Federer: «Es ist schwierig zu retournieren»
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Die Sandplätze sind für Roger Federer und Stanislas Wawrinka zum Nachteil statt Vorteil geworden. Eine weitere Überraschung.
Es war ein Ende mit Schrecken. Als John Isner nach zwei Stunden und 39 Minuten seinen ersten Matchball verwertete, war es unheimlich still im Forum Fribourg. 7800 Zuschauern verschlug es die Sprache. Die meisten hatten es noch immer für unmöglich gehalten, dass Roger Federer gegen die ATP-Nummer 17 verlieren könnte. Und dies, obwohl sich die Niederlage irgendwie abgezeichnet hatte. Ersatzspieler Marco Chiudinelli, aber auch Teamcaptain Severin Lüthi hatten immer wieder gestenreich versucht, das Publikum wachzurütteln. So richtig ernst schien es die Lage nicht zu nehmen.
«Ich habe ein paar Chancen verpasst», sagte Federer nach dem Spiel an der Medienkonferenz, «das hat mich den Match gekostet». An der Taktik habe es nicht gelegen. Der Baselbieter machte keinen geknickten Eindruck. «Es geht weiter.» Schliesslich habe man beim Davis Cup immer noch eine Chance, auch wenn man sein erstes Einzel verloren habe – im Gegensatz zum Turnieralltag. Der 30-Jährige anerkannte, dass Isner gut gespielt und verdient gewonnen habe. «Er hat gut serviert, besonders dann, wenn es drauf ankam.» Federer gab zu, dass er Mühe hatte mit den Bedingungen. Das Schweizer Team scheint mit der Unterlage mehr zu kämpfen zu haben als die Amerikaner. Dies darf man durchaus als die zweite Überraschung des Tages ansehen – neben dem 0:2-Rückstand der Schweiz.
Gesucht: Spielrhythmus
Sowohl Federer als auch Wawrinka, der Mardy Fish unterlag, beklagten, dass es schwierig gewesen sei, gegen die stark servierenden Amerikaner einen Spielrhythmus zu finden. Ein Problem, dass sich auch beim Doppel zeigen wird. Federer stellt sich denn auch auf «eine komplizierte und schwierige Partie ein». «Es ist schwer zu retournieren auf diesem Belag», sagte Federer. Einen Eindruck, den John Isner widerlegte.
Der 2,06-Meter-Mann retournierte vor allem ab dem dritten Satz unglaublich stark und brachte Federer damit immer wieder in Verlegenheit. Der 111-Kilo-Schlacks aus North Carolina sprach vom grössten Sieg seiner Karriere. Der 26-Jährige ortete auch in den Bedingungen einen kleinen Grund für die 2:0-Führung des US-Teams. «Die Bälle bleiben lange kompakt und sind auch dann noch sehr schnell, wenn sie ausgetauscht werden.» Dies sei ihm sicherlich entgegengekommen.
Isner dankt Courier
Einen grossen Anteil am Sieg habe aber auch Teamcaptain Jim Courier, sagte Isner. «Er hat mich in dieser Woche immer wieder daran erinnert, dass ich mein Spiel einfach halten muss, wenn ich eine Siegeschance haben will.» Er müsse immer gleich spielen, um erfolgreich zu sein, egal, ob er gegen Federer oder die Nummer 300 spiele. Isner wollte sich nicht auf lange Ballwechsel mit Federer einlassen. «Er hätte die meisten davon für sich entschieden.» Courier sagt, er habe noch nie einen Spieler gesehen, der einen Sieg gegen Federer derart beeindruckend abschloss wie Isner.
Aus Schweizer Sicht immerhin positiv: Wawrinka und Federer sagten, die Partien hätten nicht viel Kraft gekostet. Die beiden sind auch auf Reserven angewiesen, wollen sie die nächsten drei Spiele gewinnen. Ein Kunststück, das noch keinem Schweizer Davis-Cup-Team geglückt ist. Aber wie sagte Teamcaptain Severin Lüthi für einmal passend: «Wir stecken nun sicherlich nicht den Kopf in den Sand.» Schliesslich haben sich die Schweizer den Sand ja selber ausgesucht – und gehofft, sich damit einen Vorteil verschafft zu haben. Leider nein.