Unsicherheit

Fake News auf WhatsApp – so behalten Sie den Durchblick

dj/gbi

16.3.2020

Über WhatsApp-Kettenbriefe verbreiten sich zahlreiche Corona-Fake-News.
Getty Images

Das Coronavirus ist schon schrecklich genug. Mit über WhatsApp verbreiteten Fake News wird aber noch mehr Unsicherheit erzeugt. Hier gilt: Besser an vertrauenswürdige Quellen halten. 

WhatsApp-Kettenbriefe sind schon in der Normalität eine Plage. In Zeiten der Coronakrise werden sie allerdings besonders perfide. Mit unzähligen Falschmeldungen wird in zahlreichen Ländern Panik in der Bevölkerung geschürt.



Bundesratssprecher André Simonazzi verurteilte am Freitag etwa auf Twitter einen Kettenbrief, der eine unmittelbar bevorstehende Ausrufung des Notstands in der Schweiz behauptete. Damit würde zu Hamsterkäufen animiert. In einem gemeinsamen Inserat betonten die Schweizer Detailhändler am Montag, dass keine Engpässe zu befürchten seien: «Hamsterkäufen sind absolut unnötig.»

Schmerzmittel schaden bei Covid-19?

Andere WhatsApp-Nachrichten zu Corona sind noch viel spezifischer. So zirkulierte eine Sprachnachricht, in der eine Frauenstimme von einer vermeintlichen Studie der Wiener Uniklinik berichtet, die entdeckt habe, dass die Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen zu einem schweren Verlauf von Covid-19 führen würde. Alles frei erfunden, wie die Medizinische Universität Wien auf Twitter klar stellte. Das Bundesamt für Gesundheit liefert hier seriöse Informationen.

Corona-Selbsttest?

Neben Panikmache kursieren auch vermeintlich gut gemeinte Tipps zum Schutz und Umgang mit dem Coronavirus. Ein Kettenbrief berichtet etwa über einen «Corona-Selbsttest». Man müsse nur zehn Sekunden lang den Atem anhalten. Überstehe man dies ohne Husten, sei man Covid-19-frei — im Umkehrschluss dagegen infiziert. Hier wird auf die Stanford University bezogen, die sich freilich ebenfalls distanzierte.

Ein weiterer über WhatsApp zirkulierender «Tipp» behauptet unter Berufung auf in China arbeitende Ärzte, dass das Virus bei Temperaturen von 26 bis 27 Grad absterbe. Daher solle man öfters warmes bis heisses Wasser trinken, um sich zu schützen. Da die menschliche Körpertemperatur an sich ja schon um einiges höher ist, ist auch dieser «Tipp» natürlich frei erfunden.

Wie enttarnt man Fake News?

«Bluewin» hat Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie an der ZHAW gefragt, wie man vermeidet, solchen Fake News aufzuliegen. Sein Rat: «Grundsätzlich muss man sich fragen, wie glaubwürdig eine Quelle ist. Sich an die offiziellen Organe zu halten, ist eine gute Strategie», sagt der Experte im Interview. Dazu zählt natürlich das Bundesamt für Gesundheit.

Und: «Wenn man einmal etwas liest, das der übrigen Berichterstattung widerspricht, sollte man versuchen, diese Informationen auf anderen Kanälen und Portalen zu überprüfen.»

Der Bund wiederum empfiehlt auf dem Portal «ch.ch» unter anderem: 

– Man sollte immer den ganzen Beitrag lesen, nicht nur den Titel oder das Video anschauen.

– Bleiben Sie auch bei Informationen aus Ihrem Umfeld kritisch. Denn es ist es sehr wahrscheinlich, dass aufgrund des Vertrauens im eigenen Bekanntenkreis Fakten weniger kritisch hinterfragen.

– Es lohnt sich, Zeit in eine Recherche zu investieren, verschiedene Suchergebnisse miteinander zu vergleichen.

– Und: Gerade unmittelbar nachdem ein Ereignis eingetreten ist, sollte man Informationen darüber mit besonderer Skepsis begegnen. Denn: Solange noch keine gesicherten Berichterstattungen im Umlauf sind, ist die Gefahr gross, auf Falschinformation zu stossen.

Die Coronavirus-Krise: Eine Chronologie

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