Umweltschädliche Ozeanriesen Machen Erdgas- und Hybridantrieb  Kreuzfahrten weniger dreckig?

tsha

21.6.2019

Die «Roald Amundsen», hier in einer Simulation, ist das erste Kreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb.
Die «Roald Amundsen», hier in einer Simulation, ist das erste Kreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb.
Bild: Hurtigruten

Viele Autos fahren schon längst mit einem Hybrid- oder Erdgasantrieb. Nun soll die Technologie auch der Kreuzfahrtindustrie einen grüneren Anstrich geben. Denn die leidet unter ihrem Ruf als Klimasünderin.

Wer schon einmal neben einem Kreuzfahrtschiff gestanden ist und in die Abgaswolken geblickt hat, die aus den gigantischen Schornsteinen der Ozeanriesen in Richtung Himmel aufsteigen, ahnt es: Umweltfreundlich sind die Schiffe nicht. Bestätigt hat das nun kürzlich auch eine neue Studie. Laut «Transport and Environment» pusteten allein die 47 Luxusschiffe der Carnival Corporation, zu der auch Costa/AIDA gehört, 2017 zehnmal mehr Schadstoffe in den Himmel über Europa als die über 260 Millionen Autos aller Europäer zusammen.

In Zeiten, in denen weltweit Schülerinnen und Schüler unter dem Motto «Fridays for Future» für mehr Klimaschutz demonstrieren, sind solche Zahlen ein PR-Desaster für die Reedereien. Doch die Betreiber der Kreuzfahrtriesen haben ein vermeintliches Ass im Ärmel: moderne Schiffe mit Hybrid- oder Erdgasantrieb. Einer der Pioniere auf dem Gebiet der Hybridschiffe ist die norwegische Reederei Hurtigruten.

Grüne Kreuzfahrten?

«Wir sind die grünste Kreuzfahrtreederei der Welt», erklärte Hurtigruten-Sprecher Rune Thomas Ege kürzlich im «Spiegel». Das Unternehmen, das seit 1893 auf den Weltmeeren unterwegs ist, verzichtet seit zehn Jahren auf dreckiges Schweröl und will nun mit seinen Hybridschiffen noch umweltfreundlicher werden. Bekannt ist die Technik seit Jahren aus dem Strassenverkehr, am 27. Juni nimmt mit der «Roald Amundsen» das erste Kreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb den Dienst auf.

Die Hybridtechnik basiert auf einem ausgeklügelten Zusammenspiel von Elektro- und Verbrennungsmotor. Im Strassenverkehr wird dabei die Energie, die beim Bremsvorgang entsteht, eingefangen und in eine Batterie gespeist. Diese treibt dann auf kurzen Strecken und bei langsamer Geschwindigkeit den Elektromotor an. Auf See ist das allerdings kaum möglich.

Auf den Hurtigruten-Schiffen soll die Technik deswegen modifiziert zum Einsatz kommen: Benötigt das Schiff plötzlich mehr Energie, etwa zum Manövrieren, soll diese aus riesigen Akkus kommen. Das soll nicht nur Treibstoff sparen, sondern auch den Verschleiss der Verbrennungsmotoren reduzieren. «Das Schiff kann zudem für einen begrenzten Zeitraum auch komplett im Batteriebetrieb fahren – also gänzlich ohne Kraftstoff und Emissionen», heisst es von der Reederei. Möglich sind aber wohl nur wenige Seemeilen, die das Schiff emissionslos übers Meer gleitet. Dann springt der konventionelle Antrieb wieder an – und verbrennt weiterhin Öl.

Zukunft Erdgas?

Mit Erdgas betriebene Schiffe haben dieses Problem nicht. Sie sind zwar auch mit einem fossilen Brennstoff unterwegs, doch ist Erdgas deutlich umweltfreundlicher als Öl. Die Technik ist ebenfalls nicht neu, kommt aber auf See vor allem in Frachtschiffen vor. Ende vergangenen Jahres ist erstmals ein Kreuzfahrtschiff hinzugekommen: die «AIDAnova». Das Spassboot wird mit Flüssiggas betrieben. «Die Emission von Stickoxiden verringert sich dadurch um bis zu 80 Prozent, die CO2-Emissionen um weitere 20 Prozent», so die Reederei.

Die «AIDAnova» fährt mit Flüssiggas.
Die «AIDAnova» fährt mit Flüssiggas.
Bild: Keystone

Das grüne Bewusstsein hat allerdings seinen Preis: 25 Millionen Euro mehr kostet ein Schiff mit Erdgasantrieb, so Carnival-Manager Jens Kohlmann. «Die entscheidenden Mehrkosten verursacht der Tank», erklärt er im «Spiegel». Denn das Methan muss in riesigen Tanks gelagert und gekühlt werden, die deutlich mehr Platz benötigen als Ölbunker. Auch Carnival will in Zukunft die Hybridtechnik erforschen. Denn ein Erdgasantrieb hat einen entscheidenden Nachteil: Es gibt noch zu wenige Flüssiggastankstellen, um die Schiffe mit Treibstoff zu versorgen.

Bei der Konkurrenz von Hurtigruten erforscht man derweil den Einsatz von Biomasse und organischen Abfällen als Treibstoffquellen. Und die Meyer-Werft im deutschen Papenburg experimentiert seit einiger Zeit mit einer weiteren Alternative: Brennstoffzellen. Während in Deutschland schon erste Züge mit der Technologie unterwegs sind, dürften aber noch viele Jahre vergehen, bis Kreuzfahrtschiffe mit Wasserstoff angetrieben werden. So bleibt eine Kreuzfahrt in naher Zukunft vor allem eines: die wohl umweltschädlichste Art und Weise, Urlaub zu machen.

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