Kein Appetit mehr KI findet Molekül, das schlank macht

Martin Abgottspon

12.3.2025

So sieht das Molekül aus, welches den Appetit zügeln soll.
So sieht das Molekül aus, welches den Appetit zügeln soll.
Stanford University

Ein Team der Stanford University hat ein Molekül entdeckt, das den Appetit gezielt hemmt. Das ganz ohne die Nebenwirkungen herkömmlicher Abnehmmittel. Die Entdeckung könnte die Behandlung von Übergewicht grundlegend verändern.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Forscher der Stanford University haben mit künstlicher Intelligenz das Molekül BRP entdeckt, das den Appetit hemmt.
  • In Tierversuchen reduzierte BRP die Nahrungsaufnahme um 50 Prozent innerhalb von vier Stunden.
  • Die positiven Ergebnisse ebnen den Weg für Tests am Menschen – mit dem Potenzial, eine neue Ära in der Behandlung von Übergewicht einzuleiten.

Das Molekül BRP ist ein natürlich vorkommendes Peptid, das auf das Hungerzentrum im Gehirn wirkt. Forscher der renommierten Stanford University identifizierten BRP mithilfe künstlicher Intelligenz. Ein spezieller Algorithmus analysierte Dutzende Prohormone, um neue Wirkstoffe im Kampf gegen Übergewicht zu finden. Das Resultat: BRP könnte eine schonendere Alternative zu bestehenden Medikamenten wie Semaglutid sein, das oft mit Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Muskelschwund einhergeht.

«Die Rezeptoren, auf die Semaglutid wirkt, befinden sich nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm, in der Bauchspeicheldrüse und in anderen Geweben», erklärt Katrin Svensson, Assistenzprofessorin für Pathologie an der Stanford University und Co-Autorin der Studie. «Deshalb hat das Medikament weitreichende Auswirkungen. BRP hingegen greift gezielt in der Hypothalamus-Hirnregion ein, wo es Appetit und Stoffwechsel steuert.»

Schnell wirkend und effektiv

In Tierversuchen mit Mäusen und Schweinen zeigte BRP eine deutliche Wirkung: Innerhalb von nur vier Stunden nach der Verabreichung sank die Nahrungsaufnahme um 50 Prozent. Über längere Zeiträume führte die Behandlung zu einer signifikanten Gewichtsreduktion – und das ohne erkennbare Nebenwirkungen.

Die Aussicht auf einen nebenwirkungsfreien Appetitzügler sorgt für Aufsehen in der Wissenschaft. Während bestehende Medikamente oft den gesamten Organismus beeinflussen, könnte BRP als gezielter Wirkstoff neue Massstäbe setzen.

Klinische Studien in Vorbereitung

Die Erfolge in den Tierversuchen haben den Weg für klinische Studien am Menschen geebnet. Sollte sich BRP auch in diesen Versuchen bewähren, könnte es Millionen Menschen helfen, ihr Gewicht langfristig zu kontrollieren – eine mögliche Zeitenwende in der Behandlung von Übergewicht.

Fettleibigkeit gilt als globale Epidemie mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Medikamente wie Ozempic haben zwar Fortschritte gebracht, doch nicht jeder Patient verträgt sie. Die Entdeckung von BRP könnte daher ein entscheidender Schritt sein, um eine breitere und verträglichere Therapieoption bereitzustellen.