Espresso und Co. Mit Kaffee abnehmen – funktioniert das wirklich?

Von Sulamith Ehrensperger

7.8.2019

Seinen schlechten Ruf ist er los: Vielmehr gilt Kaffee heute als Muntermacher und Multitalent für die Gesundheit. Das könnte sich aber auch wieder ändern.
Seinen schlechten Ruf ist er los: Vielmehr gilt Kaffee heute als Muntermacher und Multitalent für die Gesundheit. Das könnte sich aber auch wieder ändern.
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Die tägliche Dosis Kaffee soll beim Abnehmen helfen, so eine neue Studie. Doch es gibt einen Haken.

Espresso und Co. zählen nicht nur zu den beliebtesten Heissgetränken der Schweizer, er gilt mittlerweile auch als Gesundmacher und Jungbrunnen. Er soll auch gesund für Herz und Kreislauf sein und bei Diabetes und sogar beim Abnehmen helfen, wie mehrere Studien in jüngster Zeit zeigen.

Nun kommen Wissenschaftler der University of Nottingham zum Schluss, dass regelmässiger Kaffeekonsum und Fettverbrennung zusammenhängen.

Die Forscher setzten menschliche Fettzellen verschiedenen Mengen Koffein aus. Mithilfe wärmebildgebender Verfahren dokumentierten sie, ob das braune Fett in bestimmten Körperregionen heisser wurde, was für eine erhöhte Aktivität dieses Gewebetyps spricht.

Der Kaffeekonsum steigt seit Jahren und ständig werden neue Trends ausgerufen. In den Getränkekarten der Cafés finden sich unzählige Variationen. 
Der Kaffeekonsum steigt seit Jahren und ständig werden neue Trends ausgerufen. In den Getränkekarten der Cafés finden sich unzählige Variationen. 
Bild: iStock

Der Haken mit dem braunen Fettgewebe

«Das braune Fettgewebe ist sozusagen das gute Fettdepot des Körpers, von dem wir langfristig gesundheitlich profitieren», erklärt die Ernährungsberaterin Diana Studerus. Es unterstütze den Körper bei der Blutzuckerregulierung, beim Aufbau der Muskelmasse, und es helfe, das weisse Fettgewebe effizienter zu verbrennen.

Doch hat das einen Haken: Braunes Fettgewebe haben wir sehr wenig. Dieses entfaltet seine Wirkung auch nur, wenn es durch Sport aktiviert wird oder durch Koffein, wie diese Studie zeigen konnte.

Die Ergebnisse seien allerdings mit Vorsicht zu geniessen, sagt Studerus: «Es handelt sich bei der Studie um eine Forschung an Fettzellen von Mäusen – und das ist nicht gleichzusetzen mit einer am Menschen.»

Fünf Espressi zum Wachwerden

Die Wissenschaftler haben deshalb den Effekt auch an neun Personen über eine Woche getestet und konnten zeigen, dass das braune Fettgewebe wirklich aktiver war. «Über einen Gewichtverlust in der Zeit macht die Studie aber keine Aussage», gibt die Expertin zu bedenken.

Da Koffein eine gut dokumentierte Substanz sei, kennen wir für sie laut Studerus die Höchstdosis: «Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren mit Normalgewicht können ohne Bedenken bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag zu sich nehmen – das sind rund 5,7 Milligramm pro Kilo Körpergewicht», rechnet die Ernährungsexpertin vor. 

«Ich glaube, gut essen ist eigentlich einfach, aber manchmal erscheint es unglaublich kompliziert», sagt Ernährungsberaterin Diana Studerus. Mit ihrer Firma «Food on Record» berät sie Menschen zum Thema Ernährung.
«Ich glaube, gut essen ist eigentlich einfach, aber manchmal erscheint es unglaublich kompliziert», sagt Ernährungsberaterin Diana Studerus. Mit ihrer Firma «Food on Record» berät sie Menschen zum Thema Ernährung.
Bild: Diana Studerus

Auf Getränke heruntergebrochen bedeutet das zehn Tassen Kaffee oder fünf Energydrinks. Wichtig sei aber, dass nur 200 Milligramm Koffein in einer Dosis – sprich auf einmal zu sich genommen –, laut Studerus verträglich sind. «Also fünf Espressi am Morgen, um ‹wach› zu werden, ist die oberste Limite.»

Dennoch sei die «Dauerinfusion» mit Kaffee nicht empfehlenswert – auch nicht, wenn er schwarz und ohne Zucker getrunken wird. «Denn wir wissen, dass Koffein eine Substanz ist, die vielfältig oft positiv wirkt, doch sollten wir nicht vergessen, dass es auch viele Prozesse im Hirnstoffwechsel mitbeinflusst – und diese komplexen Zusammenhänge sind längst noch nicht alle verstanden.» 

Nachdem Kaffee jahrelang verteufelt wurde, wird er also gerade rehabilitiert. Doch wer weiss, welche Erkenntnisse künftige Forschung noch bringt.

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