Niemand wusste davonBund testet geheime KI – auch mit vertraulichen Inhalten
Sven Ziegler
24.3.2025
Laut dem «Tages-Anzeiger» profitiert unter anderem Elisabeth Baume-Schneider von der KI. (Symbolbild)
sda
Seit Monaten nutzen Mitglieder des Bundesrats eine eigene KI-Anwendung, um Reden zu schreiben, Memos zu übersetzen oder Prognosen zu prüfen – und das mit sensiblen Daten. Jetzt kommt der Test ans Licht.
Während in der Öffentlichkeit wenig über den KI-Einsatz der Schweizer Regierung bekannt ist, läuft im Bundeshaus seit Monaten ein bisher geheim gehaltener Versuch: Unter dem Namen Gov-GPT testet der Bund seit November 2024 ein eigens entwickeltes KI-System – und das mit besonders sensiblen Daten, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.
Die Anwendung wurde vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) geschaffen und basiert auf der quelloffenen Llama-Technologie, entwickelt von Meta AI. Im Unterschied zu bekannten Tools wie ChatGPT wird Gov-GPT jedoch in einer abgeschotteten und speziell gesicherten IT-Umgebung innerhalb der Bundesverwaltung betrieben. Der Zugriff ist stark eingeschränkt: Nur Bundesrätinnen und Bundesräte sowie hochrangige Verwaltungsangestellte dürfen das System nutzen.
Was Gov-GPT leisten kann, ist bemerkenswert: Es unterstützt bei der Textproduktion, Übersetzungen, Redaktionsarbeiten und kann Informationen analysieren. So könnte ein Bundesrat ein komplexes Dossier zusammenfassen oder Redepassagen umformulieren lassen – mit Unterstützung künstlicher Intelligenz.
Erstaunlich dabei: Die Regierungsmitglieder dürfen der KI Informationen bis zur Geheimhaltungsstufe «vertraulich» übergeben – also solche Inhalte, deren Veröffentlichung die Sicherheit der Schweiz gefährden könnte. Einzig Daten der höchsten Stufe «geheim» sind vom Einsatz ausgeschlossen. Das BIT betont jedoch, dass durch die interne, gesicherte Infrastruktur der Schutz solcher Daten gewährleistet sei.
Pilotversuch auf Zeit – hohe Erwartungen an KI
Gov-GPT befindet sich noch in der Pilotphase. Der Nutzerkreis bleibt vorerst bewusst klein, unter anderem wegen der hohen technischen Anforderungen an Rechenleistung. Laut dem BIT dient der Versuch dazu, Erfahrung mit dem Einsatz generativer KI in einer sicheren Verwaltungsumgebung zu sammeln. Die Bundeskanzlei sieht darin einen Schritt, um Know-how aufzubauen und die Verwaltung langfristig effizienter zu gestalten.
Neben Gov-GPT laufen beim Bund bereits weitere KI-Projekte. Meteo Schweiz nutzt KI etwa zur schnellen Anpassung von Pollenprognosen, die Wettbewerbskommission setzt sie zur Betrugserkennung bei Ausschreibungen ein, und der Sprachdienst der Bundeskanzlei greift auf maschinelle Übersetzungen zurück. Bei diesen Anwendungen ist jedoch die Verarbeitung sensibler Daten grundsätzlich verboten.