Hollywood-Kolumne: Wer ist das denn?
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Es hat ab und zu schon seine Vorteile, in Los Angeles zu leben. Zum Beispiel die winterlichen Temperaturen von +22 Grad, wenn einem in der Schweiz die Nasenhaare steif gefrieren würden. Oder zum Beispiel Konzerte im intimen Rahmen mit Musikern, die in der Schweiz die Hitparade stürmten, aber hier noch kein Mensch kennt. So geschehen zum Beispiel am Mittwoch mit Milow. In der Schweiz ist der Belgier Dank seinen Ohrwürmern “You Don’t Know”, “Ayo” und “Little in the Middle” längst bekannt. Hier dreht sich keiner nach ihm um. An seinem Showcase-Konzert im Hotel Café in Hollywood waren knapp 100 Leute.
Auf der Bühne erzählt er davon, wie er 2009 öfters in den gleichen europäischen TV-Shows wie Lady Gaga auftrat und daher von einem parallelen Karriereverlauf ausging. Haha! Ein geborener Entertainer auch ohne musikalische Begleitung! Aber ist es im Zeitalter von Youtube etc. wirklich möglich, dass man hier immer noch nichts über ihn weiss - wie er eben in seinem ersten Hit singt? “Ich mache, was die Plattenverträge betrifft, eben vieles selber und in den letzten drei Jahren bin ich getourt und nicht dazu gekommen, Amerika in Angriff zu nehmen”, erklärt Milow nach dem Konzert gleich selber. “Aber hey, ich spiele jeden Mittwoch im Februar hier, bring das nächste Mal noch mehr Freunde mit.”
Der Mangel an internationalem Showbiz-Bewusstsein der Angelenos ist manchmal schon erstaunlich: Ich kann mich da an Robbie Williams im Runyon Canyon erinnern, ein notorischer Anmach-Hügel, auf dem man mit dem Hund herumkraxelt und/oder Models aufreisst. The Eagle had landed, aber niemand nahm Kenntnis. Britischer Superstar hin oder her. Er starrte mich beim Vorbeigehen verzweifelt an, als wollte er sagen: Was, du erkennst mich auch nicht!? Bitte erkenn mich doch!
Ja und dann ist da natürlich noch David Beckham im Abseits - “sein” Stadion fasst gerade mal 27’000 Zuschauer (das Wembley in London 90’000) und ist selten voll. Man braucht kaum einen Feldstecher, um die H&M-Unterwäsche zu erahnen!
Los Angeles ist eben wahnsinnig selbstverliebt. Wenn man im Zentrum der Stadt nichts geboten hat (Beckhams Galaxy spielt zu weit draussen), muss man nicht gekannt werden. Das geht sogar den eingeborenen Stars so. Der Südkalifornier Shaun White, seines Zeichens Snowboard-Ausnahmekönner, Goldmedaillen-Abonnent und Zauberer eines perfekten Laufs an den diesjährigen Winter X Games, bewegt sich an Hollywood-Premieren so ungestört unbekannt wie ein verschwommener Statist aus der hintersten Reihe im Hogwarts-Speisesaal.
Aber eigentlich hat es auch etwas Gutes, dass hier nicht jede fliegende Tomate so bekannt wie ein roter Hund ist. Milow hat das erkannt: “Das hält mein Ego in Schranken und lässt mich bescheiden bleiben!”
Wer sein Ego wieder etwas Aufbauen möchte und zufällig im Februar in LA ist, kann Milow Mittwochs im “Hotel Cafe” in Hollywood hautnah sehen und hören. Zum Sonderpreis von 8 Songs für 5 Dollar. Reservierung auf Webseite genügt.
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