Gehirne verändert – was geschah wirklich in US-Botschaft in Kuba?

phi

26.7.2019

Grillen-Geräusche sollen der Grund gewesen sein, dass US-Diplomaten auf Kuba krank wurden. Nun zeigen Scans, dass sich die Gehirne betroffener Mitarbeiter verändert haben.

US-Diplomaten auf Kuba klagten über Beschwerden, nachdem sie komische Geräusche gehört hatten. Grillen sollen diese verursacht haben – doch nun zeigen Scans, dass sich die Gehirne der Botschaftsangehörigen verändert haben.

Alles beginnt Ende 2016. Angehörige der US-Botschaft in Kuba hören hohe Geräusche, die sie noch nie zuvor vernommen haben. Bald darauf stellen sich gesundheitliche Beschwerden ein: Sie reichen von Übelkeit über Kopfweh bis hin zu Gedächtnisproblemen. Niemand weiss, was die Ursache sein könnte: Es ist der Stoff, aus dem Agententhriller gestrickt sind.

Zumal bis zum Juni 2018 nicht nur 26 Amerikaner von diesem Problem betroffen sind: Im August 2017 und April 2018 wird bekannt, dass auch Kanadier und Chinesen über ähnliche Beschwerden klagen. Das Havanna-Syndrom hat bald seinen eigenen Namen, aber die Ursache bleibt im Dunkeln. Im Januar wird schliesslich gemeldet, dass das hohe Geräusch ganz banal durch eine bestimmte Grillen-Sorte verursacht worden ist.

Angehörige von US-Diplomaten vor der Botschaft in Havanna.
Archivbild: Keystone

Eine erstaunlich natürliche Erklärung für ein zuvor so ominöses Symptom – und nun gibt es auch noch neue Erkenntnisse, die diese Erklärung wieder in Zweifel ziehen – und die schräge Geschichte noch mysteriöser werden lassen: Ein Team der University of Pennsylvania hat bei den Mitarbeitern, die sich krankgemeldet haben, Gehirnscans durchgeführt.

«Ziemlich atemberaubender» Unterschied

Das Ergebnis: Bestimmte Areale ihres Denkorgans unterscheiden sich klar von denen einer Kontrollgruppe. Und dabei scheint es sich nicht bloss um kleine Änderungen zu handeln – der Unterschied «ist ziemlich atemberaubend», versichert der Radiologe Dr. Ragini Verma der Nachrichtenagentur «Reuters».

Kondome auf Kuba:

«Die meisten dieser Patienten weisen eine bestimmte Art von Symptomen auf, und es gibt eine klinische Auffälligkeit, die sich in einer abbildbaren Anomalie widerspiegelt.» Und wem das Ganze noch nicht merkwürdig genug ist: Zuvor waren bereits 21 der 26 betroffenen Amerikaner im MRT gewesen – der damalige Scan hatte keinerlei Auffälligkeiten gezeigt.

Was das Team um den Arzt Verma nun herausgefunden hat, ist im honoren Journal of the American Medical Association publiziert worden. Kubas Regierung hat die neue Meldung dennoch als Versuch interpretiert, das Land in Misskredit zu bringen, die US-Behörden wiederum begrüssen ausdrücklich, dass das Thema nun in medizinischen Fachkreisen diskutiert werde.

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