Couchepin trifft Weltuntergangs-Prognostiker
In Genf startet bald das grösste Teilchenbeschleuniger-Experiment der Welt. Ein deutscher Forscher warnt, dass es den Weltuntergang auslösen könnte. Bundespräsident Pascal Couchepin will sich mit dem Physiker treffen.
Der «Large Hadron Collider» (LHC) ist ein Röhrenring mit 27 Kilometern Durchmesser und liegt unterhalb der Stadt Genf. Am 1. August, also in knapp 10 Tagen, wird er in Betrieb genommen.
Im LHC herrscht ein Vakuum, kleinste Atomteilchen werden darin fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zum Zusammenprall gebracht. Mit dem LHC wollen die Forscher des Europäischen Labors für Teilchenphysik (CERN) den Urknall simulieren und so mehr über die Entstehung der Welt herausfinden.
Die Versuchsanordnung wurde jahrelang geplant und die Risiken minutiös berechnet. Trotzdem warnt der deutsche Physiker Otto Rössler: «Beim Experiment könnten Schwarze Löcher entstehen, welche Materie in sich hineinsaugen.» Das würde bedeuten, dass die Welt quasi «verschluckt» würde. Als Zeitrahmen für den Weltuntergang nennt Rössler 50 Jahre – im schlimmsten Fall könnten es aber auch nur 50 Monate sein.
Die Physiker am CERN halten Rösslers Berechnungen für falsch. Sie beteuern, dass es keine Gefahr durch Schwarze Löcher gebe. Denn selbst falls solche entstehen würden, wären sie so winzig klein, dass sie gleich wieder zerfallen würden. Erst Anfang Juli habe eine unabhängige Expertenkommission nochmals alles durchgerechnet und keine Risiken gefunden, heisst es beim CERN.
Trotzdem nimmt sich jetzt Bundespräsident Pascal Couchepin der Sache an. Er will sich persönlich mit Rössler treffen und dessen Befürchtungen anhören. Vermittelt wurde das Treffen durch den grünen Nationalrat Daniel Vischer, der Couchepin dazu aufgefordert hatte, eine öffentliche wissenschaftliche Debatte über Rösslers Thesen zu organisieren.
Vischer sagte gegenüber dem «Blick»: «Die Warnung vor einer möglichen Gefahr durch das Experiment kann uns nicht gleichgültig sein.» Denn das CERN geniesse absolute rechtliche Immunität. Im Falle von Schäden könnte deshalb die Schweiz, die einer der Betreiberstaaten des CERN ist, haftbar gemacht werden - falls nach dem Weltuntergang überhaupt noch jemand da ist, der Schadensersatzforderungen stellen kann, versteht sich.
Jean-Pierre Ruder, Mitglied des CERN-Rates, verspricht jedenfalls: «Es wird kein globales 1. August-Feuerwerk geben.» Und ergänzt: «Ich hänge sehr an meinem Leben, das kann ich versichern!»