09. Februar 2010
Drucken  | 
Schriftgrösse
-
-

Couchepin trifft Weltuntergangs-Prognostiker

In Genf startet bald das grösste Teilchenbeschleuniger-Experiment der Welt. Ein deutscher Forscher warnt, dass es den Weltuntergang auslösen könnte. Bundespräsident Pascal Couchepin will sich mit dem Physiker treffen.
-
-
Bild: Keystone
Glaubt man Professor Rössler, könnte hier der Weltuntergang seinen Anfang nehmen.

Der «Large Hadron Collider» (LHC) ist ein Röhrenring mit 27 Kilometern Durchmesser und liegt unterhalb der Stadt Genf. Am 1. August, also in knapp 10 Tagen, wird er in Betrieb genommen.

Im LHC herrscht ein Vakuum, kleinste Atomteilchen werden darin fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zum Zusammenprall gebracht. Mit dem LHC wollen die Forscher des Europäischen Labors für Teilchenphysik (CERN) den Urknall simulieren und so mehr über die Entstehung der Welt herausfinden.

Die Versuchsanordnung wurde jahrelang geplant und die Risiken minutiös berechnet. Trotzdem warnt der deutsche Physiker Otto Rössler: «Beim Experiment könnten Schwarze Löcher entstehen, welche Materie in sich hineinsaugen.» Das würde bedeuten, dass die Welt quasi «verschluckt» würde. Als Zeitrahmen für den Weltuntergang nennt Rössler 50 Jahre – im schlimmsten Fall könnten es aber auch nur 50 Monate sein.

Die Physiker am CERN halten Rösslers Berechnungen für falsch. Sie beteuern, dass es keine Gefahr durch Schwarze Löcher gebe. Denn selbst falls solche entstehen würden, wären sie so winzig klein, dass sie gleich wieder zerfallen würden. Erst Anfang Juli habe eine unabhängige Expertenkommission nochmals alles durchgerechnet und keine Risiken gefunden, heisst es beim CERN.

Trotzdem nimmt sich jetzt Bundespräsident Pascal Couchepin der Sache an. Er will sich persönlich mit Rössler treffen und dessen Befürchtungen anhören. Vermittelt wurde das Treffen durch den grünen Nationalrat Daniel Vischer, der Couchepin dazu aufgefordert hatte, eine öffentliche wissenschaftliche Debatte über Rösslers Thesen zu organisieren.

Vischer sagte gegenüber dem «Blick»: «Die Warnung vor einer möglichen Gefahr durch das Experiment kann uns nicht gleichgültig sein.» Denn das CERN geniesse absolute rechtliche Immunität. Im Falle von Schäden könnte deshalb die Schweiz, die einer der Betreiberstaaten des CERN ist, haftbar gemacht werden - falls nach dem Weltuntergang überhaupt noch jemand da ist, der Schadensersatzforderungen stellen kann, versteht sich.

Jean-Pierre Ruder, Mitglied des CERN-Rates, verspricht jedenfalls: «Es wird kein globales 1. August-Feuerwerk geben.» Und ergänzt: «Ich hänge sehr an meinem Leben, das kann ich versichern!»

(mr)
Bewerten-
Versenden-
Merken-
Drucken
Wie interessant finden Sie diesen Artikel?
gar nicht interessant
sehr interessant

Weitere Artikel

Haitianische Kliniken unter Betrugsverdacht Nach Betrugsvorwürfen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verteilung von Gratis-Medikamenten an private Kliniken und Hilfsorganisationen in Haiti eingestellt. Mehr... Kalifornier fliehen wegen Erdrutschgefahr Die Gefahr von weiteren Erdrutschen nach heftigen Regenfällen in Südkalifornien hat Hunderte Menschen in die Flucht getrieben. Die Behörden forderten die Bewohner von über 500 Häusern im hügeligen Hinterland von Los Angeles auf, die Gebäude zu räumen. Mehr... Überschwemmungen in Peru: Tote und Vermisste Sintflutartige Regenfälle in Peru haben mindestens 26 Menschen das Leben gekostet. Viele Personen gelten als vermisst. 20'400 Peruaner hätten durch Überschwemmungen "praktisch alles verloren: Häuser, Grundstücke und Ernte", teilten die Behörden mit. Mehr... Buschauffeur unterbricht Fahrt für Gebet Weil einer ihrer Busfahrer während seines Dienstes eine überraschende Gebetspause einlegte, hat sich die Leitung der Londoner Verkehrsbetriebe nun bei den Fahrgästen entschuldigt. Sie wolle den Glauben der Mitarbeiter aber respektieren. Mehr... Schneefall-Rekord an US-Ostküste möglich Noch gezeichnet vom vorhergehenden Schneesturm bereitete sich die US-Ostküste auf eine zweite Runde vor: Meteorologen kündigten für die Region um Washington und mehrere Bundesstaaten von Virginia bis New Jersey bis zu 60 Zentimeter Neuschnee an. Mehr... Ex-Beatle Ringo Starr wird mit Stern geehrt Vier Jahrzehnte nach dem Ende der legendären Beatles hat jetzt auch Ringo Starr seinen Stern auf dem "Walk of Fame" in Los Angeles. Der Schlagzeuger selbst enthüllte den 2041. Stern zusammen mit Barbara Bach. Mehr... Laubfrosch "Da Vinci" über dem Berg Der französische Laubfrosch, der letzte Woche einer St. Gallerin aus einem Fertigsalat entgegengehüpft war, scheint über dem Berg. Das drei Zentimeter grosse Tier frisst und bewegt sich. "Da Vinci", wie die Frau den Frosch getauft hat, ist nun in einem Terrarium. Mehr... US-Soldat foltert Tochter mit CIA-Methoden Seine kleine Tochter hatte Schwierigkeiten mit dem ABC - da griff ein Soldat aus Tacoma in den USA zu einer brutalen Massnahme, mit der einst CIA-Agenten Terrorverdächtigte folterten: Dem berüchtigten simulierten Ertränken. Mehr... Fünf Tote - ein "Horror-Skelett" Die Geschichte mutet an wie aus einem Horrorfilm: Auf der Suche nach einem vor Jahren verschwundenen Mann ist die italienische Polizei auf ein Skelett mit Knochen von fünf verschiedenen Menschen gestossen. Mehr... Russen ersteigern Geisterstadt in Lettland Geisterstadt wechselt den Besitzer: In Lettlands Hauptstadt Riga hat ein russisches Unternehmen die seit zwölf Jahren menschenleere Stadt Skrunda-1 bei einer Auktion erworben. Mehr...
-----