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Betrüger haben mit den neuen WhatsApp-Benutzernamen neue Möglichkeiten User hinters Licht zu führen.
ChatGPT @ blueNews
WhatsApp verabschiedet sich von der Telefonnummer als Visitenkarte und Kriminelle reiben sich die Hände. Was die Gefahren hinter den Benutzernamen sind, warum Indien bereits die Notbremse zieht und wie du dich schützt.
«cz_binance» – diesen Benutzernamen kennt in der Kryptowelt jeder. Er gehört Changpeng Zhao, dem Gründer der grössten Kryptobörse der Welt. Auf X, auf Instagram, überall. Nur auf WhatsApp nicht. Als Zhao sich seinen eigenen Namen dort sichern wollte, war er bereits weg. Irgendjemand war schneller und niemand weiss wer.
Der Fall zeigt im Kleinen, was gerade im Grossen schiefzulaufen droht. WhatsApp führt derzeit weltweit Benutzernamen ein. Seit Ende Juni kannst du dir in der App einen Wunschnamen reservieren, im Laufe des Jahres soll die Funktion dann schrittweise freigeschaltet werden. Die Idee dahinter ist eigentlich gut. Statt bei jedem neuen Kontakt und in jeder Gruppe automatisch die eigene Handynummer preiszugeben, reicht künftig ein Name wie «peter.meier». Die Nummer bleibt privat.
Doch genau diese neue Anonymität hat eine Kehrseite. Denn wer nicht mehr an einer Telefonnummer erkennbar ist, kann sich leichter als jemand anderes ausgeben.
Wie ernst das Problem ist, zeigt sich ausgerechnet im wichtigsten WhatsApp-Markt der Welt. In Indien nutzen über 500 Millionen Menschen den Messenger. Das Tech-Portal Techcrunch machte dort die Probe aufs Exempel und versuchte, Namen zu reservieren, die man bekannten Persönlichkeiten zuordnen würde: «indiamodi» für Premierminister Narendra Modi etwa oder «sharukh.actor» für Bollywood-Star Shah Rukh Khan. Beide waren problemlos verfügbar.
Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten. Anfang Juli stoppte das indische IT-Ministerium den Rollout der Funktion per Anordnung und leitete eine Untersuchung ein. Die Behörde befürchtet, dass die Benutzernamen Onlinebetrug, Phishing und die Imitation von Behörden und Privatpersonen massiv erleichtern. Dazu kommt ein zweiter Punkt: Weil Betrüger ihre Telefonnummer nicht mehr offenlegen müssen, können sie künftig deutlich anonymer agieren.
Meta versucht zu beruhigen. Namen von Prominenten, Politikern und Behörden seien vorab reserviert worden, ebenso einige naheliegende Variationen davon. Nach welchen Kriterien das geschieht, verrät der Konzern allerdings nicht und der Fall Zhao zeigt, dass die Schutzliste offensichtlich Lücken hat. Immerhin verspricht Meta, Feedback noch vor dem offiziellen Start umzusetzen.
Das Perfide an gefälschten Benutzernamen ist ihre eingebaute Glaubwürdigkeit. Angenommen, dich schreibt jemand unter dem Namen eines bekannten Krypto-Unternehmers an und verspricht dir satte Gewinne gegen eine kleine Investition. Misstrauisch geworden, googelst du den Namen und findest ihn tatsächlich auf X und Instagram, verknüpft mit einem echten, verifizierten Profil. Die Prüfung, die dich eigentlich schützen sollte, bestätigt den Betrug.
Für die Schweiz ist das keine theoretische Gefahr. WhatsApp ist hierzulande bereits jetzt eines der beliebtesten Werkzeuge von Cyberkriminellen. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) meldete allein in den letzten Wochen eine Welle gekaperter WhatsApp-Konten über gefälschte Abstimmungs-Links sowie einen markanten Anstieg von Phishing-Nachrichten im Zusammenhang mit Hotelbuchungen. Die Meldungen dazu haben sich im Mai gegenüber dem Vormonat fast verdreifacht. Die Benutzernamen kommen also in ein Umfeld, in dem die Betrüger längst professionell arbeiten. Ein neues Werkzeug dürften sie dankbar annehmen.
Ein letzter Punkt geht in der Diskussion gerne unter. Die Benutzernamen schützen dich vor anderen Nutzern, nicht vor Meta. Für die Anmeldung bleibt eine Telefonnummer zwingend nötig, und wer seinen Instagram-Namen auch auf WhatsApp verwendet, macht dem Konzern die Verknüpfung seiner Daten über alle Plattformen hinweg noch einfacher. Die neue Privatsphäre hat also einen doppelten Boden.
Verdächtige Nachrichten kannst du übrigens direkt dem BACS melden – über das Meldeformular auf antiphishing.ch oder report.ncsc.admin.ch. Je mehr Fälle gemeldet werden, desto schneller kann die Behörde vor neuen Maschen warnen.
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