Was Reisende wissen solltenDie unterschätzte Gefahr im Flugzeug-Handgepäck
Jenny Keller
29.5.2026
Die Lufthansa Group mit Airlines wie Swiss, Edelweiss, Lufthansa oder Eurowings hat ihre Regeln für Powerbanks Anfang 2026 verschärft.
sda
Ein Handy-Akku im aufgegebenen Gepäck reicht aus, damit ein Passagierflugzeug ausserplanmässig landen muss. Genau das ist diese Woche auf einem Easyjet-Flug passiert. Wegen der Brandgefahr gelten für Lithium-Batterien strenge Regeln.
Am vergangenen Dienstag, mitten im Flug von Hurghada nach London, wendete sich eine besorgte Passagierin an die Crew. Ihr war eingefallen, dass sich in ihrem aufgegebenen Gepäck eine Powerbank befand, die gerade ein Handy lud. Der Pilot entschied daraufhin, das Flugzeug vorsorglich nach Rom umzuleiten.
Der Vorfall sorgte unter den rund 180 Passagieren für Nervosität, da vielen zunächst nicht klar war, weshalb das Flugzeug plötzlich sank und den Kurs änderte. Erst später stellte sich heraus, dass der Auslöser der kleine Lithium-Akku war.
Dass ein Flugzeug wegen einer Powerbank notlanden muss, wirkt im ersten Moment drastisch. Lithium-Ionen-Batterien gelten in der Luftfahrt aber tatsächlich als ernstes Sicherheitsrisiko. Der Grund ist ein physikalischer Prozess namens «Thermal Runaway.»
Wird eine Lithium-Ionen-Batterie beschädigt oder zu heiss, kann eine gefährliche Kettenreaktion entstehen. Der Akku erhitzt sich dabei immer weiter selbst, teils auf mehrere hundert Grad. Im schlimmsten Fall entstehen Feuer, giftige Gase oder explosionsartige Reaktionen.
Frachtraum ist besonders gefährlich
Lithium-Batterien gelten deshalb in Flugzeugen als besonders heikel, egal ob in Powerbanks, Smartphones oder E-Zigaretten. Gerät ein Akku in Brand, kann die Hitze weitere Batterien erfassen und eine gefährliche Kettenreaktion auslösen. Ein unkontrollierter Lithium-Brand im Gepäckraum könnte die Struktur eines Flugzeugs beschädigen.
Im Passagierraum können Flugbegleiter*innen Rauch oder starke Hitze immerhin meist schnell bemerken und eingreifen. Im Frachtraum dagegen bleibt ein Batteriebrand unter Umständen lange unentdeckt, zudem ist der Zugang schwierig.
Die US-Luftfahrtbehörde FAA registrierte 2025 insgesamt 39 bestätigte Zwischenfälle mit Lithium-Batterien an Bord von Flugzeugen. Dazu zählen Rauchentwicklung, Überhitzung und Feuer. Die Zahl steigt seit Jahren kontinuierlich an.
Immer wieder kommt es deshalb zu Zwischenfällen. Erst im Februar musste in den USA ein Alaska-Airlines-Flug umkehren, nachdem ein Handy und eine Powerbank während des Flugs Feuer gefangen hatten. Eine Person wurde verletzt.
Was beim Fliegen verboten ist
Airlines und Behörden haben ihre Regeln für Lithium-Batterien in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Was erlaubt ist – und worauf Passagiere unbedingt achten sollten.
Powerbanks und lose Ersatzakkus sind ausschliesslich im Handgepäck erlaubt. Im aufgegebenen Gepäck dürfen sie wegen der Brandgefahr nicht transportiert werden.
Viele Airlines (darunter die Lufthansa-Gruppe wie Swiss und Eurowings) verbieten inzwischen ausserdem, Powerbanks während des Flugs selbst zu laden oder Geräte daran anzuschliessen.
Akkus müssen einzeln gegen Kurzschluss gesichert sein, zum Beispiel mit isolierten Kontakten oder in der Originalverpackung. Lose Batterien sollten nicht gemeinsam mit Münzen, Schlüsseln oder anderen Metallgegenständen transportiert werden.
Für gewöhnliche elektronische Geräte mit eingebauten Batterien gilt meist eine Grenze von bis zu 100 Wattstunden.
Grössere Akkus zwischen 100 und 160 Wattstunden benötigen die Zustimmung der Airline und dürfen nur eingeschränkt mitgeführt werden. Batterien mit noch höherem Energiegehalt sind im Passagiergepäck verboten. Entscheidend ist dabei die gespeicherte Energie, nicht die Grösse der Powerbank.
Teilweise dürfen Powerbanks nicht mehr in den Gepäckfächern über den Sitzen verstaut werden, sondern müssen griffbereit bleiben. Hintergrund ist die Sorge, dass überhitzte Akkus dort zu spät entdeckt werden könnten.
Beschädigte oder aufgeblähte Akkus gelten als besonders riskant und sollten nicht mehr transportiert oder verwendet werden. Auch billige Geräte ohne Zertifizierung stehen immer wieder in der Kritik.
Ganz auf Zusatzakkus verzichten wollen viele Reisende natürlich trotzdem nicht. Smartphones, Tablets, Noise-Cancelling-Kopfhörer oder mobile Spielkonsolen verbrauchen auf langen Reisen viel Energie.
Fachpersonen empfehlen deshalb qualitativ hochwertige Powerbanks bekannter Hersteller. Gute Geräte verfügen über Schutzmechanismen gegen Überhitzung oder Kurzschluss.
Wer selten reist, fährt auch mit kleineren Akkus gut. Im Energiesparmodus kommen viele moderne Smartphones relativ gut durch einen Flugtag. Alternativ helfen Steckdosen an Flughäfen oder integrierte USB-Anschlüsse im Flugzeug. Wobei letztere oft langsam laden.
Wer häufig reist, fliegt oft besser mit kompakten Netzteilen mit Schnellladefunktion statt mit grossen Zusatzakkus.