Schweizer versüsst die Golden Globes!
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Judihui, die Golden Globe Awards! Das ist für mich und meine Kollegen in der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) so was wie Weihnachten - unsere verschenkten Stimmen, unsere Glitzer-Show, Abschluss des Filmjahres. Die Oscars sind dann so was wie Silvester (wie im wirklichen Kalender ein überbewerteter Partyabend mit vorprogrammierter Katerstimmung. Aber wenigstens fängt nachher endlich das neue Filmjahr an).
Der internationale Ballroom des Beverly Hilton Hotels verwandelt sich langsam in eine Showbühne und die Zufahrt zur Lobby wird mit dem selbst für LA-Verhältnisse wuchtigen roten Teppich und mit den Tribünen für die zum Teil von sehr weit angereisten Fans überdeckt.
In der Küche wird ebenfalls fleissig vorbereitet. Das Menü-Thema ist “Globale Harmonie” und so gibts am Sonntag unter anderem zur Vorspeise Pesto-Ravioli mit Pistazienkruste und Arugula, im Hauptgang Miso & Sake marinierter Wolfsbarsch und bresierte Rinds-Brustschnitte mit Steinpilz- und Pinienkernen-Ragout und zum Dessert… etwas Feines von einem Schweizer Confiseur!
Chef Thomas Henzi arbeitet seit 14 Monaten im Hilton Hotel und wird am Sonntag mit seiner Crew eine Schokoladen Delice-Mandelknusper-Terrine mit Akazien-Honig, Caramel und frischen Beeren mit einem Blaubeer-Guss und essbarem Goldstaub servieren: “Es muss etwas sein, das gut hält, denn bei 1300 Gästen fangen wir mit dem Setzen schon einen Tag vorher an.”
Thomas Henzi, 53, erzählt das alles in akzentfreiem Berner-Dialekt. Obwohl in Vancouver geboren und in Los Angeles aufgewachsen, sprachen die Henzis zu Hause nur Schweizerdeutsch. “Meine Eltern stammen aus Meinisberg und wanderten nach Kanada aus”, berichtet er von seinen Wurzeln. “Aber als Feinmechaniker fand mein Vater keinen Job. Schliesslich arbeitete er in einem Fünfsternhotel und wurde Sous-Chef.” Eigentlich wollte die Familie wieder zurück in die Schweiz – nur noch zuvor den Schatz im kalifornischen Silbersee sehen (der Papa war ein Karl May-Fan)! Und wie so viele vor ihnen, blieben die Henzis dann in Kalifornien hängen.
Thomas Henzi machte die Lehre aber in der Konditorei Pfister in Bümpliz: “Es war streng, aber Urs Pfister war ein toller Lehrmeister. Er nahm sich Zeit für einen. In der Schweiz habe ich die Basis gelernt, auf die ich mich auch heute noch zurückberufe.” In den 80er-Jahren arbeitete er auch eine Saison in der Confiserie Graf in Wengen und im Tea Room Abegglen in Bern und zwischen 1996 und 1998 machte er das Meisterdiplom im Tea Room Schuh in Interlaken. Inzwischen wurde Henzi in Los Angeles und Chicago schon mehrmals für seine leckeren Kreationen ausgezeichnet. Gäbe es für Kalorienbomben einen Golden Globe, hätte er ihn vermutlich auch schon gewonnen.
Ja, eben: Wie viele Kalorien hat jetzt dieser süsse Spass, der am Sonntag serviert wird? “Ach, Kalorien zählen wir hier nicht”, lacht Chef Henzi. “Schon gar nicht an so einem Tag. Und die Damen sind ja dann auch schon in ihren Kleidern.” Wenns Kleid platzt, war es wohl auch ohne dieses Dessert schon zu eng.
Da kommt mir in den Sinn: Ob ich wohl noch in eine meiner langen Roben passe oder muss noch eine neue her? Fortsetzung folgt…
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