Zu weit gegangen

Bannon phantasiert übers Köpfen – Twitter macht kurzen Prozess

dpa/tjb

6.11.2020

Der Account von Steve Bannon – hier bei einem Auftritt in Italien – bei Twitter ist fürs erste gesperrt.
Der Account von Steve Bannon – hier bei einem Auftritt in Italien – bei Twitter ist fürs erste gesperrt.
Bild: Keystone/AP/Domenico Stinellis

Steve Bannon machte 2016 als Donald Trumps Chefstratege von sich reden. Nun sagte er, dass er an Trumps Stelle Corona-Experte Fauci enthaupten würde – Grund genug für Twitter, Bannon kaltzustellen.

Twitter hat den einstigen Trump-Chefstrategen Steve Bannon ausgesperrt, nachdem er über die Enthauptung des FBI-Chefs Christopher Wray und des Corona-Experten Anthony Fauci fantasiert hatte. Bannon sagte in seinem am Donnerstag veröffentlichten Podcast zunächst, US-Präsident Donald Trump würde gleich zu Beginn einer zweiten Amtszeit Wray und Fauci feuern. Trump sei ein barmherziger Mann.

Bannon selbst hingegen würde gern in die Zeit der Tudor-Dynastie im alten England zurückkehren. «Ich würde die Köpfe aufspiessen. Ich würde sie an zwei Ecken des Weissen Hauses positionieren, als Warnung an die Bürokraten der Bundesregierung.»

Twitter erklärte, Bannons Äusserungen verstiessen gegen das Verbot von Gewaltverherrlichung auf der Plattform und blockierte seinen Account. Der Streamingdienst Spotify entfernte die Podcast-Folge. Auch YouTube ging gegen den Clip vor.

Fauci ist ein hochangesehener Experte, der stets zu mehr Vorsicht gegenüber dem Coronavirus und zum Tragen von Masken aufruft. Dafür wurde er bereits verschiedentlich bedroht. Er wird von Personenschützern begleitet.

Eine Grösse unter Ultra-Konservativen

Bannon gehört zu den einflussreichsten Stimmen im ultra-konservativen Lager der US-Politik. Der Mitgründer der Internetplattform «Breitbart» war 2016 zu Trumps Team gestossen und übernahm die Leitung des Wahlkampfs. Dem 66-Jährigen wird ein massgeblicher Anteil am damals eher überraschenden Erfolg zugeschrieben. Nach dem Wahlsieg wurde Bannon Trumps Chefstratege, musste aber 2017 seinen Hut nehmen.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft Bannon und drei weiteren Beschuldigten vor, Geld aus einer Online-Spendenaktion für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko abgezweigt zu haben. Im August wurde er vorübergehend festgenommen und ist nun gegen Kaution auf freiem Fuss. Bannon bestreitet die Vorwürfe. Er stellt sich als Opfer politischer Verfolgung dar.

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