Biohacker auf der Suche nach besserem Sex

24.11.2018 - 00:00, dj

Muss man zum Cyborg werden, um in Zukunft noch guten Sex zu haben?
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Mit Implantaten im Intimbereich wollen Biohacker für besseren Sex sorgen. Lohnt es sich, dafür zum Cyborg zu werden?

Wenn eine neue Technologie entsteht, taucht sie meist ziemlich schnell in einem der Eckpfeiler des menschlichen Daseins auf: Der Sexualität. So war es mit dem World Wide Web, das fast von Beginn an zur Verbreitung von Pornografie verwendet, und so setzt es sich bis heute fort.

So gibt es inzwischen etwa smarte Vibratoren, die sich per App steuern lassen und bei Benutzung fleissig Daten sammeln. Letzte Konsequenz ist allerdings, sich Technik direkt in den Körper einpflanzen zu lassen, um das Sex-Leben zu verbessern. Und dieses Biohacking, bei der man zu einem Cyborg, einem Mischwesen zwischen Mensch und Machine wird, wird auch bereits praktiziert.

Menschlicher Penis wird zum Vibrator

«Die dumme Standardausstattung, die uns die Natur gegeben hat, zu akzeptieren, ist ein unnötiger Akt der Unterwerfung», so das Motto von Rich Lee, einem Designer und zweifachen Familienvater aus dem US-Bundestaat Utah. Dementsprechend hat er ein «Upgrade» für den männlichen Körper entwickelt, den LoveTron9000, wie cnet.com berichtet. Dieser soll einen Penis aus Fleisch und Blut zu einem funktionstüchtigen Vibrator machen.

Der Lovetron9000 wird an der Peniswurzel am Becken implantiert und soll dort Vibrationen erzeugen. Bisher hat Lee neun verschiedene Prototypen entwickelt, zum Praxisversuch ist es allerdings noch nicht gekommen. Er ist jedoch zuversichtlich, dass seine Erfindung in Zukunft essentiell sein wird: «Wenn es zum Mainstream-Produkt wird, und du bist der einzige Typ in der Bar, der keinen LoveTron9000 hat — Scheisse für dich!».

Klitorales Implantat

Schon etwas in ihrem Intimbereich implantiert hat die Künstlerin Aneta Von Cyborg, bei der der Name definitiv Programm ist. Neben diversen anderen Körper-Modifikationen hat ihr Mann Samppa Von Cyborg seiner Frau an deren Kitzler einen kleinen Magneten implantiert.

Schon die elektromagnetischen Felder von Lautsprechern haben dann bei Aneta Von Cyborg Lustgefühle erzeugt. Der Magnet musste allerdings später entfernt werden, als bei ihr ein MRT durchgeführt werden musste. «Ich wollte nicht riskieren, dass ein Magnet durch meinen Körper schiesst», so Von Cyborg zu cnet.com.

Alles steht erst am Anfang

Werden Cyborgs den Sex jetzt komplett verändern? Diese Frage ist im Grunde überhaupt nicht neu. Einer der einflussreichsten Texte des modernen Feminismus ist «A Cyborg Manifesto» der kalifornischen Professorin Donna Haraway. Sie beschrieb schon 1985, wie Cyborgs Geschlechtergrenzen überwinden und zu einer neues Sexualität führen könnten

Die bisher realisierten Veränderungen durch Biohacking mögen da noch relativ banal erscheinen, von dem potenziellen Verletzungsrisiko mal ganz abgesehen. Aber es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, bis auch weitreichendere Körper-Modifikationen möglich sein werden. Die Sexualität wird dann nur einer von vielen Bereichen sein, die Cyborgs umkrempeln werden.

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