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Wie gut ist «MeeGo»? Das Nokia N9 im Test

Bild: Nokia
Der Usability-Tester und Autor Hendrik Wilmanns testet Smartphones und andere nützliche Geräte auf Herz und Nieren. Seine Besprechungen lesen sie ab sofort regelmässig auf Bluewin.
Bild: GfK SirValUse Consulting GmbH

In Fachzeitschriften und Internetblogs war zuletzt nur Positives über das N9 zu lesen, das bisher einzige Gerät mit «MeeGo», dem neuen Betriebssystem von Nokia. Dass das N9 im Rahmen der Umstellung Nokias auf Windows Phone 7 auch gleich das letzte Nokia-Gerät mit «MeeGo» sein dürfte, ist bedauernswert, denn die neue Oberfläche ist eine kleine Sensation.

Der «Swipe» ersetzt Home- und Zurück-Tasten

Das Neue und Wesentliche vorab: Mit «MeeGo» bringt Nokia nicht nur eine wirklich nutzerfreundliche Touchscreen-Oberfläche, die es mit den Stars der Branche aufnehmen kann, sondern reformiert auch gleich den zentralen Smartphone-Interaktionsmechanismus (das Wechseln von Apps) auf simple und radikale Art: Auf dem N9 wird man eine Zurück- oder Home-Taste vergeblich suchen, denn Anwendungen können ausschliesslich per «Swipe» verlassen werden. «Swipe» bedeutet «Wischen über den Bildschirm vom Geräterand aus», und nach einem «Swipe» landet man entweder im Hauptmenü oder auf einer hübschen Übersicht der zuletzt geöffneten Programme, die sich per Touch wieder aktivieren lassen. Das Swipen ist zu Beginn ungewohnt und führt zu unerwünschten Abbrüchen (vor allem in der Galerie, wo man sich selbst aus der App kickt anstatt zum nächsten Bild zu gelangen), geht aber mit etwas Übung sensationell gut von der Hand: Nach ca. drei Tagen gewöhnt man sich daran und ungewollte Abbrüche bzw. mehrmaliges Ansetzen bleiben aus, nach ca. einer Woche weiss man, welche Wischrichtung was bewirkt, und nach ca. zwei Wochen hat man seinen völlig eigenen Stil im Arbeiten mit dem Gerät entwickelt. Ab dem Punkt fühlt sich dann alles extrem flüssig an, weil die Standard-Interaktionen maximal effizient ausgeführt werden. Und zwar - dies ist die eigentliche Sensation der neuen Nokia-Oberfläche - effizienter als in allen anderen Systemen. Wer hier protestieren will, zum Beispiel ein Fan der Android-Menüleiste, möge kurz überlegen. Auf dem Touchscreen ist das Wischen immer die schnellstmögliche Rücknavigation ins Menü, da die Aktion normalerweise ohne Umgreifen gelingt. In Android, iOS oder Windows Phone 7 ist dieses Umgreifen andauernd nötig, da man mit den Home-Tasten am unteren Rand der Geräte navigiert. 

Weitere Stärken und Schwächen

Während Nokia mit dem «Swipe»  einen echten Coup gelandet hat – es ist nur eine Frage der Zeit, bis andere Hersteller dies kopieren werden –, zeigt das N9 leichte Probleme beim Surfen (u. a. kein Flash, kein copy und paste von Textelementen) und in der Texteingabe (Tastatur lässt sich im Web nicht leicht ausblenden, viele Menüs nur im Hochformat). Für den Nutzer problematischer dürfte jedoch der Mangel an MeeGo-kompatiblen Apps auf der Ovi-Plattform sein. Zwar gibt es alle Standards wie Facebook, Twitter, Youtube und Skype (die perfekt ins System integriert sind) und mittlerweile auch sehr viele gute Spiele (das exzellente Real Golf Challenge ist bereits vorinstalliert), mit der Vielfalt an Apps auf Android oder iOS wird MeeGo allerdings niemals mithalten können, da das neue Betriebssystem aller Voraussicht nach nicht lange bestehen wird.  

Wer den Mangel an Apps verschmerzen kann, darf sich freuen. Die Hardware ist stylisch und absolut hochwertig, aus einem einzigen Stück Polykarbonat gefertigt, mit glasklarem und blickwinkelstabilem Display und mit einer sehr guten 8MP Carl-Zeiss-Kameralinse versehen. Zudem strahlt die abermals verbesserte Navigation in voller Pracht, Nokia-typisch mit Offline-Kartenmaterial für die ganze Welt und mit sehr zuverlässiger Ortsbestimmung (bei eingeschalteter WLAN-Suche). Das N9 mit MeeGo ist somit eine tolle Alternative zu den Touchscreen-Topmodellen anderer Marken und Systeme. Und endlich eine, die von Nokia kommt.

Mehr zum Nokia N9 mit MeeGo erfahren Sie in unserer Bilderstrecke.

(hw)

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