LKW-SchnellladerGross, grün und geräuschlos: In Konolfingen lädt der E-LKW mit Solarstrom
Nueket Prosupo
30.1.2026
6:07
Schneller laden, mehr transportieren.
Elektro-LKWs sind in kurzer Zeit aus der Nische zu einer marktwirtschaftlichen, CO₂-armen Alternative für Transportunternehmen geworden. Doch wie lädt man die neue E-Flotte nachhaltig, schnell und netzschonend? Die Agrola zeigt mit ihrem Ladelösungs-System, wie sie sich die elektrische, skalierbare Zukunft des Güterverkehrs vorstellt.
In Konolfingen nimmt eine neue öffentliche Schnellladestation für E-LKW den Betrieb auf. Agrola und Landi Aare verbinden hohe Ladeleistung mit Microgrid, Solarstrom und Speicher – und stärken so die Ladeinfrastruktur im ländlichen Raum.
Gross, grün und… geräuschlos: Wenn der E-LKW auf das Areal in Konolfingen rollt, fehlt vor allem eines – der Motorenlärm. Elektrische Lastwagen haben sich in kurzer Zeit von absoluten Exoten zu einer nachhaltigen und marktwirtschaftlichen Alternative für Schweizer Transportunternehmen entwickelt. Doch mit jedem zusätzlichen E-Fahrzeug steigt auch der Druck auf die Ladeinfrastruktur.
In Konolfingen gibt es jetzt eine Schnellladestation für elektrische Lastwagen, diese kann mit bis zu 600 kW laden.
GO!
Genau hier setzt Agrola an: In Konolfingen im Kanton Bern ist eine neue, öffentlich zugängliche LKW-Schnellladestation in Betrieb gegangen. Für das Unternehmen ist es ein nächster Schritt in einer Strategie, die bereits bei Personenwagen früh begonnen hat.
Erste öffentliche E-LKW-Schnellladestation am Standort
Daniel Bischof, CEO von Agrola, spricht von einem Meilenstein: «Komplett für uns neu ist, dass wir hier am Standort die erste E-LKW-Schnellladestation haben – bis 600 Kilowatt, auch mit einem innovativen Kühlsystem.»
Die Agrola ist mit ihren Ladestationen vor allem im ländlichen Raum präsent.
GO!
Agrola kennt die Technologie grundsätzlich seit Jahren – allerdings aus dem Personenwagen-Bereich. Seit 2016 treibt das Unternehmen den Ausbau von Schnellladestationen voran.
«Wir haben 2016 mit dem Auf- und Ausbau von Schnellladestationen an diesen Standorten angefangen. Wir haben natürlich schon relativ früh die Zeichen der Zeit erkannt, dass es einen Wechsel geben wird in der ganzen Mobilität», sagt Bischof. Für Agrola sei es deshalb «logisch und konsequent», auch für Lastwagen Schnellladestationen zu bauen.
E-LKW brauchen Platz – und einen Standort ohne Umweg
Trotz Erfahrung aus der Auto-Ladeinfrastruktur bleibt der Schritt zum LKW anspruchsvoll. Joël Delfosse, Projektleiter Elektromobilität bei Agrola, bringt die wichtigste Voraussetzung auf den Punkt: «Das erste und wichtigste ist der Standort. Ein Lastwagen kann nicht einfach sagen, ich mache 10 Minuten Umweg, um an die Ladestation zu kommen.»
Ein Lastwagen braucht vor allem mehr Platz an einer Ladestation als ein PW.
GO!
Dazu kommt: Die Anlage ist deutlich grösser als ein klassischer PW-Lader. «Die Ladestation selber hat ein grösseres Ausmass als einfach eine PW-Ladestation. Und ein Lastwagen braucht viel Platz zum Rangieren», so Delfosse.
Microgrid, PV und Speicher: Strom vom Dach in den Truck
Platz braucht in Konolfingen nicht nur der Lastwagen, sondern auch die Energie-Infrastruktur. Auf dem Areal wird Strom über Photovoltaik produziert, gespeichert und dann mit hoher Leistung abgegeben. In der Agrola-Strategie soll die benötigte Energie zum grössten Teil aus nachhaltiger Produktion stammen.
Beni Knecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung Landi Aare, erklärt das Zusammenspiel: «Wir haben hier ein Arealnetz zusammen mit der Gemeinde.Wir produzieren auf den Dächern des Feuerwehr-Magazins und unserer Tankstelle Strom, den wir speichern.»
Den Strom für die Ladestation bezieht die Agrola grösstenteils von der PV-Anlage auf dem Dach.
GO!
Wenn ein Fahrzeug zum Laden eintrifft, übernimmt der Speicher die entscheidende Rolle. Delfosse: «Wenn ein Fahrzeug kommt, kann diese Batterie hohe Leistung abgeben.» Knecht ergänzt: «Und durch die Speichermöglichkeit, die wir haben, können wir einen Eigenverbrauch der produzierten Solarenergie von gegen 90 Prozent garantieren.»
Das System nennt sich Microgrid – und versorgt nicht nur die Lastwagen, sondern das ganze Areal. «Mit dem Microgrid sorgen wir für die ideale Versorgung von allen Verbrauchern: Waschanlage, Tankstellenshop, Feuerwehrmagazin», sagt Knecht.
Warum öffentliche LKW-Lader trotzdem nötig sind
Viele Transportunternehmen haben in den letzten Jahren stark in Elektromobilität investiert – und eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut. Trotzdem sehen Agrola und Landi Aare eine Lücke, gerade abseits der grossen Achsen.
«Für uns ist wichtig, dass man im ländlichen Raum auch Schnellladestationen hat für Lastwagen – das gibt es sonst nicht», sagt Bischof. Knecht ergänzt: «Die Hauptverkehrsachsen sind gut erschlossen. Die Herausforderung wird immer sein, dass wir genügend Infrastruktur auch im ländlichen Raum haben. Und auch Möglichkeiten von Zwischenladungen – nicht nur für die grossen 40-Tönnern, sondern auch die ganzen Lieferwagen wie der Post, oder anderen Kurierdiensten.»
Ausbau vorgesehen – und flexibel geplant
Wie schnell der elektrische Güterverkehr weiter wächst, kann niemand exakt vorhersagen. Klar ist aber: Es wird eine Übergangsphase geben, in der verschiedene Antriebe parallel existieren. «Schlussendlich entscheidet der Kunde, mit was für einem Lastwagen er kommt – ob Diesel oder eben Strom», sagt Bischof. Entsprechend sind die Microgrids so ausgelegt, dass sie rasch und effizient erweitert werden können.
Wie rasant sich der elektrische Güterverkehr entwickelt, ist schwierig zu sagen. Momentan befinden wir uns in einer Übergangsphase.
GO!
Konolfingen ist damit mehr als ein einzelner Ladepunkt: Es ist der Startschuss für weitere LKW-Ladeplätze mit Microgrids – dort, wo der Ausbau besonders anspruchsvoll ist: in ländlichen Gegenden.
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