Zurückgehaltene Studie? Ohne Instagram glücklicher – hat Meta unbequeme Wahrheiten vertuscht?

Martin Abgottspon

1.12.2025

Die Nutzung sozialer Medien soll Menschen gemäss internen Untersuchungen unglücklich machen.
Die Nutzung sozialer Medien soll Menschen gemäss internen Untersuchungen unglücklich machen.
Gemini @blue News

Eine interne Studie soll gezeigt haben, dass Menschen ohne Facebook und Instagram weniger depressiv und ängstlich sind. Doch anstatt die Ergebnisse zu veröffentlichen, soll Meta sie zurückgehalten haben. Nun gerät der Konzern unter juristischen Druck.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine interne Meta-Studie soll gezeigt haben, dass Menschen ohne Facebook und Instagram glücklicher sind, die Ergebnisse wurden angeblich zurückgehalten.
  • Eltern, Schulbezirke und Staatsanwälte werfen Meta und anderen Tech-Konzernen vor, psychische Risiken verschwiegen zu haben.
  • Der Konzern bestreitet die Vorwürfe und nennt die Studie fehlerhaft. Die erste Anhörung ist für Januar 2026 geplant.

Im Jahr 2019 startete Facebook ein Forschungsprojekt mit dem unscheinbaren Codenamen «Project Mercury». Ziel war es, die Auswirkungen von Facebook- und Instagram-Nutzung auf das Wohlbefinden, die politische Polarisierung und das soziale Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer zu untersuchen. Was das Unternehmen fand, hätte das Selbstverständnis seiner Plattformen erschüttern können. Menschen, die für einen Monat auf Facebook verzichteten, fühlten sich nachweislich glücklicher, weniger ängstlich und emotional stabiler.

Doch anstatt die Erkenntnisse transparent zu machen, soll Meta die Studie gestoppt und ihre Ergebnisse unter Verschluss gehalten haben. Dies geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die im Rahmen einer Sammelklage gegen mehrere Tech-Konzerne, darunter Google, Snapchat und Tiktok, eingereicht wurden. So berichtet es CNBC.

Wurden Nutzer bewusst in die Irre geführt?

In der Klage steht ein schwerer Vorwurf im Raum: Meta habe bekannte Risiken der Social-Media-Nutzung gezielt verschwiegen, insbesondere gegenüber Jugendlichen, Eltern und Bildungseinrichtungen. Die Kläger argumentieren, dass der Konzern damit psychische Schäden bei jungen Nutzern in Kauf genommen habe.

Konkret stützen sie sich auf die interne Studie. Hätte Meta die Ergebnisse von «Project Mercury» veröffentlicht, so der Vorwurf, wäre klar geworden, dass die Nutzung seiner Plattformen das seelische Wohlbefinden beeinträchtigen kann.

Meta verteidigt sich – und relativiert

Meta weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Unternehmenssprecher Andy Stone erklärte gegenüber CNBC, bei «Project Mercury» habe es sich lediglich um einen Pilotversuch mit methodischen Mängeln gehandelt. Die Studie sei eingestellt worden, weil das Design «nicht wissenschaftlich belastbar» gewesen sei.

Zudem deutete Stone an, die Ergebnisse seien fehlinterpretiert worden. Menschen, die ohnehin glaubten, Facebook schade ihnen, hätten sich schlicht besser gefühlt, als sie damit aufhörten. Die Vorwürfe, Meta habe vor dem US-Kongress gelogen oder Studien bewusst zurückgehalten, bezeichnete er als «absichtlich irreführend».

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Die aktuellen Enthüllungen reihen sich in eine Serie ähnlicher Vorwürfe ein. Bereits 2021 hatte die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen interne Dokumente veröffentlicht, die belegten, dass Instagram das Selbstwertgefühl junger Mädchen negativ beeinflussen könne – Erkenntnisse, die Meta ebenfalls lange nicht öffentlich machte.

«Project Mercury» könnte nun ein weiteres Beispiel dafür sein, wie der Konzern mit unbequemen Forschungsergebnissen umgeht. Kritiker sehen darin ein strukturelles Problem. Ein Unternehmen, das an der Daueraufmerksamkeit seiner Nutzer verdient, hat ein Eigeninteresse daran, die Schattenseiten dieser Mechanismen kleinzureden.

Die erste Anhörung in dem Verfahren ist für den 26. Januar 2026 vor dem Bezirksgericht von Nordkalifornien angesetzt. Beobachter rechnen mit einem Präzedenzfall. Sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass Meta wissentlich psychische Risiken verschwiegen hat, könnte dies weitreichende Folgen für die gesamte Social-Media-Branche haben.

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