizen bis 80 Quadratmeter.
Indem das Bundesgesetz es den Kantonen ermöglicht, restriktiver zu sein, trägt es zur Uneinheitlichkeit der Lage bei. Ausserdem ist das im Oktober verabschiedete Gesetz noch gar nicht in Kraft. Man wartet noch auf die zugehörige Verordnung.
Bundesgesetz nicht vor 2010
Die Verordnung dürfte den betroffenen Kreisen im Sommer zur Stellungnahme unterbreitet werden, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gegenüber der Nachrichtenagentur SDA verlauten liess. Ein Inkrafttreten sei demnach frühestens auf Anfang 2010 zu erwarten, sagte Karine Begey, Sprecherin beim BAG für das nationale Tabakprogramm.
Gewiss, mit der Zeit dürfte das Rauchverbot schweizweit einheitlich werden. Nichtsdestotrotz werden gewisse Unterschiede bleiben: Bezüglich der Fumoirs, mit oder ohne Bedienung, und bezüglich der Grösse der Lokale. Wer als Raucher die Kantonsgrenzen überschreitet, wird also auch künftig kein einfaches Leben haben.
Den Rauchern das Leben zu vereinfachen, ist allerdings nicht der Grund, weshalb die Lungenliga eine Volksinitiative lanciert hat, die klare, strenge und landesweit gültige Regeln fordert. Die Lungenliga geht - gestützt auf Umfragen, wonach mehr als zwei von drei Schweizern den Text unterstützen - davon aus, die nötigen 100'000 Unterschriften bis Ende Jahr beisammen zu haben, fast ein Jahr vor Ablauf der Sammelfrist.
Kommentare
@ hans ZH.....freut mich, wenn du mit 90 und als kettenraucher noch fit bist. aber bist du auch noch verkehrstauglich?
Ich meide schon lange Zug- und Flugreisen und verschiebe mich ausschliesslich im Auto. Aber dass man jetzt generell das Rauchen auch in Restaurants verbieten will geht zu weit. Ich bin 90, Kettenraucher und rauche seit meinem 16. Lebensjahr, bin körperlich und geistig vital und würde auch gerne mal auswärts essen gehen und uneingeschränkt meine Zigaretten rauchen. Weshalb werden nicht Raucher- und Nichtraucherlokale eingeführt. Dann hätte jeder seinen Frieden.
Rico Rico, Schweiz: Was für ein Journalismus... "ausgepafft" ist nirgends....
Genau, wegen all den Autoabgasen, die wir während den Stosszeiten in den Städten einatmen schreit keine Sau. Wegen einbisschen Qualm in einem Restaurant ist noch keiner gestorben. Hingegen Autoabgase in einer ungelüfteten Garage können tödlich sein! Ich frage mich, wann wollen die Militanten und Gesundheitsapostel das Rauchen beim autofahren auch noch verbieten?