Das Nokia Lumia 800 im Test
Ein Gehäuse wie aus einem Guss
"Was ist das denn für ein Telefon, das ist ja cool", sagte neulich eine Freundin zu mir, als ich mein Lumia 800 bei ihr auf den Tisch legte. Dass Qualität und Design des Gehäuses eine zentrale Rolle beim Verkauf von Smartphones spielen, dürfte niemand ernsthaft bestreiten, und erwartungsgemäss gibt sich Nokia in diesem Punkt keine Blösse: Aus einem einzigen (sehr metallisch wirkenden) Stück Polycarbonat gefräst (das Lumia ist baugleich mit dem auf Meego laufenden Nokia N9), mit glatter Oberfläche, leicht gewölbtem Glas und abgeflachten Enden für bessere Griffigkeit ist das Lumia nicht nur ein echter Hingucker, sondern eins der wenigen Geräte, die es in Sachen Verarbeitungsqualität und Haptik mit dem iPhone aufnehmen können – angesichts der Plastikverbrechen einiger anderer Hersteller eine willkommene Bereicherung für den Smartphone-Markt. Auch die Hardwarekomponenten stimmen: Der 1,4 GHz-Prozessor arbeitet äusserst flink, die Kamera macht Bilder und Videos in guter Qualität, und das Clear-Black-AMOLED Display überzeugt auf ganzer Linie, mit guter Helligkeit, leuchtenden Farben und sattem Schwarz. Dass der Speicher von 16 GB nicht erweiterbar ist, werden die meisten verschmerzen können.
Microsoft und Nokia könnten gleichermassen profitieren
Als Microsoft und Nokia im Sommer 2011 ihre strategische Partnerschaft bekanntgaben, atmeten viele Experten auf, da die Vorteile für beide Seiten auf der Hand lagen: Microsoft brauchte einen prominenten Handy-Hersteller, um die Reichweite des guten, aber schleppend anlaufenden Betriebssystems zu erhöhen. Zudem konnte die Navigation unter Bing Maps (in der Schweiz überhaupt nicht nutzbar) mit Google letztlich nicht mithalten. Nokia auf der anderen Seite brauchte ein wirklich intuitives Smartphone-Betriebssystem für seine von der Hardware her exzellenten Geräte. Wie das Lumia 800 beweist, könnte die Rechnung ziemlich voll aufgehen: Mit Windows Phone erhält Nokia die stylische Einbindung sozialer Netzwerke sowie die perfekte Business-Tauglichkeit: Die Outlook-Terminkoordination funktioniert mit allen Finessen, sogar "andere Zeit vorschlagen" geht problemlos, eine Seltenheit. Und auch Windows Phone wird um das Gewünschte bereichert: "Nokia Navigation", selbstbewusst mit einem Sportwagen auf der Kachel im Hauptmenü vertreten, ist nach wie vor das Nonplusultra in der Smartphone-Welt: Präzise Ortsbestimmung, schöne Oberfläche mit ausgezeichneter Bedienbarkeit, angenehme Ansagestimmen, und all dies mit Gratis-Kartenmaterial für die ganze Welt auch offline nutzbar.
Was besser sein könnte
Da es am Gesamtpaket Lumia 800 wenig zu meckern gibt, ist davon auszugehen, dass die Schwächen beim Kunden nicht allzu sehr ins Gewicht fallen werden, wie auch der weltweite Verkauf von fast einer Million Geräte (Lumia 800) in den ersten zwei Monaten andeutet. Und gerade in der Schweiz hat Nokia eine nach wie vor grosse Fangemeinde. Dennoch – nicht optimal ist zum einen die Texteingabe im Querformat, da das Windows-Phone-Layout nicht die volle Seitenbreite zur Tastenbelegung ausnutzt. Vieltipper sollten daher zu einem anderen Gerät greifen. Hinzu kommt der Browser, der zwar schnell ist und mit einer schlau platzierten Adresszeile auffällt (unten), Flash Inhalte jedoch nicht darstellen kann, eine völlig unnötige Parallele zum iPhone. Und auch bei der Kamera gibt es noch Luft nach oben: Die Qualität der Aufnahmen ist zwar gut, doch hier sind einige andere Modelle, z. B. von Sony Ericsson klar im Vorteil. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, allein das schicke Gehäuse sollte die Mängel weitgehend zunichte machen. Zudem stehen die nächsten Nokia-Geräte mit Windows Phone bereits in den Startlöchern: Das Lumia 900 soll im März 2012 auf den amerikanischen Markt kommen.
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