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Goldiger George Clooney

George Clooney mit seiner aktuellen Partnerin Stacy Keibler auf Promo-Tour für "The Descendants".
Bild: Keystone
Die Film-Journalistin Marlène von Arx schreibt für Bluewin.ch die Hollywood-Kolumne. Die Schweizerin lebt schon seit den 90er-Jahren in Los Angeles und berichtet regelmässig aus der Traumfabrik.

Clooney lässt sich vergolden. Bei der Ankündigung der diesjährigen Golden-Globe-Nominationen in Beverly Hills hörte er gleich dreimal seinen eigenen Namen: als bester Schauspieler in “The Descendants” und als bester Regisseur und Co-Drehbuchautor für den Polit-Thriller “The Ides of March”, der nächste Woche in der Schweiz anläuft. Beide Produktionen sind auch als beste Filme nominiert.

Seine erste Email-Reaktion war kurz und bezeichnend: “Ein grossartiger Tag, vielen Dank! Da werden wir uns die trinkfesten Schuhe anziehen müssen!” Zuvor sprach er im Interview über Wahlprognosen 2012, seine Tanzkünste und sein heimliches Laster.

Bluewin.ch: Herr Clooney, Sie sagen ja immer, Sie wollen nie in die Politik, aber in ?Ides of March? können Sie als Präsidentschaftskandidat mal sagen, wie Sie es denn gern hätten. Also los: Wie würden Sie die Finanzmisere lösen?

George Clooney: Es gibt da viele gescheitere Leute als mich, die sicher bessere Ideen haben. Aber ich berufe mich hier auf meinen Vater, der während der Ölkrise von 1979 ein zehnjähriges Projekt, wie das Apollo-Projekt, vorschlug, in dem wir neue Energiequellen entwickeln, die unsere Autos betreiben. Dann müssen wir nämlich niemanden mehr bekriegen und die Wirtschaft wird so auch angekurbelt. Dann würden die Leute auch wieder unsere Produkte kaufen. Wir produzieren ja nichts mehr – und ein Land kann auf Dauer nicht nur vom Geld-Herumschieben leben.

Sind Sie als Demokrat enttäuscht von Obama?

Höchstens, wie er sich verkauft. Wir Demokraten sind Idioten, wenns darum geht uns zu verkaufen. Wäre Obama Republikaner würde man nun überall hören, dass wir nicht mehr 400’000 Jobs pro Monat verlieren, seit er im Amt ist. Dass er die Auto-Industrie gerettet und das Krankenkassengesetz durchgebracht hat. Das ist zwar nicht perfekt, aber das war die AHV ja auch nicht. Er hat Osama Bin Laden gefasst. Dann will er die Lücken im Steuergesetz schliessen. Liechtenstein hat eine Bevölkerung von 35’000 und 120’000 registrierte US-Firmen. Will ein Demokrat, dass die zu Hause Steuern zahlen, wird er sogleich zum Sozialisten abgestempelt.

Wer gewinnt also die Präsidentschaftswahlen 2012?

Das weiss ich nicht, aber die Wahlbeteiligung wird sicher einen historischen Tiefpunkt verzeichnen. Die Demokraten sind sauer, weils nicht vorwärts geht und die Republikaner können sich für keinen ihrer Kandidaten richtig begeistern.

Sie sind ja inzwischen 50: Wie halten Sie sich fit, wenn Sie wie bei “The Ides of March” als Regisseur und als Schauspieler ran müssen?

In der ersten Woche steht man noch um 4:30 Uhr auf und denkt, man gehe in den Gym, in der zweiten Woche geht mir dazu aber schon die Luft aus. Sonst mache ich jeden Tag etwas Sport, spiele Basketball, fahre Rad, ich habe auch ein Fitness-Studio zu Hause. Einen Trainer hatte ich aber nie, das ist nicht mein Ding. Und sonst halt alles in einem vernünftigen Rahmen… auch mit dem vernünftigen Rahmen sollte man nicht übertreiben...[schmunzelt]

Sie sind eigentlich ein Idealist. Sind Sie Schauspieler geworden, um die Welt zu verändern?

Ich bin Schauspieler geworden, weil ich nicht in den Tabakfeldern von Kentucky arbeiten wollte. Das habe ich nämlich im Sommer, bevor ich nach Hollywood ging, gemacht und da wurde mir das klipp und klar. Ich war immer sozial aktiv, das waren meine Eltern schon. Aber meine Filme sollen keine Sozialkunde sondern Unterhaltung sein. “The Ides of March” ist eigentlich ein Thriller…

…bei dem es letztlich wie so oft in der Politik um einen Sex-Skandal geht…

Dabei sehen die Typen ja oft gar nicht so toll aus! Aber Macht macht halt attraktiv. Wer meint, dass man mit so was heute noch ungestraft davon kommt, lebt aber in den Wolken. Dafür gibts zu viele Handys und zu viel Facebook und Twitter. John Edwards meinte, er könne mit einem unehelichen Kind noch Präsident werden? Noch geht das hier gar nicht. Politiker sollen das Volk vertreten, nicht bumsen.

Wenn wir schon beim Thema sind: In “The Descendants” finden Sie heraus, dass Ihre Frau sie betrügt. Wir würden Sie in dem Fall reagieren?

Wohl nicht so verständnisvoll. Er ist an einem Punkt in seinem Leben, wo er es allen gerne recht machen würde. Ich bin nicht an diesem Punkt.

Wurden Sie schon mal betrogen?

Sicher, vermutlich. Wer weiss… Ich will das gar nicht wissen.

Sie haben jetzt eine Freundin, die durch “Dancing With the Stars” berühmt wurde. Können Sie eigentlich tanzen?

Nicht gut, ich komme schliesslich aus Kentucky – das ist quasi Schuhplättler-Gebiet…

Wann haben Sie zum letzten Mal getanzt?

Gerade eben draussen… Den Tango mit meinem Pressesprecher Stan Rosenfield…

Weihnachten steht vor der Tür. Wie sehen bei Ihnen Familien-Feste aus?

Bei uns in der Familie gibt es eine Regel: Wenn du ein Langweiler bist oder keinen Humor hast, halt die Klappe. Wenn ich eine Story erzähle, bei der die Pointe nicht zündet, sagt mein Vater etwas Abschätziges und heisst mich, mich wieder hinzusetzen.

Familie ist Ihnen also doch wichtig. In “The Descendants” haben Sie eine und für einen norwegischen Werbespot haben Sie ja vor Kurzem sogar geheiratet…

Ich bekomme sicher ein lukratives Angebot pro Monat für einen Spot. Ab und zu mache ich einen und der schien mir lustig. Diese Spots ermöglichen mir meinen schönen Lebensstil. Die Filme tun das nicht: Für “The Ides of March” habe ich als Regisseur und Schauspieler den gesetzlichen Mindestlohn verdient, als Produzent nichts. Und wenn der Film, der 12 Millionen kostete, 100 Millionen einspielen sollte, verdiene ich auch nicht mehr, denn die Gewinnbeteiligung haben wir den Schauspielern versprochen, die auch für Mindestlöhne gearbeitet haben. Vermutlich verdient der Sandwich-Streicher des Films mehr als ich, aber das ist mir egal. Ich wollte diesen Film machen.

Sie bekommen jetzt Konkurrenz auf dem Kaffee-Markt: Hugh Jackman hat eine eigene Marke lanciert. Könnten Sie sich so was auch vorstellen?

Was? Echt? Wow, das ist viel Arbeit. Hugh und ich werden uns nun also in der Kaffee-Welt duellieren… ich sehe mich nicht mit einer Kaffee-Firma. Dann schon eher Tequila. Ich würde sogar Tequila gratis und für einen wohltätigen Zweck trinken.

Haben Sie nebst dem Alkohol noch andere Laster?

Viele. Zum Beispiel Fernsehen. Wenn man mir eine Fernbedienung in die Hand drückt, kann ich problemlos den ganzen Tag total bescheuertes Fernsehen schauen und laut dazu Kommentar abgeben.

Und wie stehts mit Motorrädern?

Wohl auch ein Laster. Meine ersten zwei Jahre in Los Angeles hatte ich nur ein Velo. Bei Castings kam ich immer verschwitzt an – ich erinnere mich, wie ich bei Sony mal im Waschbecken “geduscht” habe. Dann hatte ich zwei Jahre einen kleinen Honda-Töff, mehr konnte ich mir nicht leisten. Als ich dann berühmt wurde, war das Motorradfahren ein Segen. Man zieht einen Helm an und hat wieder eine gewisse Anonymität. Brad Pitt fährt deshalb auch gerne Töff. Man kann mal wieder allein sein und die Welt geniessen. Im August habe ich wieder eine Dreiländer-Alpenfahrt gemacht – unter anderem über den Splügen und durch Tiefencastel.

(Marlène von Arx, 15. Dezember 2011)

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