Anlagechef macht düstere Krypto-Prognose Der Bitcoin crasht komplett – aber ein Tech-Gigant macht das Geschäft seines Lebens

Samuel Walder

6.2.2026

Der Bitcoin crasht aber einem grossen Player geht es gut. 
Der Bitcoin crasht aber einem grossen Player geht es gut. 
sda

Der Bitcoin ist in der Nacht auf Freitag auf rund 60’000 US-Dollar gefallen – und der Abwärtstrend könnte sich fortsetzen. Raiffeisen-Anlagechef Matthias Geissbühler nennt drei zentrale Gründe für den Crash. Ein Grosskonzern steht dafür auf einem Rekordhoch.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In der Nacht auf Freitag crasht der Bitcoin und fällt auf ein Tief von 60'000 US-Dollar pro Coin.
  • Laut Raiffeisen-Anlagechef Matthias Geissbühler fällt der Bitcoin wegen verpuffter Trump-Euphorie, ausbleibender Zinssenkungen der US-Notenbank und Kapitalabflüssen in Edelmetalle weiter unter Druck.
  • Da Bitcoin keinen realen Nutzen, keine Erträge und kein überzeugendes neues Narrativ habe, rechnet Geissbühler mittelfristig mit Kursen unter 50’000 US-Dollar.
  • Gegenteil bei Alphabet: Während Kryptos crashen, erzielt Alphabet Rekordzahlen mit über 400 Milliarden Dollar Umsatz, starkem KI-Wachstum, massiven Investitionen und einer Schlüsselrolle des Standorts Zürich.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt keine Finanzberatung dar. Die enthaltenen Analysen und Einschätzungen basieren auf gründlicher Recherche, ersetzen jedoch nicht die individuelle Beurteilung durch Fachleute. Die Entwicklung der Finanzmärkte wird von zahlreichen, teils unvorhersehbaren Faktoren beeinflusst. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte sind mit Risiken verbunden, einschliesslich eines möglichen Kapitalverlusts.

Im November stieg der Bitcoin auf sein bisheriges Rekordhoch von über 126'000 US-Dollar. Seither hat die Krypto-Währung den Rückwärtsgang eingelegt. Kurz nach Mitternacht heute Freitag sinkt der Bitcoin auf noch rund 60'000 US-Dollar. 

Was ist da los? Und ist mit einer Erhohlung zu rechnen? Raiffeisen Anlagechef Matthias Geissbühler sieht vor allem «drei Hauptgründe» für die starke Kurskorrektur, wie er gegenüber blue News sagt. 

Wegen diesen drei Punkte crashte Bitcoin

Donald Trump

Als ersten Punkt nennt Geissbühler den amerikanischen Präsidenten: «Donald Trump hat sich als Krypto-Präsident präsentiert und deshalb ist Anfang 2025 viel Geld in Kryptowährungen geflossen. Von den grossen Ankündigungen – wie einer strategischen Bitcoin-Reserve – ist aber nicht viel übriggeblieben. Die Euphorie ist verblasst.»

Die US-Notenbank

Als zweiten Grund sieht Geissbühler die Notenbank: «Die Hoffnungen waren gross, dass die US-Notenbank die Leitzinsen rasch senken und zu einer expansiven Geldpolitik, inklusive neuem Quantitative Easing (QE) übergehen wird.» Aufgrund der hartnäckig hohen Inflation haben sich diese Hoffnungen zerschlagen. «Risk-Assets» wie Bitcoin und andere Kryptowährungen würden aber eine kontinuierliche Liquiditätszufuhr benötigen – «und diese fehlt zurzeit.»

Geopolitische Unsicherheit

Und drittens verweist Geissbühler auf die geopolitische Situation: «Die geopolitischen Unsicherheiten haben die Edelmetallpreise stark ansteigen lassen. Viele Krypto-Spekulanten sind auf den Edelmetall-Zug aufgesprungen und haben im Gegenzug ihre Bitcoins verkauft, was sich unter anderem an den starken Outflows aus BTC-ETFs ablesen lässt.»

Matthias Geissbühler ist Anlagechef bei der Raiffeisen.
Matthias Geissbühler ist Anlagechef bei der Raiffeisen.
Raiffeisen

Der Bitcoin könnte noch weiter sinken

War das nur der Anfang oder stabilisiert sich der Wert der Kryptowährungen wieder? Geissbühler sagt: «Da der Bitcoin weder Erträge generiert, Gewinne erzielt oder Zinsen beziehungsweise Dividenden zahlt, können die traditionellen, fundamentalen Bewertungsmodelle nicht angewendet werden.» Deshalb würde auf technische Analysen zurückgegriffen. Und diesbezüglich liesse das aktuelle Bild auf weiter deutlich sinkende Kurse schliessen.

«Nach dem starken Abverkauf sind kurzfristige Kurserholungen wahrscheinlicher geworden». so Geissbühler. «Ich rechne aber mittelfristig nochmals mit deutlich tieferen Kursen von unter 50'000 US-Dollar in diesem Jahr.»

Das hat einen Grund: «Das Problem ist, dass die bestehenden Narrative allesamt nicht Stand halten konnten.» Bitcoin sei kein breit verwendbares Zahlungsmittel, es sei kein Inflationsschutz und auch kein «digitales» Gold. «Um neue Anleger in den Markt zu treiben, braucht es entsprechend eine neue Geschichte - und eine solche ist derzeit nicht auszumachen», sagt Geissbühler.

«Die meisten Kryptowährungen haben keinen Nutzen»

Es wakelt aber nicht nur beim Bitcoin-Kurs. Die ganze Krypto-Welt schwankt – und das hat einen Grund: «Die meisten Kryptowährungen haben keinen Nutzen oder Use-Case – es sind also pure Spekulationsobjekte.»

Ein Grossteil dieser Kryptos werde wieder verschwinden. Der Crash bei den Kryptowährungen habe vor allem damit zu tun, dass viele Spekulanten aufgrund der hohen Verluste die Reissleine zögen und ihre Positionen auf den Markt werfen. «Dadurch entsteht eine Negativspirale, die schwer zu stoppen ist.»

Ein Wirtschaftsrise kann sich nicht beklagen

In ganz anderen Sphären ist ist derzeit ein Tech-Gigant unterwegs. Die Firma Alphabet legt 2025 Zahlen hin, die selbst für Tech-Verhältnisse gigantisch sind: Der Konzern hat erstmals mehr als 400 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Gleichzeitig ist das Geschäft extrem profitabel – am Ende bleiben 132 Milliarden Dollar Gewinn, das sind 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert: Alphabet hat seine Erträge in wenigen Jahren vervierfacht, obwohl das Unternehmen längst ein globaler Riese ist.

Zu Alphabet, Google-Muttergesellschaft, gehören unteranderem Youtube, Gemini und Pixel.
Zu Alphabet, Google-Muttergesellschaft, gehören unteranderem Youtube, Gemini und Pixel.
IMAGO/Zoonar

Zum Alphabet-Imperium gehören neben Google auch Gemini (KI), Google Maps, Android, YouTube, die Robotaxi-Tochter Waymo sowie die zentralen Datencenter. Weltweit arbeiten rund 190’000 Personen für den Konzern. Die Schweiz spielt dabei eine tragende Rolle. Zürich ist der wichtigste Forschungs- und Entwicklungsstandort ausserhalb der USA.

Starker Ausbau fürht zu Rekord-Umsatz

Ein Schlüssel zum Erfolg sind die enormen Investitionen. 2025 steckte Alphabet 61 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung – ein Viertel mehr als im Vorjahr. Und der Konzern will noch einen draufsetzen: Für das laufende Jahr kündigte Alphabet Investitionen von bis zu 185 Milliarden Dollar in künstliche Intelligenz an – Summen, mit denen kaum ein Konkurrent mithalten kann.

Auch operativ baut Alphabet seine Dominanz aus. Gemini hat sich als direkte KI-Erweiterung neben der Google-Suche etabliert und soll bereits 750 Millionen Menschen pro Monat erreichen. YouTube wird immer stärker im Bereich Unterhaltung und Musik und generierte über 60 Milliarden Dollar Einnahmen (Werbung und Abos). Dazu kommt Waymo: Die selbstfahrenden Taxis werden wöchentlich von über 400’000 Passagieren genutzt, bisher in US-Städten – Europa soll mit einem geplanten Start in London folgen. Gleichzeitig wächst der Druck: In den USA und Europa gab es wiederholt Diskussionen über Aufspaltung und Milliardenbussen – bisher ohne spürbare Wirkung.