Für zwei Franken die StundeWie zwei ETH-Studenten den Nachhilfe-Unterricht mit KI revolutionieren
Martin Abgottspon
27.3.2025
Die ETH-Masterstudenten Friedrich Wicke (l.) und Gero Embser haben eine KI-basierte Online-Nachhilfe für verschiedene Fächer entwickelt.
ETH Zürich
Gute Nachhilflehrer sind nicht einfach zu finden. Und oftmals auch teuer. Aber das muss nicht sein, wie der KI-Tutor von zwei ETH-Studierenden zeigt. Als besonderen Bonus bringt dieser auch jede Menge Geduld mit.
Das ETH-Start-up tutor.new bietet KI-gestützte, individuelle Online-Nachhilfe für Kinder von der 1. bis zur 9. Klasse.
Die Plattform nutzt fortschrittliche Sprachmodelle, um personalisierten Unterricht zu gestalten, Stärken und Schwächen langfristig zu analysieren und kontinuierlich zu verbessern.
Durch enge Zusammenarbeit mit Pädagogen und präzise Musterlösungen minimiert das System Fehler und steigert die Motivation sowie den Lernerfolg.
Die Frage nach dem Kürzen von Brüchen oder der Multiplikation zweistelliger Zahlen hat schon so manchen Familienabend zur Belastungsprobe gemacht. Eltern geraten ins Schwitzen, Schüler sind frustriert und die Rechnung für professionelle Nachhilfe lässt den Puls oft noch weiter steigen.
Friedrich Wicke und Gero Embser, zwei Masterstudenten der ETH Zürich, setzen genau hier an. Mit ihrem Start-up «tutor.new» bieten sie eine innovative Lösung, die bezahlbare Online-Nachhilfe und modernste KI-Technologie vereint.
Für mehr individuellen Lernerfolg
Ursprünglich unter dem Namen «Sophia Edu Labs» gestartet, verfolgt das junge Unternehmen ein klares Ziel: Kindern und Jugendlichen eine individuelle und bezahlbare Lernbegleitung zu ermöglichen. Mit einem virtuellen Lehrer, der nie müde wird. Dabei setzen die beiden Gründer auf modernste Sprachmodelle wie GPT-4o und Claude 3.7, die in der Lage sind, massgeschneiderte Nachhilfestunden und personalisierte Arbeitsmaterialien zu erstellen. Die Idee dahinter war eigentlich ziemlich banal. «Wir wollten einfach herausfinden, ob es möglich ist, mit KI besser zu lernen als mit den meisten menschlichen Lehrern», so Friedrich Wicke im Gespräch mit «blue News».
Für gerade einmal zwei Franken pro Stunde erhalten Schüler von der 1. bis zur 9. Klasse interaktiven Online-Unterricht. Dort können sie auch jederzeit live Fragen stellen und bekommen individuelles Feedback. Der virtuelle Lehrer erkennt dabei nicht nur die fachlichen Herausforderungen, sondern analysiert langfristig die Stärken und Schwächen jedes Schülers. «Unser Tutor lernt kontinuierlich dazu. Er erinnert sich an jede gerechnete Aufgabe, jeden Fehler und jede Erklärung. Dadurch entsteht mit der Zeit ein echter Vorteil», erläutert Wicke.
Diverse Modelle sichern sich gegenseitig ab
Eine zentrale Herausforderung der KI-Nutzung – das Auftreten von sogenannten «Halluzinationen», also fehlerhaften Antworten – haben die Gründer durch akribische Vorarbeit nahezu vollständig gelöst. Jede Aufgabe kommt mit einer von mehreren KI-Modellen geprüften Musterlösung, sodass während der Live-Stunden kaum Fehler auftreten. «Falls dennoch einmal etwas schiefläuft, korrigiert sich die KI sofort selbst», ergänzt Wicke.
Der Erfolg der KI-Nachhilfe ist kein Zufall: Nach hunderten Teststunden und intensivem Austausch mit Lehrkräften und Bildungsforschern sehen die beiden Gründer enormes Potenzial darin, die Motivation und den Lernerfolg der Schüler stetig weiter zu optimieren. «Wir arbeiten ständig daran, dass die KI im richtigen Moment lobt, rechtzeitig Pausen vorschlägt und stets den optimalen Schwierigkeitsgrad der Aufgaben wählt. So schaffen wir eine Lernerfahrung, die die Schüler nachhaltig motiviert», so Wicke.
Aktuell in drei Fächern verfügbar
Obwohl menschliche Nachhilfelehrer in manchen Bereichen aktuell noch Vorteile haben könnten, sehen Wicke und Embser in ihrer KI vor allem langfristige Stärken: «Unser virtueller Tutor ist geduldiger, immer verfügbar und entwickelt ein individuelles Lernprofil, das in dieser Detailtiefe kaum ein menschlicher Lehrer erreichen kann», sagt Embser.
Momentan bietet tutor.new Unterricht in Mathematik, Deutsch und Englisch an. Weitere naturwissenschaftliche Fächer und Sprachen sollen bald folgen. Wicke und Embser treffen damit den Nerv der Zeit. Gerade angesichts des Lehrermangels und der hohen Kosten klassischer Nachhilfeangebote schliessen sie mit ihrer Idee eine wichtige Lücke – und zeigen gleichzeitig eindrucksvoll, wie intelligente Technologie das Bildungssystem nachhaltig verändern kann.