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Die Ewings sind zurück!

Chaos bei den Ewings...
Bild: MvA
...dann sind sie bereit für das Interview mit unserer Hollywood-Kolumnistin Marlène von Arx (vorne Mitte), die ein riesiger "Dallas"-Fan ist.
Die Ranch.
Bild: MvA
Unsere Kolumnistin Marlène von Arx hat es sich im Büro von Bobby gemütlich gemacht.
Bild: MvA

Zu Besuch auf der Southfork Ranch: Larry Hagman & Co., sowie ein paar “Desperate Housewives”-Ehemalige, intrigieren gegeneinander in einer Neuauflage von “Dallas”.

Als ich durchs Tor zur Southfork Ranch fahre, macht sich im Kopf die Titelmelodie der TV-Serie “Dallas” so breit, als gäbs keine andere Musik mehr. Das weissgetünchte Haus, J.R. mit dem Stumpen, der bemitleidenswerte Bobby, die stets am Alk-Glas hängende Sue Ellen. Dienstags, 21.45 Uhr. Die Erinnerungen sind alle wieder da. Ich ging noch zur Schule und sagte meinen Eltern mal vor dem Ausgang, ich sei bis “Dallas” anfange wieder daheim. Als ich auf meinem Velo erst um 21:55  Uhr auf dem Kiesweg anratterte, stand mein Vater schon vor der Tür und suchte mit einem höchst besorgten Weitblick die leere Strasse ab. Es musste mir wohl etwas passiert sein, denn man verpasste doch keine Minute von “Dallas”!

Das waren noch Zeiten, als eine TV-Serie wirklich ein Strassenfeger war! Solche Ansprüche hat heute niemand mehr. Auch nicht Larry Hagman, Patrick Duffy und Linda Gray, die zwanzig Jahre nach der letzten von 356 Episoden für ein “Dallas” Reboot wieder auf die Southfork Ranch zurückkehren. “Das ist mein Zuhause. Ich bin 40 Meilen westlich von Dallas geboren”, krächzt der mittlerweile 80-jährige Hagman alias J.R. Ewing vor einer Southfork-Background-Attrappe auf dem Set . “Und richtig ‘Zuhause’ wird es, wenn ich mit Patrick und Linda und diesen tollen jungen Leuten hier vor der Kamera stehe. Und wenn Sie dachten, J.R. war ein Fiesling, dann warten Sie mal auf die jüngere Generation!”

Natürlich soll es in der neuen Serie, die ab Sommer in den USA ausgestrahlt wird, hauptsächlich um die Ewing-”Kinder” gehen: In der Pilot-Folge bereitet sich Bobbys Adoptiv-Sohn Christopher, gespielt vom “Desperate Housewives”-Gärtner Jesse Metcalfe, auf seine Hochzeit mit Rebecca (Julie Gonzalo) vor. Krach mit seinem Cousin John Ross Jr. (Josh Henderson - sowie Bobby-Gattin Brenda Strong ebenfalls aus “Desperate Housewives” bekannt), der mit Christophers Jugendliebe (Jordana Brewster) liiert ist, ist vorprogrammiert - nicht nur wegen der Frauen. Sie sind sich auch in der Gretchenfrage “Öl oder Alternativ-Energie?” nicht einig. “Es ist eine ständige Gratwanderung zwischen Liebe und Hass und die tief verankerten Familien-Bande sind natürlich für einen Schauspieler eine dankbare Aufgabe”, erklärt Jesse Metcalfe.

Southfork ist heute eine Touristen-Attraktion, die angeblich noch immer jährlich von rund 300’000 Fans besucht wird. Gedreht wird aber in den 40 Autominuten entfernten Southside Studios in Dallas. Was auffällt: Es steht eindeutig weniger Alkohol herum als in den achtziger Jahren. Sue Ellen würde wohl auch nicht mehr so toll aussehen, hätte sie die letzten zwanzig Jahre so weiter getrunken: “Sue Ellen hat sich in der Zwischenzeit sehr mit sich selber auseinandergesetzt”, bestätigt Linda Gray, 71. “Sie engagiert sich in wohltätigen Organisationen, lässt nicht mehr alles mit sich machen, aber bereut auch einiges, was ihre Rolle als Mutter betrifft.”

Auf dem Set liegt der schwerkranke Bobby (Patrick Duffy) inzwischen bewusstlos in einem Spitalbett. J.R. beichtet: “Ich sags nur einmal: Ich liebe Dich Bobby, denn ohne dich, weiss ich nicht, wer ich bin... wach auf!” Einen Moment herrscht schwermütige Stille. “Cut!” Duffy kitzelt seinen grossen Serien-Bruder am Kinn. Allgemeines Gelächter. “Wir sind seit der ersten Folge vor vielen Jahren beste Freunde”,  grinst Duffy, 62, der sonst mit seiner Frau auf einer Farm in Oregon lebt und drei Grosskinder hat. “Wie sollte ich ihn da glaubhaft am Kragen packen und mit ihm kämpfen? Da sabberte er einfach aus dem Mund. Seither war es nie mehr ein Problem für mich, ihn in einer Szene zu hassen.”

Duffy stützt Hagman fürsorglich beim Gehen und wiederholt Fragen, wenn dieser sie nicht versteht. Denn dass J.R. wieder auferstanden ist, ist nicht selbstverständlich. Im Oktober 2011 erhielt Hagman eine Krebsdiagnose: “Ich habe Chemo und Bestrahlung hinter mir und was immer ich hatte, ist erledigt”, so der nicht unterzukriegende Texaner, der in den neunziger Jahren schon eine Leber-Transplantation hatte. Und heute ist er der beste Beweis dafür, dass es scheinbar nichts Aufbauenderes gibt, als alten Wein in neue Schläuche abzufüllen - Texas-Style!

(Marlène von Arx, 9. Februar 2012)

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