Kinect: Bedienungsfreiheit (nicht nur) für Kontrollfreaks
Die Trendwende setzte im Oktober 2010 ein, als die XBox 360 um eine weitere intelligente Schnittstelle komplettiert wurde: Kinect, die Körpersteuerung. Dem Spieler sollte die Chance zur Aktivität gegeben werden, die ohne Kabelknoten, Fingerakrobatik und letztlich ohne ein Kontroll-Pad auskommt. Sony und Nintendo hatten einst damit begonnen, Microsoft konnte aber als Erster sagen: It works! Die Frage ist: Aber wie?
Vom Daumen- zum Körpereinsatz
Um Gäste auf einer Party in abenteuerlichen Spielkulissen zu beeindrucken, reichen zwei High-Speed-Daumen heute nicht mehr aus – der ganze Körper ist gefragt. Mit dem muss man sich bei Kinect nämlich voll ins Geschehen einbringen können, egal ob beim Tanzen, Tennis oder um den Endgegner besiegen. Der Slogan «You are the controller» - «Du bist die Fernsteuerung» - fasst diese Neuerung prägnant in wenige Worte.
Kinect selbst fängt die Bewegungen unseres Körpers durch drei kleine Kameras am Gerät dreidimensional ein und analysiert sie. Komplexe Bewegungsabläufe werden mit Software-Hilfe als Bewegungsmodell wortwörtlich ins Spiel gebracht und ermöglichen uns die aktive Teilnahme.
Dabei hat sich das einst einsame Zocken nicht nur zur körperlichen Tätigkeit entwickelt sondern auch zur sozialen.
Jedes Alter ist willkommen
Der Alterszugang zu Kinect ist weit offen. Das hat die Spielergemeinde deutlich vergrössert, da die Spielepalette für jeden Motoriktypen und Alterstypen etwas zu bieten hat. Höher Betagte haben dabei natürlich andere Ansprüche, haben doch Oma und Opa im Normalfall Playstation und Co. bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Die so genannte Generation Plus, wie man Menschen über 60 Jahren liebevoll in die Marketingterminologie einbindet, erwarten sich vom Ungang mit Kinect vor allem Lerneffekte, dass sie mit anderen Menschen in Verbindung treten können und dass ihnen die Kinect-Technik bei Sportübungen hilft, zu diesem Schluss kommt eine Studie der Innovationsberatung «YOUSE» aus Berlin.
Zudem zeigt die Kinect-Homepage erste Anwendungsfelder in der Medizin: Zum Beispiel bei Schlaganfall-Patienten oder bei Operationen. Die Medizin attestiert Kinect grosses Potenzial bei der Bedienung entfernt stehender Geräte oder für Situationen, in denen die Hände zu sensibel oder zu schmutzig sind. Das Potenzial dabei steige sogar noch einmal erheblich in Synthese mit einer ausgefeilten Sprachsteuerung, solange diese nicht durch Hintergrundgeräusche untergraben wird.
Die Zukunft dirigieren
Die Erfindung dürfte einen zusätzlichen Innovationsschub im Bereich Mensch-Maschine-Interaktion mit sich bringen. Eine Steuerung auf sprachlichem sowie gestikulierendem Wege dürfte zumindest zu Beginn zu lustigen Begebenheiten im Alltagsbild führen: Man stelle sich nur jemanden vor, der seinem Auto gut zuredet und es währenddessen mit Löwenbändigerbewegungen ausparkt.
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