Beim Anlegen versagt Deshalb vertraust du dein Geld besser nicht ChatGPT & Co. an

Martin Abgottspon

9.5.2025

Wer sich dank KI das schnelle Geld erhofft wird in den meisten Fällen eher enttäsucht.
Wer sich dank KI das schnelle Geld erhofft wird in den meisten Fällen eher enttäsucht.
Gemini @ blue News

Wer seine Finanzen blind KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini anvertraut, spielt mit dem Feuer. Eine aktuelle Studie offenbart eklatante Schwächen der digitalen Helfer bei Geldfragen

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine aktuelle Studie zeigt, dass KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Grok erhebliche Mängel bei der Finanzberatung aufweisen und oft falsche oder fehlerhafte Antworten liefern.
  • Die Chatbots scheiterten selbst an einfachen Rechenaufgaben und lieferten inkorrekte Finanzanalysen.
  • Die Forscher warnen davor, sich blind auf die Ratschläge der KI zu verlassen, da ihre Sprachgewandtheit oft über ihre tatsächliche Kompetenz hinwegtäuscht.

Die Verheissung klingt verführerisch. Ein paar Klicks, eine präzise Frage, und schon liefert der allwissende Chatbot die perfekte Anlagestrategie für den schnellen Reichtum. Kann uns KI dabei helfen, reich zu werden? Diese Frage schwebt über vielen Diskussionen.

Doch die Realität, so zeigt eine Untersuchung von Forschern des Walter Bradley Center for Natural and Artificial Intelligence, ist ernüchternd. Die Experten warnen eindringlich davor, finanzielle Entscheidungen in die digitalen Hände künstlicher Intelligenz zu legen.

Praktisch alle KI's scheitern phänomenal

Um die Finanzkompetenz der Chatbots auf den Prüfstand zu stellen, nahmen die Wissenschaftler einige der populärsten KI-Tools ins Visier: ChatGPT, Deepseek V2, Grok 3 Beta und Gemini 2. Ihnen wurden insgesamt zwölf Fragen aus der Finanzwelt vorgelegt. Aufgaben, denen sich auch menschliche Finanzberater stellen. Das Spektrum reichte von der alltäglichen Entscheidung, ob sich beim Fernseherkauf eher der Sofortkauf oder Ratenzahlung lohnt, bis hin zur komplexeren Abwägung verschiedener Aktiengeschäfte als Investitionen anhand eines vorgegebenen Geldbetrags.

Die Bewertung erfolgte nach einem strengen Schema. Null Punkte für komplett falsche Antworten, einen halben Punkt für eine im Ansatz korrekte Finanzanalyse, die jedoch mathematische Fehler enthielt. Die volle Punktzahl gab es nur, wenn die Antwort sowohl aus Expertensicht als auch mathematisch logisch und korrekt war.

Das Ergebnis war eine Blamage für die hochgelobten KIs. Von den insgesamt zwölf möglichen Punkten erreichte kein einziger Chatbot mehr als fünf. «ChatGPT landete mit exakt 5,0 Punkten auf dem ersten Platz», heisst es in der Studie. Dahinter platzierte sich Deepseek gefolgt von Grok. Besonders schlecht schnitt Googles Gemini ab, das mit lediglich 1,5 Punkten das Schlusslicht bildete.

Selbst einfachste Rechenaufgaben falsch gelöst

Die Studie dokumentiert teils peinliche Patzer. So sollten die Chatbots beispielsweise die monatlichen Gesamtausgaben für eine Immobilie berechnen, deren Miete sich auf 3'700 Dollar zuzüglich 200 Dollar für Nebenkosten beläuft. Grok kam dabei auf eine monatliche Gesamtmiete von 4'900 Dollar – ein simpler Rechenfehler mit potenziell fatalen Folgen für den Nutzer.

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«In einigen Bereichen versagten die Chatbots sogar bei einfachsten Aufgaben», konstatieren die Forscher. Interessanterweise konnten alle Chatbots nur eine einzige Frage korrekt beantworten. Diese drehte sich jedoch nicht um eine finanzielle Analyse, sondern um eine steuerrechtliche Frage. Die Forscher vermuten, dass die KIs hier verlässlich auf ihre Trainingsdaten zurückgreifen konnten, da solche Fragen im Netz häufig gesucht und beantwortet werden.

Angesichts dieser ernüchternden Resultate sprechen die Forscher eine klare Warnung aus. Man solle keinesfalls blind auf die finanziellen Ratschläge von Chatbots hören. «Es ist immer noch so, dass die wahre Gefahr nicht darin liegt, dass Computer intelligenter als wir sind, sondern wir denken, dass Computer intelligenter als wir wären», so ein zentrales Zitat aus der Studie. Dies führe dazu, «dass wir sie Entscheidungen treffen lassen, die wir ihnen nicht anvertrauen sollten.»