Unbekannte wollten Stromnetz in den USA lahmlegen

Von Dirk Jacquemien

8.11.2021

Das Stromnetz des Landes ist veraltet und anfällig: Hochspannungsleitungen im Mittleren Westen der USA.
Getty Images

Eine handelsübliche Drohne sollte in den USA in ein Umspannwerk fliegen und grossflächige Stromausfälle auslösen.

Von Dirk Jacquemien

8.11.2021

Mit einer Drohne sollte im US-Bundesstaats Pennsylvania offenbar die Stromversorgung lahmgelegt werden. Das geht aus einem Bericht der Nationalen Antiterror-Zentrale der USA hervor. Der Vorfall ereignete sich bereits im Juli 2020, wurde allerdings erst jetzt bekannt, wie «Wired» berichtet.

Als Waffe wurde in diesem Fall eine handelsübliche DJI Mavic 2-Drohne (Neupreis etwa 1500 Franken) eingesetzt. Bei dieser wurden Seriennummer und andere identifizierbare Merkmale unkenntlich gemacht, ausserdem Kamera und Speicherkarte entfernt. An die Drohne hängten die Täter zwei knapp 1,20 Meter lange Nylonbänder, die an ihren Enden mit einem Kupferkabel verbunden wurden.

Kurzschluss sollte zu Kettenreaktion führen

Das Ziel war ein Umspannwerk. Durch den Kontakt des Kupfer- mit dem Stromkabel wollten die Angreifer vermutlich einen Kurzschluss auslösen, der dann möglicherweise zu einer Kettenreaktion geführt und die Stromversorgung in einem grösseren Gebiet gestört hätte. Im völlig veralteten Stromnetz der USA haben schon öfter vermeintlich kleinere Vorfälle — etwa in Hochspannungsleitungen gestürzte Bäume — zu grossflächigen Blackouts geführt.

Doch irgendetwas ging bei dem Angriff schief. Die Drohne wurde auf dem Dach eines an das Umspannwerk angrenzenden Verwaltungsgebäude gefunden — offenbar war sie auf dem Weg abgestürzt. Die Verantwortlichen für den misslungenen Angriff sind bis heute unbekannt.

Zivile Drohnen als Waffen von Terroristen

Es ist das erste bekannte Beispiel für einen gezielten Angriff auf das Stromnetz in den USA mit einer Drohne. Aber für den zivilen Gebrauch bestimme Drohnen werden schon seit einiger Zeit für militärische oder terroristische Zwecke modifiziert.

Die Terrormiliz «Islamische Staat» versah zu seinen Hochzeiten im Irak und Syrien fast täglich handelsübliche oder selbst gebaute Drohnen mit Sprengstoff und Granaten und schickte sie auf Kamikaze-Missionen. Und erst am gestrigen Sonntag hat der irakische Premierminister Mustafa Al-Kadhimi einen Angriff mit einer Sprengstoff-Drohne auf seine Residenz in Bagdad überlebt.