Gezielter Medikamente-Transport Revolutioniert dieser ETH-Roboter die Behandlung von Schlaganfällen?

Martin Abgottspon

17.11.2025

Winzig klein und doch unglaublich effizient: der Mikro-Roboter der ETH soll Medikamente genau da hin bringen, wo sie benötigt werden.
Winzig klein und doch unglaublich effizient: der Mikro-Roboter der ETH soll Medikamente genau da hin bringen, wo sie benötigt werden.
ETH Zürich

Ein Roboter, kleiner als ein Reiskorn, soll Medikamente genau dort hin bringen, wo sie auch benötigt werden. Ein technischer Meilenstein der ETH Zürich, der künftig völlig neue Therapieformen ermöglichen könnte.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein Mikroroboter der ETH Zürich kann Medikamente präzise an schwer erreichbare Stellen im Körper, etwa im Gehirn, transportieren und so Schlaganfälle gezielter behandeln.
  • Die magnetisch steuerbare Gel-Kapsel navigiert mithilfe verschiedener Techniken durch komplexe Gefässsysteme und gibt Wirkstoffe punktgenau am Zielort frei.
  • Erste Tests an Tieren verliefen erfolgreich, doch bis zum klinischen Einsatz sind noch Fragen zu Sicherheit, Zulassung und praktischer Anwendung zu klären.

Bei Schlaganfällen zählt jede Minute und vor allem würde eine gezielte Verabreichung von Medikamenten helfen. Doch die heute übliche Behandlung funktioniert mehr oder weniger nach dem Schrotflinten-Prinzip. Viel Wirkstoff wird breit im Körper verteilt – mit entsprechend hohen Risiken. Von inneren Blutungen bis zu schweren Nebenwirkungen kann alles vorkommen.

Die neue ETH-Entwicklung setzt nun genau hier an. Ein Mikroroboter, kleiner als ein Reiskorn, soll Medikamente durch komplexe Gefässstrukturen direkt zum Schadensort transportieren. Der Ansatz verspricht präzisere Therapien und eine drastische Reduktion der benötigten Medikamentendosis.

Wie die Gel-Kapsel ihr Ziel findet

Im Kern des Roboters steckt eine runde Kapsel, umhüllt von einer biologisch abbaubaren Gel-Schicht. Eingebaute Eisenoxid-Nanopartikel verleihen ihr die nötige magnetische Reaktionsfähigkeit, um durch den Körper navigiert zu werden. Entscheidend dabei ist die Balance. Die Gefässe des menschlichen Gehirns lassen kaum Spielraum für Grösse oder Gewicht. «Die technische Herausforderung ist, dass eine so kleine Kapsel auch ausreichend stark magnetische Eigenschaften hat», erklärt Erstautor Fabian Landers vom Multi-Scale Robotics Lab der ETH Zürich.

Die Navigation durch das Gefässsystem erfolgt über drei miteinander kombinierbare Techniken. Ein rotierendes Magnetfeld lässt die Kapsel entlang der Gefässwand rollen. Ein Magnetfeld-Gradient ermöglicht es dem Roboter sogar, gegen den Blutstrom zu schwimmen, selbst bei Strömungsgeschwindigkeiten von rund 20 Zentimetern pro Sekunde.

Komplex wird es an Gefässverzweigungen. Dort kommt die sogenannte In-Flow-Navigation zum Einsatz. Das Magnetfeld wird so gesetzt, dass die Strömung die Kapsel gezielt in die gewünschte Abzweigung trägt. «Es ist unglaublich, wie viel Blut in welcher Geschwindigkeit durch unsere Gefässe gepumpt wird. Unser Navigationssystem muss das alles aushalten können», so Landers.

Von Silikonmodellen zu grossen Tieren

Der therapeutische Effekt erfolgt erst, wenn die Gel-Hülle geöffnet wird. Dafür erhitzen hochfrequente Magnetfelder die darin eingebetteten Nanopartikel. Die Kapsel löst sich auf, der Wirkstoff tritt aus. Getestet wurden unter anderem ein gängiges Mittel zur Auflösung von Blutgerinnseln, ein Antibiotikum sowie ein Tumormedikament. In mehr als 95 Prozent der Versuche wurde der Wirkstoff exakt am Zielort abgegeben.

Zunächst erprobten die Forschenden ihre Methoden in Silikonmodellen menschlicher und tierischer Gefässe. Später folgten Experimente an Schweinen, bei denen alle Navigationsverfahren stabil funktionierten und die Kapsel jederzeit sichtbar blieb. Besonders anspruchsvoll war ein Test an einem Schaf, bei dem der Roboter durch die Gehirnflüssigkeit gelenkt wurde. «Diese komplexe anatomische Umgebung hat sehr viel Potenzial für weitere therapeutische Eingriffe», so Landers.

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Die Arbeit der ETH Zürich zeigt, wie weit die Miniaturisierung medizinischer Technologien inzwischen reicht und welche Debatten künftig geführt werden müssen. Fragen nach Sicherheit, Zulassung und dem Einsatz im sensiblen Umfeld des menschlichen Gehirns stehen ebenso im Raum wie die Vision einer Medizin, in der Medikamente ihren Zielort millimetergenau finden.

Ob der Mikroroboter tatsächlich den Weg in die klinische Praxis schafft, bleibt offen. Doch die Vorstellung, dass künftig winzige Kapseln gegen den Blutstrom schwimmen, um Schlaganfälle präziser zu behandeln, hat bereits jetzt das Potenzial, therapeutische Grenzen neu zu definieren.

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