blue News entlarvt FälschungenSo entstehen Falschmeldungen im Fall Epstein – und so erkennst du sie
Barman Nicolas
6.2.2026
Nein, Epstein will nicht Selenskyj umarmen.
Bild:AFP
Drei Millionen Seiten zu Jeffrey Epstein sorgen weltweit für neue Schlagzeilen – und liefern gleichzeitig Futter für Desinformation. blue News zeigt anhand konkreter Beispiele, wie fotorealistische KI-Fakes in Umlauf kommen und wie man sie entlarven kann.
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Agence France-Presse, Nicolas Barman
06.02.2026, 04:30
06.02.2026, 11:10
Barman Nicolas
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Nach der Veröffentlichung neuer Epstein Files»tauchen auf X und anderen Plattformen massenhaft manipulierte Bilder auf.
Betroffen sind unter anderem Mira Nair (Mutter des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani) sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Viele der kursierenden Bilder sind KI-generiert oder Fotomontagen – Hinweise liefern Inkonsistenzen, Rückwärtssuchen und technische Prüf-Tools.
So nehmen einige Accounts die erhöhte Aufmerksamkeit rund um Epstein zum Anlass, politische Figuren mit vermeintlich «belastenden» Bildern zu verbinden. Ziel: maximale Reichweite, maximale Empörung.
blue News zeigt dir, welche Fakes gerade im Umlauf sind.
KI-Bilder zu Mira Nair und Zohran Mamdani
Screenshots erstellt auf X, 03/02/2026. Rotes Kreuz von AFP hinzugefügt.
Bild:AFP
Im Zentrum eines aktuellen Falls steht die indisch-amerikanische Regisseurin Mira Nair, die Mutter des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani. Zwar wird Nair in der Datenbank in Dokumenten erwähnt – doch daraus wurden in sozialen Medien falsche Schlüsse gezogen.
In den Tagen nach der Veröffentlichung verbreiteten Nutzerinnen und Nutzer Bilder, die Nair zusammen mit einem Kind (angeblich Mamdani) in der Nähe von Epstein sowie von Bill Clinton, Bill Gates oder Jeff Bezos zeigen sollen. Deswegen wird klar: Diese Bilder sind gefälscht und KI-generiert – sie tauchen nicht in den veröffentlichten Dokumenten auf.
Vergleich von zwei KI-generierten Bildern, die in sozialen Netzwerken kursieren, erstellt am 03.02.2026. Rotes Kreuz von AFP hinzugefügt.
Bild:AFP
Eine Analyse mit Googles Erkennungs-Tools ergab laut der Nachrichtenagentur AFP Wasserzeichen, die auf KI-Generierung hindeuten. Zudem tauche auf den Bildern das Kürzel «DFF» auf, das laut AFP zu einem Parodie-Account auf X führt, der «hochwertige KI-Inhalte» produziert – und selbst ironisch kommentiert, die Bilder seien absichtlich so konstruiert, dass sie «zeitlich» nicht plausibel seien.
Gefälschtes Foto von Mira Nair mit Jeffrey Epstein
Dies gilt auch für ein anderes Bild, das in den letzten Tagen von Nutzern in den Netzwerken verbreitet wurde. Auf dem Foto wird suggeriert, dass sich die berühmte Filmregisseurin Mira Nair an einem Strand mit Jeffrey Epstein aufhalte.
Analysen mit dem von AFP mitentwickelten Verifizierungstool InVid-WeVerify deuten darauf hin, dass das Bild mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde.
Screenshot, erstellt mit dem Invid-Weverify-Plugin am 03.02.2026.
AFP
Eine Rückwärtssuche ergibt zudem, dass das Bild vor dem 2. Februar 2026 noch nie im Internet geteilt wurde. Das deutet klar darauf hin, dass es sich um eine KI-Fälschung handelt.
Fotomontage mit Selenskyj
Der Bürgermeister von New York Zohran Mamdani und seine Mutter sind nicht die einzigen Persönlichkeiten, die in den sozialen Netzwerken ins Visier genommen werden.
Ein weiteres virales Beispiel ist ein Bild, das Jeffrey Epstein zeigt, wie er einen jungen Mann umarmt, der stark an Wolodymyr Selenskyj erinnert, kombiniert mit der Frage: «Devinez qui est ce jeune homme?» Auf Deutsch: «Ratet mal, wer dieser junge Mann ist.»
Links: Screenshot von X, 03/02/2026. Rotes Kreuz von AFP hinzugefügt. Rechts, Screenshot von AFP Forum, 03.02.2026.
Bild:AFP
Allerdings: Es gibt ein weiteres Foto, auf dem Epstein Ghislaine Maxwell umarmt. Details wie Ring und Kleidträger stimmen überein – es handelt sich also um eine Fotomontage, die das Original umdeutet.
Einfache Tricks zur Identifikation gefälschter Inhalte
Der Mechanismus hinter solchen Falschinformationen ist dabei fast immer derselbe. Ein reales, emotional aufgeladenes Thema wie der Fall Epstein erzeugt hohe Aufmerksamkeit und senkt gleichzeitig die kritische Distanz vieler Nutzerinnen und Nutzer. Einzelne Namensnennungen in umfangreichen Dokumenten werden aus dem Zusammenhang gerissen und als vermeintlicher Beleg für persönliches Fehlverhalten interpretiert. In einem weiteren Schritt liefern KI-generierte Bilder oder gezielte Fotomontagen das scheinbar visuelle «Beweisstück», das die gewünschte Erzählung stützt und die Behauptung emotional auflädt.
Dabei ist entscheidend: Die blosse Erwähnung einer Person in Dokumenten bedeutet nicht automatisch strafbares oder moralisch verwerfliches Verhalten. Genau diese Unterscheidung geht in sozialen Netzwerken häufig verloren – teils aus Unwissen, teils bewusst. Visuelle Fakes verstärken diesen Effekt zusätzlich, weil Bilder als besonders glaubwürdig wahrgenommen werden und Zweifel schneller verdrängen.
Um sich vor solchen Manipulationen zu schützen, raten die Faktenchecker zu einfachen, aber wirksamen Prüfungen. Besonders bei Bildern, die auffällig «perfekt» wirken oder scheinbar punktgenau eine Skandalbehauptung illustrieren, ist Skepsis angebracht.
Eine Rückwärtssuche kann Hinweise liefern, ob ein Bild bereits früher in anderem Zusammenhang existierte oder erst kürzlich aufgetaucht ist. Ebenso wichtig ist der Kontext: Taucht das Bild in verlässlichen Archiven, offiziellen Datenbanken oder seriösen Medien überhaupt auf – oder zirkuliert es ausschliesslich in sozialen Netzwerken?
Trump beschimpft CNN-Reporterin nach Epstein-Frage
US-Präsident Donald Trump ist im Weissen Haus mit einer Journalistin von CNN aneinandergeraten. Auslöser war eine Frage zur Aufarbeitung des Jeffrey-Epstein-Skandals. Trump reagierte mit persönlichen Angriffen.