Auch Google hört Nutzer ab

dj

11.7.2019 - 12:06

Gespräche mit Google Home sind alles andere als vertraulich.
Google

Nach Amazon wurde auch Google dabei erwischt, wie es persönliche Gespräche von Google Home-Kunden durch menschliche Mitarbeiter auswerten lässt.

Auch Google-Mitarbeiter hören wohl Gespräche von Kunden ihrer persönlichen Assistenten mit. Wie der belgische Sender VRT berichtet, werden Anfragen von Google Home-Kunden in einigen Fällen auch von menschlichen Mitarbeitern angehört. Ein ähnliches Verhalten wurde kürzlich erst bei Amazon und Alexa aufgedeckt.

Ein Mitarbeiter eines Google-Subunternehmen hatte sich an VRT gewandt und dem Sender tausende Aufnahmen von Google Home-Kunden überreicht, die er angehört hatte. Erklärtes Ziel von Google ist hier wie bei Alexa die Qualitätsverbesserung. Versteht der smarte Assistent etwa einen bestimmten Befehl nicht, wird die Aufnahme dieser Konversation an menschliche Mitarbeiter weitergeleitet. Diese sollen dann feststellen, warum die Kommunikation gescheitert ist, damit die Algorithmen entsprechend angepasst werden können.

Sex und Gewalt mitgehört

Doch die Aufnahmen bestanden nicht nur aus gezielten Anfragen an Google Home. Wie alle persönlichen Assistenten aktiviert sich auch Google Home gerne mal versehentlich, wenn es denkt, es hätte einen an sich gerichteten Befehl gehört. So fanden sich auch Aufnahmen von Kunden beim Sex oder eine Situation, in der einer Frau offenbar Gewalt zugefügt wurde. Den Mitarbeitern wurde keine Anweisungen gegeben, wie sie sich hier verhalten sollten.

Und natürlich enthalten die Aufnahmen auch eine Fülle von persönlichen Informationen, die dann plötzlich wildfremde Menschen zu hören bekommen. So gelang es VRT, alleine anhand einer Aufnahme konkrete Google Home-Nutzer zu identifizieren. Eine Ehepaar aus dem flämischen Waasmunster erkannte auf einer Aufnahme dann die Stimmen von ihrem Sohn und ihrem Enkelkind.

Google verteidigte sich gegenüber VRT und sagte, das Vorgehen sei essentiell für die Weiterentwicklung der Technologie. Nur 0,2 Prozent aller Anfragen würden auch von menschlichen Mitarbeitern mitgehört. Das einzige Fehlverhalten sieht Google bei der Person, die die Aufnahmen an VRT weitergeleitet hatte.

Update 21 Uhr: Google hat eingeräumt, dass offenbar Daten weitergegeben worden, die nicht hätten weitergegeben werden dürfen. Man untersuche den Fall nun genauer, teilte das Unternehmen mit. 

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