Ein Girl namens Tricia
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Das ist sie also, die Lisbeth Salander, wie sie sich Hollywood vorstellt. Oder zumindest Regisseur David Fincher. Es hatten sich ja auch berühmtere Namen wie Scarlett Johansson und Kristen Stewart beworben. Aber Fincher wollte Rooney Mara. Sie hatte für ihn schon Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zur Schnecke gemacht, als sie ihm zu Beginn von “Social Network” in sehr deutlichen Worten sagte, was für ein unausstehlicher Typ er eigentlich sei. Was für den Film-Zuckerberg recht ist, konnte für ein schwedisches Sozialarbeiterschwein (Salander wird von ihm in ‘Girl with the Dragon Tattoo’ vergewaltigt, was er bitter bereuen wird) nur billig sein.
Ohne den schwarzen Mohawk und die Piercings wirkt die 26-jährige Schauspielerin unscheinbar und sanft: “Ich bin sehr schüchtern und es dauert bei mir eine Weile, bis ich mit Fremden warm werde”, sagt sie über sich selbst und steht deshalb dem Rampenlicht, in dem sie nun steht, etwas misstrauisch gegenüber. Aber der eiserne Wille sich durchzusetzen, ist bei Rooney Mara auch ohne Salander-Aufmachung zu spüren und steckt bei ihr im Blut. Ihre Ur-Grossväter Art Rooney Sr. und Tim Mara waren die Gründer der Pittsburgh Steelers bzw. der New York Giants und damit Weichensteller einer ganzen Football-Dynastie. Ihr Grossvater Wellington Mara war einer der einflussreichsten Team-Besitzer in der Football-Geschichte und ihr Vater Timothy Mara evaluierte Spieler für die Giants. Trotzdem zog es Rooney Mara nie aufs Football-Feld: “Wir sind eine grosse irische Familie. Mein Vater ist eines von elf Kindern, wir sind über 40 Grosskinder – man drängte mich also nie, ins Family-Business einzusteigen und ich hatte nie viel am Hut mit Sport”, erklärt Rooney Mara, die eigentlich Patricia (Tricia) Mara heisst und irgendwann mal den Familiennamen Rooney zum Vornamen erhob.
In gewisser Weise folgte sie dann doch in die Fusstapfen eines Familienmitglieds, denn ihre ältere Schwester Kate Mara (“24”, “Iron Man 2” und die neue Hit-Serie “American Horror Story”) hatte den Weg nach Hollywood bereits gepfadet: “Sie schauspielerte seit sie 12 war. Ohne sie hätte ich vermutlich gedacht, dass die Schauspielerei ein unrealistischer Berufswunsch sei und hätte es gar nicht versucht.”
Ursprünglich hätte sie ja auch die nächste Mutter Teresa werden können: Während ihres Psychologie- und Internationale-Sozialpolitik-Studiums verbrachte sie viel Zeit in Südamerika und Afrika. Kaum 20, gründete sie die wohltätige Organisation Faces of Kibera in Kenya, die Lebensmittel und medizinische Versorgung an Waisen verteilte. “Inzwischen haben wir uns mit einer anderen Organisation zusammengeschlossen und offerieren verschiedene Schul-Programme.”
Aus der Aktivistin ist jetzt mit “The Girl with the Dragon Tattoo” ein vorsichtiger Hollywood-Star geworden: “Ich bin dankbar für die Erfahrung, aber ich fühle mich eigentlich nicht anders als vorher. Ausser, dass ich ein bisschen taffer geworden bin und mich immer noch meistens in Schwarz und düsteren Farben kleide. Vor Lisbeth Salander war ich sicherlich mädchenhafter, trug Vintage-Röcke und Pastell-Farben. Ich habe immer noch nicht zu meinem alten Stil zurückgefunden und dass ich heute einen Rock trage, ist eine ganz, ganz grosse Ausnahme.”
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